Die Solothurner Filmtage sind ein Schweizer Filmfestival, das jeweils Ende Januar in Solothurn stattfindet. 1966 gegründet, zählen die Solothurner Filmtage zu den ältesten Filmfestivals der Schweiz. Sie sind gleichzeitig Publikumsmagnet und Branchentreffpunkt. Im Zentrum des Programms steht der Schweizer Film.

Der von einer Jury vergebene «Prix de Soleure» ist der schweizweit höchst dotierte Filmpreis. Die Solothurner Filmtage finden jährlich statt, dauern acht Tage und zählen rund 65'000 Eintritte (Stand: 2026).

1966 organisierte die Filmgilde Solothurn eine Tagung mit dem Titel «Schweizer Film heute». Ziel des Anlasses war die Präsentation und Diskussion neuer Werke von jungen, unabhängigen Schweizer Filmschaffenden. Aus dieser Tagung entstand die Schweizerische Gesellschaft Solothurner Filmtage (SGSF), die als Trägerschaft den Anlass bis heute organisiert. Der Verein zählt rund 400 Mitglieder (Stand: 2026).

An den 1. Solothurner Filmtagen nahmen 100 Filmschaffende teil. 22 Filme wurden vorgestellt. Darunter finden sich Werke von Fredi M. Murer, Alain Tanner, Claude Goretta, Jean-Luc Godard, Alexander J. Seiler, June Kovach oder Henry Brandt. Über die Jahre entwickelten sich die Solothurner Filmtage zum Schaufenster eines progressiven Autorenfilms und zu einer nationalen Diskussionsplattform für kulturpolitische Fragen.

Anlässlich der 20. Solothurner Filmtage 1985 eröffnete mit Alphons Egli zum ersten Mal ein Bundesrat die Solothurner Filmtage. Damit waren die Filmtage als Kulturveranstaltung von nationaler Bedeutung etabliert. 1998 wurde erstmals der Schweizer Filmpreis «Quartz» während des Festivals verliehen. 2003 zählten die Solothurner Filmtage rund 40'000 und 2010 über 50'000 Eintritte. An speziellen Schulvorführungen nehmen rund 5'000 Kinder und Jugendliche teil (Stand: 2026).
Mit dem wachsenden Publikumsinteresse erneuerte sich auch das Programm – ohne dass die Haltung aus der Gründerzeit verloren ging. Bis heute gilt das Prinzip der «demokratischen Leinwand»: Neben der Festivalleitung nehmen auch aktive Filmschaffende in der Auswahlkommission Einsitz. Die Filmvorführungen finden in Kinos sowie historischen Gebäuden der Stadt Solothurn statt, u. a. im Landhaus, der [Rythalle Solothurn], dem Konzertsaal, dem Stadttheater Solothurn oder der Genossenschaft Kreuz.

Aus Initiativen der Solothurner Filmtage gingen andere nationale Institutionen hervor: die Branchenzeitschrift Cinébulletin (1975), die Promotionsagentur Swiss Films (1976), die Schweizer Filmakademie (2008), der Dachverband Conférence des festivals (2010) und die Online-Edition filmo (2018).
Erster Leiter der Solothurner Filmtage war ab 1967 Stephan Portmann. 1987 wurde er durch Ivo Kummer abgelöst. 2011 wurde Seraina Rohrer zu seiner Nachfolgerin gewählt. In den Jahren 2019 bis 2021 leitete Anita Hugi für zwei Jahre die Geschicke der Solothurner Filmtage. Die 57. Ausgabe 2022 wurde unter der interimistischen Co-Leitung, bestehend aus Marianne Wirth und David Wegmüller (künstlerische Leitung) und Veronika Roos (administrative Leitung), durchgeführt. Damit war der Stein zum Wechsel in ein duales Führungssystem gelegt. 2022 übernahmen Monica Rosenberg (operative Leitung) und Niccolò Castelli (künstlerische Leitung) die Führung der Solothurner Filmtage.
Aktuell wird der Verein SGSF von Andreas Spillmann präsidiert. Früher standen u. a. Helmut Hubacher, Ruth Grossenbacher, Ernst Leuenberger, Christine Beerli, Felix Gutzwiller und Thomas Geiser dem Verein vor.
Das «Panorama» ist das Herzstück der Solothurner Filmtage und präsentiert eine Auswahl aktueller Schweizer Produktionen aus allen Sprachregionen, aller Genres und Längen. Die Werkschau bildet die Vielfalt des künstlerischen Ausdrucks ab. Sie umfasst auch Schweizer Koproduktionen mit minoritärer Beteiligung und Filme von ausländischen Filmschaffenden mit Wohnsitz in der Schweiz.
Zwei filmhistorische Programme kontextualisieren das audiovisuelle Erbe und setzen es in Bezug zum zeitgenössischen Filmschaffen. Die «Rencontre» würdigt eine Persönlichkeit des Schweizer Films und ermöglicht den vertieften Einblick in ihre Filmografie. «Histoires» entsteht in Partnerschaft mit der Cinémathèque Suisse und filmo und erzählt Schweizer Filmgeschichte entlang ausgewählter Werke aus bestimmten Zeitepochen.
«Fokus» (seit 2012) ist das internationale Programmfenster, das sich mit aktuellen Filmen einem dringlichen Thema oder einem gesellschaftlichen Trend widmet. Ziel dieser kuratierten Filmreihe ist der Blick über die Schweizer Landesgrenzen hinaus sowie der Austausch zwischen in- und ausländischen Gästen.

