Positive Peer Culture (PPC) ist ein Ansatz zur Förderung von Resilienz im Jugendalter. Er wurde in den 1960er Jahren in den USA von Harry H. Vorrath und Larry K. Bendtro entwickelt.
Im Kern will PPC Jugendliche anleiten, trotz all ihrer Probleme ihre positive Aufmerksamkeit auf andere Jugendliche zu richten und ihnen zu helfen. In der Forschung finden sich viele Hinweise, dass von Gleichaltrigen im Jugendalter eher Gefahren ausgehen. Die Rede ist von Cliquen und Banden, weniger vom Freundeskreis oder Netzwerk. Dabei fehlt es nicht an Hinweisen, warum, wo und wie sich Jugendliche gegenseitig unterstützen können und sollen. Weil die Bedeutung Gleichaltriger in der Jugend zunimmt, verbinden sich mit Peerbeziehungen Risiken, aber auch besondere Chancen. Jugendliche orientieren sich in ihrem Verhalten in ihren Einstellungen und ihrer Identität an anderen Jugendlichen. PPC hat den Anspruch, einen positiven Ort des sozialen Lernens, einen Ort, der sich durch eine Kultur der gegenseitigen Hilfe auszeichnet, zu schaffen.
Positive Peer Culture ist ein Angebot, das in der Heimerziehung entwickelt wurde und nun auch in außerschulischen und schulischen Angeboten umgesetzt wird. Der Ansatz nutzt die Kraft der Peer Group konstruktiv. Es wurde parallel in anderen theoretischen Kontexten vorangetrieben von Howard W. Polsky. Wine Delinquenteneinrichtung in Philadelphia geht ähnlich vor und nennt die Herangehensweise (Group Guided Interaction). Inzwischen gibt es auch im deutschsprachigen Raum Einrichtungen, die diesem Ansatz folgen, z. B. Seehaus Leonberg oder Projekt Chance. Erfahrungen gibt es auch mit schulischen und Freizeitangeboten.
Die Jugendlichen werden aufgefordert und angeleitet, sich innerhalb ihrer Gruppe gegenseitig zu helfen. Unabhängig von den eigenen Problemen machen Jugendliche hier die Erfahrung, dass sie für andere hilfreich sein können. Dies stabilisiert den eigenen Selbstwert positiv und nachhaltig.
Die Gruppentreffen im PPC-Ansatz folgen bestimmten Regeln.
Durch die Möglichkeit, anderen zu helfen, kann Wertschätzung erfahren und ein positives Selbstbild aufgebaut werden. Indem einer dem anderen hilft, gewinnt er an positiver Bedeutung für die anderen. Im Wechselspiel von Hilfehandeln und positiver Fremdeinschätzung kommt es zu einer positiven Selbstbewertung und zu einer Stabilisierung des Selbstwerts. Vertrauen, Hilfsbereitschaft, Verantwortung untereinander und soziale Kompetenz wachsen. Akzeptanz, Verstehen, Toleranz untereinander nehmen zu. Die Jugendlichen sprechen über eigene Probleme, Schwächen und Stärken. Konflikte und Krisen werden angesprochen, Zuhören wird gelernt. Mit PPC liegt ein Ansatz vor, der bei Jugendlichen, die als schwierig gelten, tief greifende Veränderungen möglich machen soll. Die Veränderungen gehen über reine Verhaltensänderungen hinaus und greifen nachhaltig in die Persönlichkeitsentwicklung ein.