| Planeten-Institut | |
|---|---|
| Gründung | November 1912 in Frankfurt am Main |
| Auflösung | 1. Oktober 1939 |
| Gründer | Physikalischer Verein, Martin Brendel |
| Sitz | Frankfurt am Main |
| Nachfolger | Astronomisches Rechen-Institut |
| Zweck | Bahn- und Störungsrechnung für Kleinplaneten |
Das Planeten-Institut (anfangs Internationales Planeten-Institut, auch Planeteninstitut) war eine Forschungseinrichtung in Frankfurt am Main zur Bahnberechnung von Kleinplaneten. Der Astronom Martin Brendel richtete es 1912 an der Sternwarte des Physikalischen Vereins ein, um die Bewegungen der Kleinplaneten in internationaler Zusammenarbeit über lange Zeiträume zu berechnen. Von 1931 an war es eine Abteilung der Universitäts-Sternwarte der Goethe-Universität Frankfurt. 1939 wurde es nach Heidelberg verlegt und der Sternwarte auf dem Königstuhl angegliedert.

Im Jahr 1912 waren mehr als 750 Kleinplaneten bekannt. Ihre Verfolgung und Entdeckung durch astronomische Beobachtungen hatte das Astronomische Rechen-Institut in Berlin übernommen. In Frankfurt war 1907 Martin Brendel als Leiter der Sternwarte des Physikalischen Vereins berufen worden. Er hielt über Neuentdeckung von Kleinplaneten hinaus eine genauere Berechnung der Bahnparameter für nötig. Auch eine Astronomenversammlung in Breslau hatte im September 1910 ein eigenes internationales Institut für diese Aufgabe als wünschenswert bezeichnet und eine internationale Planeten-Kommission eingesetzt. Bei einer Zusammenkunft von Astronomen in Paris rief Brendel dann 1912 zur Gründung einer internationalen Organisation zur Planetenberechnung auf; die Berechnungsstelle solle in Frankfurt entstehen, sobald die Mittel vorhanden seien.
Im November 1912 wurde das Institut zunächst provisorisch in den Räumen der Sternwarte des Physikalischen Vereins eingerichtet. Erste Mittel gaben die Georg und Franziska Speyer’sche Studienstiftung und die Königliche Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen. Die Sorbonne, die Königliche Sternwarte in Brüssel und die Sternwarte in Bukarest schickten auf Kosten ihrer Regierungen Astronomen für einige Monate zur Mitarbeit nach Frankfurt.
Auf Betreiben von Henri Poincaré beantragte die Pariser Académie des sciences bei der Internationalen Assoziation der Akademien, das Vorhaben zu unterstützen. Auf deren Tagung in Sankt Petersburg im Mai 1913 stimmten alle vertretenen Akademien zu, ausgenommen die Berliner, die die Bearbeitung der Kleinplaneten als Aufgabe des Berliner Rechen-Instituts ansah. Im August 1913 billigte auch die Astronomische Gesellschaft auf ihrer Versammlung in Hamburg das Unternehmen und sagte ihre Mitwirkung am Arbeitsprogramm zu. 1913/14 erhielt das Institut vier Zimmer im Vereinsgebäude. Bis zum Sommer 1914 waren die Bahnen von 60 Kleinplaneten berechnet.
Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die internationale Zusammenarbeit ab 1914 unterbrochen. Auf einer Urlaubsreise in Frankreich geriet Martin Brendel bei Kriegsbeginn in Gefangenschaft, der russische Gastwissenschaftler Pjotr Michailowitsch Gorschkoff von der Sternwarte in Sankt Petersburg wurde in Bad Nauheim festgesetzt. Die geschäftliche Leitung übernahm während Brendels Abwesenheit der Mathematiker Arthur Schoenflies. Bis dahin hatte das Institut nahezu hundert Kleinplaneten so weit berechnet, dass ihre Bahnen für Jahrzehnte gesichert erschienen. Nach Kriegsende schrieb Brendel im Dezember 1918 an den Oberbürgermeister, das Institut habe durch den Krieg seinen internationalen Charakter verloren.
In der Inflationszeit geriet das Institut in große Geldnot. Brendel warnte das Kuratorium des Planeten-Instituts im März 1920 vor einem Zusammenbruch, nach welchem Frankreich die Führung in der Planetenforschung übernehmen werde, und rief im März 1921 in Frankfurter Zeitungen zu Spenden auf. Über die Warnungen wurde auch überregional berichtet. Auf Veranlassung der Stadt nahm die Speyer-Stiftung ihre zwischenzeitlich ausgesetzte Zahlung wieder auf. 1923 endete die auf zehn Jahre zugesagte Unterstützung jedoch, ohne dass Ersatz gefunden wurde.
