Bahnpostwagen

Bahnpostwagen der „Kaiserlich Deutschen Post“, 1890er Jahre
Sortieren der Post im Bahnpostwagen
Zwei Schnellzug-Bahnpostwagen Post mr-a/26

Bahnpostwagen sind Eisenbahnwagen für den Transport von Postsendungen. Bahnpostwagen, in denen die Sendungen während der Fahrt bearbeitet werden, entsprechen konstruktiv Reisezugwagen und werden auch als solche geführt. In ihnen werden bzw. wurden die von der Bahnpost beförderten Postsendungen sortiert. Unterarten sind Briefpostwagen beziehungsweise Paketpostwagen. Postwagen für den unbegleiteten Transport können dagegen konstruktiv und betrieblich Güterwagen sein.

Aufgabe der Bahnpostwagen

Bahnpostwagen für Personenzüge, Nr. 4467 (Hersteller: Christoph & Unmack AG, Baujahr 1933): Innenraum

Seit Beginn der Entwicklung des Eisenbahnwesens in den 1840er Jahren haben die Postverwaltungen zur Beförderung der Postsachen den Schienenweg benutzt. Bereits 1841 wurden auf den Schienen laufende „Eisenbahn-Postwagen“ eingeführt. Ab 1875 erhielten diese posteigenen Schienenfahrzeuge die Bezeichnung „Bahnpostwagen“ (Bpw) in der kaiserlichen deutschen Post. Neben den Bahnpostwagen wurden auch bahneigene Wagen zur Postsachenbeförderung verwendet, sei es in Gestalt von gedeckten Güterwagen zur Paketbeförderung oder in Form von Postabteilen in Reisezugwagen. Die Bahnpostwagen werden entweder einzeln in die Reisezüge eingestellt oder in größerer Anzahl als Bestandteile von Expressgut- und Güterzügen mit Postbeförderung gefahren. Postalisch bezeichnet man letztere als Postzug, weil bei ihrer Fahrplangestaltung weitgehend auf die Bedürfnisse der Postsachenbeförderung und der Abwicklung des Bahnpostdienstes Rücksicht genommen wird, wie in Deutschland den Post InterCity und später den Parcel InterCity oder in Frankreich den TGV postal. Die Deutsche Post AG nutzte Bahnpostwagen nur für drei Jahre (bis 1997).

Entwicklungsgang der Bahnpostwagenkonstruktion

Bahnpostwagen der slowakischen Post in Güterwagen­bauart, Žilina 2012

Bahnpostwagen zählen in der Regel zur Gattung der Reisezugwagen. Dementsprechend müssen sie auch allen technischen Vorschriften für Reisezugwagen genügen, die im Wesentlichen auf internationaler Ebene festgelegt worden sind. Von Anfang an der konstruktionsmäßigen Entwicklung der Reisezugwagen folgend, haben die Bahnpostwagen die gleichen Bauformen sowohl in der äußeren Gestaltung als auch in der Kastenkonstruktion durchlaufen wie jene. Brief- und Universalpostwagen, in denen während der Fahrt gearbeitet wird, benötigen eine Ausstattung, die sie als Arbeitsstätte tauglich macht. Die Anforderungen an das Laufwerk sind mit Schlaf- und Liegewagen vergleichbar, zusätzlich müssen Heizung und Beleuchtung von der Bewegung und einer Versorgung durch die Zuglokomotive weitgehend unabhängig sein. Erreicht wurde das in der Regel durch eine vergrößerte Batteriekapazität, zusätzliche Achsgeneratoren und eine Eigenheizung. Wagenübergänge waren bis auf Ausnahmefälle nicht vorgesehen, da Bahnpostwagen zur Wahrung des Briefgeheimnisses im Betrieb ohnehin nicht von postfremden Personen einschließlich Bahnmitarbeitern betreten werden durften. Daraus ergab sich auch die Notwendigkeit, Sanitäreinrichtungen vorzusehen. Einstiegsräume an den Wagenenden dienten häufig als Rangiererkabine ohne Verbindung mit dem übrigen Wageninnenraum oder mit einer von innen abschließbaren Tür. Mit der Einführung von Rollbehältern, deren Inhalt während der Fahrt nicht bearbeitet werden musste, entstanden etwa ab 1960 auch erneut Postwagen in Güterwagenbauart (wie Gattung Post-t/18,7 der Deutschen Post; 1987 an die Deutsche Reichsbahn verkauft). Einige Postverwaltungen beschafften auch als Bahnpostwagen eingeordnete eigene Containertragwagen. Für den Einsatz in Reisezügen erhielten die Postwagen in Güterwagenbauart neben einem für die erforderliche Fahrgeschwindigkeit ausgelegtem Laufwerk eine Hauptluftbehälterleitung und Durchgangsleitungen für Dampf- und elektrische Heizung.

