
Der Plasmat ist ein von Paul Rudolph ab 1918 entwickeltes Hochleistungsobjektiv, das von der Firma Hugo Meyer („Meyer-Optik“) in Görlitz fabriziert wurde. Er zeichnete sich durch seine weit getriebene sphärochromatische Korrektion aus, bei der Rudolph Wert darauf legte, den Kugelgestaltsfehler gleichmäßig über für das gesamte sichtbare Spektrum hinweg zu korrigieren. Die aufgrund dieses Korrekturverfahrens von Rudolph behauptete, besondere plastische Tiefenwiedergabe kommt in der Objektivbezeichnung "Plasmat" zum Ausdruck, war aber in der Fachwelt der 1920er Jahre hoch umstritten.

Der Plasmat geht auf den sechslinsigen Doppel-Anastigmaten zurück, der in den Jahren 1891/92 in sehr ähnlicher Form parallel zueinander sowohl von Paul Rudolph bei Zeiss, als auch von Emil von Höegh bei Goerz in Berlin entwickelt wurde, wobei Goerz das später in Dagor umbenannte Objektiv in Deutschland eher patentieren konnte. Dieser Dagor-Typ bestand aus zwei gleichartig aufgebauten Hälften, bei denen in einem dreiteiligen Kittglied zwei Sammellinsen eine Zerstreuungslinse einschlossen. Durch geeignete Glaswahl hatten die beiden entstehenden Kittflächen je eine sammelnde und eine zerstreuende Wirkung, womit das Anastigmat-Prinzip Rudolphs bereits in jeder der beiden Hälften des Doppelobjektvs verwirklicht war. Bei einer sehr guten Korrektur von Astigmatismus und Wölbung verblieb aber eine erhebliche sphärische Aberration. Diese sphärischen Restfehler beschränkten das Anheben auf größere Lichtstärken, was jedoch eine Voraussetzung dafür darstellte, den Doppel-Anastigmaten zum Satzobjektiv umbauen zu können, bei dem die mit einer fast doppelt so langen Brennweite als das Gesamtobjektiv nutzbaren Hälften möglichst lichtstark sein sollten. Schon von Höegh selbst hatte mit seinem Reichspatent Nr. 107.358 im Jahre 1899 die inneren Sammellinsen "losgekittet", um mit dem entstehenden meniskenförmigen Luftraum die sphärischen Zonen und die Koma zu mildern. Diese Konstruktionsidee wurde im Jahre 1901 von Ernst Arbeit aufgegriffen, der auf dieser Basis sein Euryplan 1:6 schuf (DRP Nr. 135.742). Dieses hochwertige Satzobjektiv wurde zuerst von Schulze & Billerbeck, und nach der Übernahme dieser Firma auch von Hugo Meyer gebaut. Als einziger Nachteil ergab sich, dass durch die größere Anzahl von Glas-Luft-Übergangen dieser Objektivaufbau zu größeren inneren Reflexionen neigte (die Vergütung optischer Oberflächen war damals noch nicht erfunden).
Paul Rudolph, der sich seit Herbst 1910 eigentlich aus dem Objektivbau zurückgezogen hatte, aber während des Ersten Weltkrieges zu Zeiss dienstverpflichtet worden war, erkannte rasch, dass sich mit den mittlerweile stark weiterentwickelten Schwer- und Schwerstkrongläsern neue Korrekturmöglichkeiten für diesen Objektivaufbau ergaben. Er nutzte in den Jahren 1918 und 1919 die Zeiss-Versuchsabteilung, um eine lichtstarke Satzlinse zu entwickeln, die er zunächst Rudarlinse nannte und die er am 15. März 1918 auf eigenen Namen unter der Nummer 310.615 patentieren ließ. Im August 1919 ließ er sich den Markennamen "Plasmat" schützen. Aufgrund der zahlreichen Veröffentlichungen aus eigener Feder zu seinem Plasmat hat sich auch die von Paul Rudolph präferierte Verwendung des männlichen Artikels allgemein durchgesetzt: Man sagt "der" Plasmat statt den üblicherweise bei Objektiven verwendeten sächlichen Artikel "das" zu verwenden (dagegen hat sich die von Ludwig Bertele benutzte Bezeichnung "der Ernostar" später nicht durchsetzten können).
Da die weitere Zusammenarbeit mit Zeiss jedoch nicht zustande kam, wurde dieser neue Objektivaufbau ab 1920 als Doppel-Plasmat 1:4 in Lizenz bei der schlesischen Objektivbauanstalt Hugo Meyer gefertigt. Die Einzelhälfte konnte für sich allein verwendet werden und hatte bei einer Lichtstärke von 1:8 in etwa die 1,7-fache Brennweite des Doppelobjektivs. Als zweite Bauform wurde der sogenannte Satz-Plasmat auf den Markt gebracht, bei dem zwei Hälften mit verschieden langen Brennweiten und den Lichtstärken 1:8 und 1:11 einzeln verwendet werden konnten, oder aber in Kombination mit der Lichtstärke 1:4.5. Neben einem Einsatz in der „normalen“ Fotografie wurden Plasmate oft in Geräten zum Kopieren von Dokumenten eingesetzt.
Einen anderen Aufbau mit innen liegenden Zerstreuungslinsen hatte der im Dezember 1922 mit dem Reichspatent Nr. 401.630 geschützte Kino-Plasmat, mit dem Rudolph auf die Nachfrage nach besonders hohen Lichtstärken bei Filmkameras reagierte. Auf den 1923 herausgebrachten Kino-Plasmaten 1:2,0 folgte im Januar 1926 der Kino-Plasmat 1:1,5, der bis zum Erscheinen des Biotars 1:1,4 das lichtstärkste serienmäßig hergestellte fotografische Objektiv der Welt darstellte. Auch bei diesen Kino-Plasmaten hatte Rudolph Wert auf eine hohe sphärochromatische Korrektur gelegt, weshalb er auch hier eine besonders plastische Tiefenwiedergabe für sein Objektiv reklamierte. Einige heute noch bekannte Stummfilme wurden mit diesem Objektiv gedreht, wie beispielsweise Murnaus Faust von 1926.
Die Londoner Kamerafirma A.O. Roth vermarktere Mitte-Ende der 1920er Jahre eine „Meyer Speed Camera“ (4,5 cm × 6 cm), die mit einem 1:2/90 mm Kino Plasmat ausgestattet war. Aufgrund der hohen Lichtstärke wurde das Objektiv auch wissenschaftlich eingesetzt. So fand Anfang der 1930er ein Kino-Plasmat 1:1,5/50 mm Einsatz bei der fotografischen und spektrografischen Untersuchung des Polarlichts. Es existieren auch Varianten, die als Projektionsobjektive genutzt werden können (siehe Bild).