Fingerkräuter

Fingerkräuter

Clusius-Fingerkraut (Potentilla clusiana)

Systematik
Eurosiden I
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Rosoideae
Tribus: Potentilleae
Gattung: Fingerkräuter
Wissenschaftlicher Name
Potentilla
L.

Die Pflanzengattung der Fingerkräuter (Potentilla) gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Die 300 bis 500 Arten gedeihen hauptsächlich in den gemäßigten, arktischen und alpinen Gebieten der Nordhalbkugel.

Beschreibung

Illustration des Hohen Fingerkrauts (Potentilla recta) aus Flora Batava, Volume 20
Illustration des Kriechenden Fingerkrauts (Potentilla reptans)

Vegetative Merkmale

Bei den Potentilla-Arten handelt es sich meist um ausdauernde krautige Pflanzen, selten sind es ein-, zweijährige Pflanzen oder Sträucher. Die Stängel sind aufrecht oder kriechend. Die zusammengesetzten Laubblätter sind gefingert oder gefiedert, die Nebenblätter mehr oder weniger stark mit den Blattstielen verwachsen.

Generative Merkmale

Die Blüten stehen einzeln oder in zymösen Blütenständen zusammen. Die zwittrigen, radiärsymmetrischen Blüten sind meist fünfzählig (bei der Blutwurz meist vierzählig). Die fünf Kelchblätter alternieren mit den fünf Nebenkelchblättern. Die fünf freien Kronblätter sind meist gelb, selten weiß oder violett. Es sind meist viele (etwa 20) Staubblätter vorhanden. Die meist vielen Fruchtblätter sind frei.

Systematik und Verbreitung

Weißes Fingerkraut (Potentilla alba)
Gold-Fingerkraut (Potentilla aurea)
Felsen-Fingerkraut (Potentilla caulescens)
Blutwurz (Potentilla erecta)
Scheinerdbeere (Potentilla indica)
Frühlings-Fingerkraut (Potentilla neumanniana)
Hohes Fingerkraut (Potentilla recta)
Niedriges Fingerkraut (Potentilla supina)
Potentilla togasii
Potentilla toyamensis
Radiärsymmetrische Blüten von Potentilla uniflora

Die Gattung Potentilla wurde durch Carl von Linné aufgestellt. Als Lektotypusart wurde 1908 Potentilla reptans L. durch Per Axel Rydberg in North American Flora. New York Botanical Garden, Volume 22, Seite 293 festgelegt. Synonyme für Potentilla L. sind: Trichothalamus Spreng., Duchesnea Sm. (nach Antoine Nicolas Duchesne), Fraga Lapeyr., Fragariastrum Fabr., Pentaphyllum Gaertn. non Hill, Pentaphyllum Hill nom. illeg., Tridophyllum Greene.

Ein wichtiges Werk zur Gattung Potentilla wurde 1908 durch Franz Theodor Wolf: Monographie der Gattung Potentilla in Bibliotheca Botanica, ..., Band 16, 17, Seiten 1–714 veröffentlicht. Der Umfang der Gattung Potentilla wird kontrovers diskutiert.

Potentilla-Arten gedeihen hauptsächlich in den gemäßigten, arktischen und alpinen Gebieten der Nordhalbkugel. Nur wenige Arten kommen auf der Südhalbkugel vor. In China kommen 86 Arten vor, 22 davon nur dort.

Die Gattung der Fingerkräuter (Potentilla) umfasst 300 bis 500 Arten. Hier eine Auswahl:

Seit 2010 werden die etwa 64 Arten der Potentilla sect. Leptostylae in die reaktivierte Gattung Argentina Hill (Syn.: Tylosperma Botsch.) gestellt, beispielsweise:

Reaktiviert wurde auch die Gattung Sibbaldia L. (Syn.: Dryadanthe Endl.), dazu gehört beispielsweise:

Ausgegliedert sind auch die Arten der Gattung Comarum L. (Syn.: Commarum Schrank orth. var., Farinopsis Chrtek & Soják), beispielsweise:

Die verholzenden Arten wurde in eine reaktivierte Gattung Strauchfingerkraut Dasiphora Raf. (Syn.: Pentaphylloides Duhamel) gestellt:

Nutzung

Einige Fingerkraut-Arten und -Sorten sind Zierpflanzen für Gärten und Parks.

Fingerkraut-Arten wurden früher zur Bekämpfung der Ruhr angewandt, daher der alte Name „Ruhrkraut“. Der antike Medizinschriftsteller Celsus schrieb, dass das Fingerkraut eine wärmende Wirkung habe (De medicina. 2,33,5).

Namensgebung

Der Trivialname Fingerkraut leitet sich aus der Tatsache ab, dass bei vielen (auch Fünffingerkraut genannten) Arten die Laubblätter (fünfzählig) gefingert sind. Das schlägt sich auch in anderen Sprachen nieder. Das französische cinque feuilles, das englische cinquefoil und das lateinische quinquefolium sowie das griechische pentaphyllon bedeuten „fünf Blätter“ oder „Fünfblatt“.

Quellen

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Potentilla bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 28. August 2017.
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 Arto Kurtto (2009): Rosaceae (pro parte majore).: Datenblatt Potentilla In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.
  3. 1 2 3 4 5 Li Chaoluan (Li Chao-luang), Hiroshi Ikeda, Hideaki Ohba: In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China, Volume 9 - Pittosporaceae through Connaraceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2003, ISBN 1-930723-14-8. Potentilla Linnaeus S. 291–323 - textgleich online wie gedrucktes Werk.
  4. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 Barbara Ertter, Reidar Elven, James L. Reveal, David F. Murray: Flora of North America Editorial Committee: Flora of North America North of Mexico, Volume 9: Magnoliophyta: Picramniaceae to Rosaceae, 2014, Oxford University Press, Oxford und New York, ISBN 978-0-19-534029-7. Potentilla Linnaeus - textgleich online wie gedrucktes Werk.
  5. 1 2 3 4 5 6 7 Potentilla im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 28. August 2017.
  6. ↑ Jiří Soják: Argentina Hill, a genus distinct from Potentilla (Rosaceae). In: Thaiszia, Volume 20, 2010, S. 91–97.
  7. ↑ Torsten Eriksson, Magnus Lundberg, Mats Töpel, Pia Östensson, Jenny E. E. Smedmark: Sibbaldia: a molecular phylogenetic study of a remarkably polyphyletic genus in Rosaceae. In: Plant Systematics and Evolution, Volume 301, Issue 1 2015, S. 171–184. doi:10.1007/s00606-014-1063-3
  8. ↑ Torsten Eriksson et al.: The phylogeny of Rosoideae (Rosaceae) based on sequences of the internal transcribed spacers (ITS) of nuclear ribosomal DNA and the trnL/F region of chloroplast DNA. In: International Journal of Plant Sciences, Volume 164, 2003, S. 197–211.
  9. ↑ Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 212 (Pentafilon – funff finger krut, quinque folium = Potentilla-Arten, besonders P. reptans L.)
Commons: Fingerkräuter (Potentilla) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Fingerkraut – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Weiterführende Literatur