Gattungen und Kennzeichen der Bahnpostwagen

Bahnpost-Briefkasten aus der letzten Epoche der deutschen Bahnpost 1970–1997
Signet der Deutschen Bundespost auf einem Bahnpostwagen

Die Postsendungen (Briefpost) werden in den Bahnpostwagen nicht nur befördert, sondern auch bearbeitet, d. h. nach Orten und Leiteinheiten verteilt, damit die wertvollen Stunden der Fahrzeit ausgenutzt werden. Auch die Pakete und Paketsäcke werden in Stapeln für die am Kurs liegenden Umschlags- oder Bestimmungsämter zusammengefasst und ebenso wie die Briefbeutel, an den betreffenden Bahnstationen ausgetauscht. Für diese Arbeiten ist eine Inneneinrichtung erforderlich, die derjenigen einer Brief- und Päckchenverteilstelle bzw. einer Packkammer in einem Postamt gleicht. Hiernach unterscheidet man in den Bahnpostwagen drei Arten von Arbeitsräumen, die in verschiedenen Kombinationen in vielen Wagengattungen wiederkehren:

Oft haben Bahnpostwagen eine Einwurfmöglichkeit für Postsendungen vom Bahnsteig, ähnlich dem Schlitz an Postkästen. Eine eigene Kennzeichnung von Bahnpostwagen besteht seit 1852 (Preußen). Dieses preußische Nummerierungssystem führten die Deutsche Reichsbahn und die Deutsche Reichspost fort. Die Bildung von zwei eigenen Postverwaltungen in den nach 1945 entstehenden deutschen Staaten führte zu unterschiedlichen Konstruktionen von Bahnpostwagen und dementsprechend zu divergenten Kennzeichnungen.

Betrieb

Die Arbeit in den Bahnpostwagen war nicht ganz ungefährlich. Es kam immer wieder zu Unfällen, insbesondere wenn mit Postmitarbeitern besetzte Wagen rangiert wurden. So ereigneten sich 1953 im Gebiet der Deutschen Bundesbahn 161 entsprechende Unfälle mit insgesamt 94 Verletzten.

Museen

Viele Postwagen werden durch Eisenbahnvereine teilweise betriebsfähig museal erhalten.

Siehe auch

Literatur

Wiktionary: Bahnpostwagen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Railway post offices in Germany – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Railway post offices on stamps – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Handwörterbuch des Postwesens; 3. Auflage; S. 181
  2. ↑ Handwörterbuch des Postwesens; 3. Auflage; S. 182
  3. ↑ Steindl/Wagner: Deutsche Bahnpostwagen, S. 24, transpress-Verlag, Stuttgart, 2016
  4. ↑ Handwörterbuch des Postwesens; 3. Auflage; S. 182
  5. ↑ Steindl/Wagner, Deutsche Bahnpostwagen, S. 121, transpress-Verlag, Stuttgart, 2016
  6. ↑ Handwörterbuch des Postwesens; 3. Auflage; S. 184
  7. ↑ Steindl/Wagner: Deutsche Bahnpostwagen, S. 13, transpress-Verlag, Stuttgart, 2016
  8. ↑ Handwörterbuch des Postwesens; 3. Auflage; S. 185
  9. ↑ Steindl/Wagner: Deutsche Bahnpostwagen, S. 17, transpress-Verlag, Stuttgart, 2016
  10. ↑ Bundesbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 5. März 1954, Nr. 10. Bekanntmachung Nr. 115, S. 59.
  11. ↑ Homepage: Das Bahnpostmuseum der BArGe Bahnpost e. V.