Pol Maria Rommens

Pol Maria Rommens (* 1954 in Roeselare, Belgien) ist ein belgisch-deutscher Unfallchirurg. Er war Direktor des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie der Universitätsmedizin Mainz und Hochschullehrer an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Leben

Rommens studierte ab 1972 Humanmedizin an der Katholischen Universität Leuven (KU Leuven), wo er 1979 zum Doktor der Medizin promoviert wurde. Weiterbildungen absolvierte er an den Universitätskliniken Leuven zum Facharzt für Chirurgie unter der Leitung von Jacques Gruwez (1985) und am Universitätsklinikum Essen unter der Leitung von Klaus-Peter Schmit-Neuerburg zum Facharzt für Unfallchirurgie (1986). Es folgten Facharzt-Qualifikationen für Notfallmedizin (1995), für Physikalische Therapie (1998), für Orthopädie und Unfallchirurgie (2006) sowie für Spezielle Unfallchirurgie (2007).

Von 1986 bis 1996 war Rommens an den Universitätskliniken Leuven tätig, zunächst bis 1992 als Oberarzt der Chirurgischen Klinik (Abteilung Unfallchirurgie) und anschließend als leitender Oberarzt der Klinik für Unfall- und Notfallchirurgie. Nach seiner Habilitation mit der Schrift Die Tibiaschaftfraktur mit schwerem Weichteilschaden im Jahr 1990 wurde er 1992 als Hochschullehrer an die Katholische Universität Leuven berufen. 1993 war er zudem AO-Fellow für Becken- und Azetabulum Chirurgie im Good Samaritan Hospital in Los Angeles unter der Leitung von Joel Matta.

Rommens wurde 1996 zum Chefarzt der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Mainz und zum ordentlichen Hochschullehrer an der Johannes Gutenberg-Universität berufen. Von 2013 bis 2021 war er Chefarzt des Zentrums für Orthopädie und Unfallchirurgie der Universitätsmedizin Mainz. Gastprofessuren führten ihn an die Universität Patras (2003), University of the State of New York (2004), Universität Hongkong (2011) und an die Israel Orthopaedic Association (2023).

Rommens ist Autor und Koautor von über 600 wissenschaftlichen Publikationen. Er ist Mitherausgeber des ersten Lehrbuches über Unfallchirurgie in niederländischer Sprache. Von 2000 bis 2020 war er Herausgeber des European Journal of Trauma and Emergency Surgery.

Wissenschaftliche Schwerpunkte

Rommens klinisch-wissenschaftliches Interesse galt der Entwicklung von Instrumenten und Implantaten für die intra-medulläre Nagelung von Frakturen der oberen und unteren Extremität sowie deren mechanischen und biomechanischen Testung. Ebenfalls war er engagiert in der posttraumatischen Becken- und Azetabulum-Chirurgie, der Entwicklung von neuen Instrumenten und Implantaten in der Beckenchirurgie sowie der Lehre in Spezialkursen.

Schwerpunkte liegen in der intra-medullären Nagelung und der operativen Versorgung von Becken- und Azetabulumfrakturen. Im biomechanischen Laboratorium der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie wurden mehrere neue Nagelkonzepte entwickelt und/oder auf ihre (bio)mechanische Tauglichkeit geprüft: der ungebohrte Humerusnagel (UHN), der proximale Tibia Nagel (PTN), der Expert Tibia Nagel (ETN) und der Distale Tibia Nagel (DTN). Auch wurden Konzepte entwickelt zur intra-medullären Stabilisierung von Olecranon- und Ulna-Frakturen. Rommens war von 1997 bis 2003 Präsident der Gerhard Küntscher Society, die sich der Versorgung von Extremitätenverletzungen mittels intra-medullärer Nagelung widmet. Zusammen mit Martin Hessmann veröffentlichte Rommens 2015 das Referenzwerk Intramedullary Nailing. A comprehensive Guide beim Springer Verlag.

