Als Polyurie (von altgriechischπολυουρίαpoliuría, deutsch ‚viel Harnen‘; deutsch auch Harnflut) wird eine krankhaft erhöhte Urinausscheidung (vermehrte Diurese) bezeichnet. Bei erwachsenen Menschen wird üblicherweise die Ausscheidung von mehr als 3 Litern Urin in 24 Stunden als Polyurie definiert, es gibt jedoch auch niedriger angesetzte Grenzwerte (z.B. mehr als 2,5 Liter Urin in 24 Stunden). Die Urinmenge eines gesunden Erwachsenen liegt bei 0,8 bis 2 Liter in 24 Stunden. Vergleichszahlen für den normalen Harnfluss bei Kindern (24-Stunden-Sammelurin) fehlen in der Fachliteratur. Man behilft sich mit der Osmolalität des Urins bei den verschiedenen Nierenkrankheiten.
Ursachen
Diabetes mellitus: Bei einem schlecht eingestellten oder eventuell unentdeckten Diabetes mellitus kommt es auf Grund einer sogenannten osmotischen Diurese (Filtrationsdiurese) zur Polyurie mit Ausscheidung von Glukose (Glukosurie)
In der Regel findet sich neben der erhöhten Urinausscheidung (mehr als 3 l in 24 Stunden) auch ein dranghaft vermehrter Durst (Polydipsie) zum Ausgleich der Flüssigkeitsverluste. Häufig findet sich dennoch eine sogenannte Exsikkose (Austrocknung, Dehydratation).
Bei der psychogenen Polydipsie trinken Patienten auf Grund einer psychischen Erkrankung zu viel. Natürlich ist dann sekundär die Harnmenge erhöht. Bei der Pollakisurie ist die Miktionsfrequenz auch ohne Veränderung der Gesamtharnmenge erhöht.
Joachim Frey: Harnmengenänderungen. In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der Inneren Medizin. Springer-Verlag, Berlin u.a. 1955; 2. Auflage ebenda 1961, S. 905–910, und Hypophysär-diencephale Poly- und Oligurie: S. 917–919.
↑Edouard Battegay (Hrsg.):Differenzialdiagnose Innerer Krankheiten. Vom Symptom zur Diagnose. 21., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Georg Thieme, Stuttgart/New York 2017, ISBN 978-3-13-344821-5, S.440.
↑Auch der Begriff der tubulären Insuffizienz geht auf Franz Volhard zurück. „Er definierte (1931) als ‚Tubuliinsuffizienz ein Konzentrationsunvermögen, das nur dadurch kompensiert werden kann, daß die Glomeruli mehr leisten, das heißt durch eine Polyurie‘, so daß ‚jede Tubuliinsuffizienz, die zur Niereninsuffizienz führt, mit einer Abnahme der maximalen Leistungsfähigkeit der Glomeruli verbunden sein muß.‘“ Quelle: Handbuch der inneren Medizin, 5. Auflage, 8. Band, 1. Teil, ISBN 978-3-642-95038-4, S. 552 f.
↑Hans Eppinger: Pathologie und Therapie des menschlichen Ödems. Berlin 1917.
↑Hans Eppinger: Die Permeabilitätspathologie. Wien 1948.
↑Ulrich Gessler, K. Schröder: Experimenteller Beitrag zur Pathogenese der akuten Anurie. In: Karl Julius Ullrich, Klaus Hierholzer (Hrsg.): Normale und pathologische Funktionen des Nierentubulus.Verlag Hans Huber, Bern 1965, S. 349–353, Zitat S. 353. DNB458762938.
↑Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 57.
↑Markus J. Kemper, Jun Oh: Das akute und chronische Nierenversagen. In: Jörg Dötsch, Lutz T. Weber (Hrsg.): Nierenerkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg 2017, ISBN 978-3-662-48788-4, S. 169–192, Zitat S. 181.
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