Prithwindra Mukherjee

Mukherjee 2011

Prithwindra Mukherjee (bengalisch পৃথ্বীন্দ্রনাথ মুখোপাধ্যায়; geb. 20. Oktober 1936 in Kolkata, Britisch-Indien; gest. 30. November 2024) war ein französisch-indischer Schriftsteller und Forscher. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2003 war er als Forscher in der Abteilung für Geistes- und Sozialwissenschaften (Ethnomusikologie) des Centre national de la recherche scientifique (CNRS) in Paris tätig. Mukherjee verfasste zudem zahlreiche Bücher und andere Publikationen zu verschiedenen Themen.

Mukherjee wurde 2020 für seine Verdienste im Bereich Literatur und Bildung mit dem Padma Shri, einer der renommiertesten indischen Auszeichnungen, geehrt.

Leben

Jugend und Ausbildung

Prithwindra Mukherjee wurde am 20. Oktober 1936 in Kolkata, Britisch-Indien geboren. Seine Eltern waren Tejendranath und Usharani Mukherjee. Mukherjee erhielt seine Ausbildung an der Sri Aurobindo Ashram School (heute: “Sri Aurobindo International Centre of Education”) in Pondicherry. Er ist der Enkel des bengalischen Revolutionärs Jatindranath Mukherjee (Bagha Jatin).

Karriere

Prithwindra begann seine berufliche Laufbahn als Lehrer für bengalische, französische und englische Sprache und Literatur in Pondicherry. Bereits vor seinem 20. Lebensjahr wurde er in den Handbüchern und Anthologien der Sahitya Akademi (Neu-Delhi) als Dichter erwähnt. Als Spezialist für die französische Sprache und Literatur übersetzte er Werke von französischen Autoren wie Albert Camus, Saint-John Perse und René Char.

Mit einem Stipendium der französischen Regierung zog er nach Paris (1966–1970). An der Sorbonne verfasste und verteidigte er seine Dissertation über Sri Aurobindo. Später lehrte er indische Zivilisation und Philosophie, produzierte mehrere Radiobeiträge über indische Kultur und Musik für Radio France und arbeitete freiberuflich als Journalist für die indische und französische Presse. Seine nächste Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades (Dr. phil.) an der Universität Paris IV, betreut von Raymond Aron, befasste sich mit der Phase des indischen Freiheitskampfes vor Gandhi. In seiner Arbeit untersuchte er diese Bewegung von 1893 bis 1918 und ihre spirituellen Wurzeln.

1977 präsentierte er auf Einladung des Nationalarchivs von Indien als Gast der Kommission für historische Aufzeichnungen (Historical Records Commission) einen Vortrag über Jatindra Nath Mukherjee und die indisch-deutsche Verschwörung in Anwesenheit von Persönlichkeiten wie Arthur Llewellyn Basham und S. Nurul Hasan. Prithwindras wegweisender Beitrag auf diesem Gebiet wurde von den Professoren Amales Tripathi, Bhupendrakumar Datta, Jadugopal Mukhopadhyay, M. N. Das (Universität Utkal), A. C. Bose, Samaren Roy, Bhupati Majumdar und Basudha Chakravarty gewürdigt. Zahlreiche seiner Arbeiten zu diesem Thema wurden in wichtige indische Sprachen übersetzt.

Leben in Frankreich

Seit seiner Ankunft in Paris veröffentlichte er mehrere Jahre lang auf Einladung der Literaturzeitschrift Desh aus Kolkata seine Eindrücke vom Pariser Leben (Paris'ér chithi – Briefe aus Paris) sowie mehrere Titelgeschichten, unter anderem über Jatin Mukherjee alias “Bagha Jatin”, MN Roy, Tarak Nath Das, Dhan Gopal Mukerji, die Französische Revolution und die bengalische Intelligenzija sowie über das Genre der Tanz-Poesie des Kirtan (über welches er auch einen Dokumentarfilm produzierte).

Er ging als Fulbright-Stipendiat in die Vereinigten Staaten und entdeckte – insbesondere in den „Wilson Papers“ – eine Vielzahl von Akten über die indischen Revolutionäre, die für die Unabhängigkeit Indiens kämpften. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich im Jahr 1981 trat er in das französische Nationale Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS) ein. Zudem war er Gründungsmitglied des Association des Traducteurs Littéraires de France (französischer Verband der Literaturübersetzer). Er hat sowohl in Bengali als auch in Französisch publiziert. Zu seinen jüngsten Arbeiten zählt ein Dokumentarfilm über die musikalischen Säulen in den Tempeln Südindiens (CNRS-Audiovisual, Paris).

Seit 1981 war Prithwindra Mukherjee Mitglied des LACITO des CNRS (Abteilung für Ethnomusikologie) und arbeitete an einer umfassenden kognitiven Studie über die Skalen der nord- und südindischen Musik.

Jacques Attali erwähnt in seiner französischen Gandhi-Biografie (Fayard, 2007) seine Dankbarkeit gegenüber Prithwindra Mukherjee für dessen Überarbeitung der Manuskripte und seine aktive Mitarbeit. Später bezeichnete Attali Mukherjee als „den Mann der französisch-indischen Renaissance“.

Am 1. Januar 2009 ernannte der französische Kulturminister Prithwindra Mukherjee zum Ritter des Ordre des Arts et des Lettres. Die Académie française (Belles Lettres) verlieh Prithwindra Mukherjee 2014 den Hirayama-Preis (Prix Hirayama). Am 1. Januar 2015 ernannte der französische Premierminister auf Antrag des Bildungsministers Prithwindra Mukherjee zum Ritter des Ordre des Palmes Académiques.

Mukherjee starb am 30. November 2024 im Alter von 88 Jahren.

Bibliographie in Auswahl

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Padma Awards 2020 Announced. In: pib.gov.in. (englisch).
  2. ↑ The Hindu Net Desk: Full list of 2020 Padma awardees. In: The Hindu. 26. Januar 2020 (englisch).
  3. ↑ Happy Birthday to Dr. Prithwindra Mukherjee. In: overmanfoundation.wordpress.com. (englisch).
  4. ↑ Sri Aurobindo, yoga, the Mother, philosophy and religion. In: Sri Aurobindo International Centre Of Education, Sri Aurobindo Society. Archiviert vom Original am 22. Februar 2006 (englisch).
  5. ↑ The French Literary Translators’ Association (ATLF). Archiviert vom Original (englisch).
  6. ↑ ‘Multifaceted Personality’: PM Modi Condoles Demise Of Researcher Prithwindra Mukherjee. (englisch).
Personendaten
NAME Mukherjee, Prithwindra
ALTERNATIVNAMEN Pr̥thvīndranātha Mukhopādhyāẏa; পৃথ্বীন্দ্রনাথ মুখোপাধ্যায়
KURZBESCHREIBUNG bengalisch-französischer Übersetzer, Schriftsteller und Hochschullehrer
GEBURTSDATUM 20. Oktober 1936
GEBURTSORT Kolkata, Britisch–Indien
STERBEDATUM 30. November 2024
STERBEORT Paris