Rommens war von 1999 bis 2014 Mitglied der Pelvic Expert Group (PEEG), einer Arbeitsgruppe der Technischen Kommission (AOTK) der Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen (AO), die sich der Entwicklung von neuen Instrumenten, Implantaten und von neuen chirurgischen Zugängen zur operativen Versorgung von Becken- und Azetabulum-Frakturen widmet. In diesem Zusammenhang wirkte Rommens international als Sprecher bei Kursen und auf Kongressen zu diesem Thema. 2013 veröffentlichte er zusammen mit Alex Hofmann eine neue umfassende Klassifikation von Fragilitätfrakturen des Beckens (FFP), verbunden mit Empfehlungen zur operativen Behandlung. 2015 erschien deren Referenzwerk Fragility Fractures of the Pelvis bei Springer London. Die Publikationen von Rommens et al. zu diesem Thema haben das Management dieser Frakturen maßgeblich beeinflusst.

Mitgliedschaften und Funktionen (Auswahl)

Ehrungen und Auszeichnungen

Buchpublikationen (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Univ.-Prof. Dr. med, Pol Maria Rommens. (PDF) In: A.Vesalius 33, Nr. 1, 2021. KU Leuven, S. 54 f., abgerufen am 27. Januar 2026 (niederländisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 Ehrendoktorwürde der Universität Patras für Pol Maria Rommens. In: Johannes Gutenberg-Universität Mainz. 9. November 2005, abgerufen am 26. Januar 2026.
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Curriculum Vitae bei Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2024 (PDF), abgerufen am 26. Januar 2026.
  4. ↑ Veröffentlichungen von und über Pol Maria Rommens auf dem Dokumentenserver Researchgate
  5. ↑ P. M. Rommens, J. Blum: Die retrograde Nagelung mit dem UHN. In: Aktuelle Traumatologie. Band 31, Nr. 3, Juni 2001, ISSN 0044-6173, S. 125–132, doi:10.1055/s-2001-14726 (thieme-connect.de [abgerufen am 27. Januar 2026]).
  6. ↑ M. Hansen, D. Mehler, P. M. Rommens: Proximaler Tibianagel (PTN) – biomechanische Untersuchungen. In: Aktuelle Traumatologie. Band 35, Nr. 3, Juni 2005, ISSN 0044-6173, S. 134–139, doi:10.1055/s-2005-865729 (thieme-connect.de [abgerufen am 27. Januar 2026]).
  7. ↑ Gut genagelt heilt besser. In: idw. 7. September 2005, abgerufen am 27. Januar 2026.
  8. ↑ Revolutionär neue OP-Technik für Brüche des unteren Schienbeins. In: idw. 6. März 2017, abgerufen am 27. Januar 2026.
  9. ↑ Home – Kuentscher Society. Abgerufen am 27. Januar 2026 (englisch).
  10. ↑ Fragility Fractures of the Pelvis (FFP): Diagnosis, Classification & Treatment Options. Abgerufen am 27. Januar 2026 (englisch).
  11. ↑ Pol Maria Rommens, Daniel Wagner, Alexander Hofmann: Fragility Fractures of the Pelvis. In: JBJS Reviews. Band 5, Nr. 3, 21. März 2017, ISSN 2329-9185, doi:10.2106/JBJS.RVW.16.00057 (lww.com [abgerufen am 24. Januar 2026]).
  12. ↑ Pol Maria Rommens, Alexander Hofmann: Comprehensive classification of fragility fractures of the pelvic ring: Recommendations for surgical treatment. In: Injury. Band 44, Nr. 12, Dezember 2013, S. 1733–1744, doi:10.1016/j.injury.2013.06.023 (elsevier.com [abgerufen am 24. Januar 2026]).
  13. ↑ Pol Maria Rommens, Alexander Hofmann: The FFP-classification: From eminence to evidence. In: Injury. Band 54, Mai 2023, S. S10–S19, doi:10.1016/j.injury.2021.09.016 (elsevier.com [abgerufen am 24. Januar 2026]).
  14. ↑ Treuhandstiftungen an der JGU: Mainzer Trauma-Stiftung. In: Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Universitätsförderung. Abgerufen am 1. Februar 2026.
  15. ↑ Carl-Thiem-Gedenkmünze. In: Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie. Abgerufen am 26. Januar 2026.
Personendaten
NAME Rommens, Pol Maria
KURZBESCHREIBUNG belgisch-deutscher Unfallchirurg und Hochschullehrer
GEBURTSDATUM 1954
GEBURTSORT Roeselare, Belgien