Brendel wurde 1927 als Professor der Universität Frankfurt emeritiert. Das Planeten-Institut war jedoch nicht Teil der Universität, sodass Brendel das Institut des Physikalischen Vereins vorerst weiter leitete. Die finanzielle Lage des Instituts blieb prekär. Auf Anregung von Baron de Vos van Steenwijk, dem Sekretär des Internationalen Instituts für geistige Zusammenarbeit in Paris, wurde die Arbeit des Instituts 1928 im Rahmen des Völkerbunds beraten. Eine Unterstützung durch den Völkerbund kam dabei nicht zustande. Brendel betonte, es sei ihm bei dem Vorstoß nicht um Geld gegangen, sondern darum, die Mitarbeit ausländischer Astronomen unter Frankfurter Leitung wiederzubeleben.
Durch die finanziellen Schwierigkeiten war ein eigenständiger Betrieb im Physikalischen Verein nach Emeritierung Brendels nicht mehr möglich. Das preußische Wissenschaftsministerium übernahm das Institut daher ab dem 1. April 1931 als eine selbstständige Abteilung der Universitätssternwarte. Auch als Teil der Universität blieben die Mittel jedoch begrenzt. Die Arbeiten, die nun Karl Boda leitete, wurden aus Ersparnissen und dem Sachetat der Sternwarte bestritten und stützten sich zunehmend auf freiwillige Rechner. In dieser Zeit wurden die Störungen von rund 300 Kleinplaneten für die Jahre 1932 bis 1940 berechnet. Die Universitätssternwarte wurde 1936 als Institut wieder aufgelöst und die Sternwarte selbst wieder dem Physikalischen Verein übergeben. Das Planeten-Institut blieb jedoch vorerst als Einrichtung der Universität bestehen. Zum 25-jährigen Bestehen am 1. Januar 1938 hatte das Institut nach eigener Bilanz für mehr als 600 Kleinplaneten Störungsrechnungen und für mehr als 250 Bahnverbesserungen berechnet.
Im Dezember 1938 meldete die Presse, das Institut solle am 1. April 1939 nach Heidelberg verlegt werden. Dort solle es seine Arbeit in größerem Umfang fortführen, vor allem bei Neuentdeckungen und erdnahen Kleinplaneten. Die Stadt Frankfurt hielt die Verlegung für sinnvoll, weil Frankfurt weder einen astronomischen Lehrstuhl noch eine zeitgemäße Sternwarte besitze. Der Physikalische Verein stimmte zu. Kitmeridis bezeichnet den Vorgang als Zwangsverlegung in der Zeit des Nationalsozialismus.
Zum 1. Oktober 1939 wurde das Institut nach Heidelberg verlegt und der dortigen Sternwarte angegliedert. Boda zog mit nach Heidelberg, behielt aber einen Lehrauftrag in Frankfurt. Er führte das Institut als Sonderabteilung der Landessternwarte auf dem Königstuhl bis zu seinem Tod im Februar 1942.
Ziel des Instituts war ein genaueres Studium der Bewegungen der Kleinplaneten. Daran knüpften sich nach Brendel Grundfragen der Himmelsmechanik, der Mathematik und der Physik. Das Institut bestimmte mittlere Bahnelemente und genäherte Störungen durch Jupiter in abgestuften Genauigkeitsgraden. Bis 1920 lagen genäherte Jupiterstörungen für 243 Kleinplaneten vor, mittlere Elemente im ersten Genauigkeitsgrad (20 Bogenminuten) für 124. 1924 entwickelte Brendel eine neue Methode zur Berechnung der Planetenbewegungen. Boda fand Ende der 1920er Jahre ein Verfahren, das auch für parabolische und hyperbolische Bahnen verwendet werden konnte.

Das Institut hatte stets nur wenige bezahlte Kräfte; ein großer Teil der Rechenarbeit lag bei Gästen, auswärtigen und freiwilligen Mitarbeitern. In der Gründungszeit arbeiteten neben Brendel als Assistenten unter anderem Gottfried Rückle sowie Karl Boda im Institut. Auch menschliche Computer, vorwiegend Frauen, waren am Institut angestellt.
Durch die finanziellen Schwierigkeiten wurde auch auf freiwillige Rechner zurückgegriffen. Auswärts rechneten unter anderem der Astronom de la Villemarqué an der Sternwarte Zô-Sè bei Shanghai, Jan Krassowski in Warschau, Camillus Scharf in Taikia (China), Hans-Christian Freiesleben in La Paz, Raynald in Hamburg, der frühere Assistent Karl Schütte in München und Pastor Johann Gerhard Behrens in Stade.
Auch Franz Kaiser unterstütze das Planeten-Institut. Er entdeckte später in Heidelberg zahlreiche Kleinplaneten und benannte einige davon nach Personen aus dem Planeten-Institut und dem Physikalischen Verein: (743) Eugenisis nach Eugen Hartmann, (745) Mauritia nach Moritz Nathan Oppenheim, (761) Brendelia nach Martin Brendel.
Erste Ergebnisse erschienen in den Astronomischen Nachrichten, darunter genäherte Störungen für 100 und mittlere Elemente für 60 Kleinplaneten. Ab 1919 gab die Universität eigene Mitteilungen der Universitäts-Sternwarte heraus, in denen die Arbeiten des Planeten-Instituts als fortlaufend nummerierte Hefte erschienen.