Pontoniersport

Ein Kunststoff-Übersetzboot der Schweizer Armee in privatem Gebrauch

Der Pontoniersport ist eine traditionelle Wassersportart der Schweiz. Er wird vom Eidg. Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) unterstützt. Bei diesem Sport wird hauptsächlich mit Übersetzbooten und Weidlingen auf Flüssen und Seen gerudert und gestachelt. Diese Sportart erfordert neben Kraft auch ein grosses Wissen über das Element Wasser. Im Gegensatz zum Wasserfahren werden beim Pontoniersport nicht nur kurze Zeiten von den Wettkämpfern erwartet, sondern – als Training für den Brückenbau – auch Präzision beim Fahren.

Der Begriff kommt von den Pontons, jenen Schiffshohlkörpern zum Bau von meist behelfsmässigen Brücken. Es besteht eine Verbindung zwischen den Pontonierfahrvereinen (auch Pontoniersportvereine) und den Pontonieren der Schweizer Armee.

Vereine

Vereinslokal und Boote der Pontoniere Schaffhausen

Der Pontoniersport wird seit 1876 in Pontonierfahrvereinen betrieben. Diese trainieren meistens zwei- bis dreimal pro Woche im Sommer und einmal pro Woche im Winter. Im Sommer wird an oder auf einem Fluss (Rhein, Aare, Limmat, Reuss und vereinzelt auch an der Rhone) das Wasserfahren trainiert, wohingegen man im Winter in der Halle Präzision, Ausdauer oder Schwimmen übt. In der Schweiz gibt es insgesamt 40 Vereine (Stand 29. November 2022), die dem Schweizerischen Pontonier-Sportverband angehören.

Wettkämpfe

Jährlich werden etwa vier gesamtschweizerische Wettfahren durchgeführt. Daneben kommen noch verschiedene kleine Wettfahren und Spezialwettkämpfe zur Austragung. Der Wettkampfparcours kann mit einem Hindernislauf auf dem Wasser verglichen werden. Es geht darum, verschiedene Übungsteile möglichst schnell und präzise sowie stilistisch einwandfrei zu absolvieren.

Jährlich gibt es eine Schweizer Meisterschaft und eine Jungpontonier-Schweizer-Meisterschaft. Alle drei Jahre findet ein Eidgenössisches statt. Die übrigen Wettkämpfe sind zeitlich nicht eingeordnet.

Einzelwettfahren

Beim Einzelwettfahren geht es darum, als Fahrerpaar möglichst viele Punkte zu erreichen. Als Wettkampfelemente gelten bei diesem Bereich:

Sektionswettfahren

Beim Sektionswettfahren geht es darum, als Verein oder Gruppe eines Vereins mit mehreren Übersetzbooten einen Parcours möglichst perfekt zu fahren. Hinzu kommt, dass alles im gleichen Takt, mit gleichen Abständen zwischen den Booten und mit vier statt mit zwei Personen pro Boot (die Fahrerpaare wechseln beim Fahren) durchgeführt werden muss. Zu den einzelnen Wettkampfelementen zählen:

Spezialwettkämpfe

Neben den Wettkämpfen auf dem Wasser gibt es auch noch Wettkämpfe neben dem Wasser oder im Wasser

Eidgenössisches

Pontoniere der Sektion Bern am eidg. Pontonierwettfahren in Schönenwerd (1943)

Sektionsfahren

Sieger Anzahl
Siege
Jahre
Aarau41900, 1933, 1936, 1946
Aarburg11907
Basel–Breite11897
Bern21894, 1939
Diesenhofen11961
Dietikon11927
Klingnau11913
Ligerz11921
Luzern11910
Murgenthal31967, 2000, 2003
Olten11904
Schmerikon81949, 1958, 1964, 1982, 1985, 1988, 1991, 2025
Schönenwerd11955
Schwaderloch32015, 2018, 2022
Sisseln12007, 2009
Stein am Rhein21995, 2012
Wallbach11979
Wangen an der Aare21924, 1930
Worblaufen11943
Wynau11997
Elikon 1 1976

Vereinsleben

Jungpontonierlager

Jährlich findet seit 1957 für die Jugendlichen das Jungpontonierlager in Einigen am Thunersee statt. Dort lernen sie Rudern, Stacheln, Motorbootfahren, Schwimmen, Schnüren, Erste Hilfe usw. Mit 16 Jahren ist man für den Motorboot-Vorkurs zugelassen, mit 18 Jahren für die Motorbootprüfung. Bei Erfolg erhält man einen militärischen Schiffsführerausweis, den man beim Strassenverkehrsamt (Schifffahrt) gegen Aufpreis in den zivilen umwandeln kann.

Archive

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Jungpontoniere – Pontoniere Diessenhofen. Abgerufen am 17. Januar 2023 (Schweizer Hochdeutsch).
  2. ↑ Vereine. Abgerufen am 17. Januar 2023.
  3. ↑ Quelle für die Jahre 1894 bis 1943: Müller 1945, S. 222–263.