Ein rein diskursives Programm ist die tägliche, öffentliche Matinée «Fare Cinema». Hier stehen praktische Aspekte des Filmemachens sowie eine gelebte Debattenkultur im Zentrum.
Unter dem Namen «SO PRO» bündeln die Solothurner Filmtage seit 2024 ihr vielseitiges Angebot an Vernetzungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für die Schweizer Filmindustrie. Das dreitägige Branchenprogramm umfasst Pitching-Sessions, Labs, Panels und Workshops. Das Programm entsteht in Zusammenarbeit mit Schweizer Filminstitutionen und Filmverbänden. Das Migros-Kulturprozent Story Lab ist Hauptpartner des Programms.
Für die Preisträger siehe Solothurner Filmtage/Ehrungen und Preisträger.
Drei Wettbewerbe geben dem «Panorama» einen kompetitiven Rahmen: Eine interdisziplinäre Jury vergibt den «Prix de Soleure» (CHF 60'000) für einen gesellschaftskritischen Kinofilm. «Visioni» (CHF 20'000), von einer Fachjury bestimmt, zeichnet einen ersten oder zweiten Langfilm aus. Das Publikum wählt seinen Favoriten mit dem «Prix du Public» (CHF 20'000).
Ebenfalls mit einer Publikumsabstimmung werden je ein Animationsfilm und ein Kurzfilm ausgezeichnet (je CHF 10'000). Im Wettbewerb «Talente» werden Studierende und junge Autodidakten gefördert: Eine Jury vergibt den Nachwuchspreis für den besten Kurzfilm (CHF 10'000). Entwicklungsbeiträge von je CHF 5'000 erhalten je zwei Projekte aus den beiden Kreativlabors «Perspectives Lab» sowie «Screen to Sound».
Mit dem Jurypreis «Prix Swissperform – Schauspielpreis» wird jährlich eine Hauptrolle, eine Nebenrolle, ein Nachwuchstalent sowie eine Spezialleistung in Schweizer Fernsehproduktionen ausgezeichnet. Jede der vier Kategorien ist mit je CHF 10'000 dotiert.
Schliesslich ehrt der «Prix d’honneur» eine Persönlichkeit, die sich in besonderer Weise für die Schweizer Filmkultur verdient gemacht hat. Der Preis (CHF 10'000) versteht sich als Wertschätzung für die vielfach im Verborgenen erbrachten Leistungen «hinter den Kulissen». Die Wahl erfolgt auf Vorschlag der Auswahlkommission.
Seit 1987 haben die Solothurner Filmtage eine ganzjährig besetzte Geschäftsstelle. Von hier aus wird in Partnerschaft mit der Hauptsponsorin Swiss Life seit 2008 das Projekt «Cinetour» durchgeführt. Das meist aus Kurzfilmen bestehende Programm vermittelt den Schweizer Film unter dem Jahr sowohl in der Deutsch- als auch in der Westschweiz. Die Solothurner Filmtage bewirtschaften einen Fonds für Untertitelungen in allen Landessprachen.
Im Rahmen des Locarno Film Festival organisieren die Solothurner Filmtage seit 2015 zusammen mit Swiss Films und der Schweizer Filmakademie die Programmreihe «Panorama Suisse».
2018 lancierten die Solothurner Filmtage zusammen mit Engagement Migros das Projekt «filmo», die Online-Edition des Schweizer Films. «filmo» bringt Schweizer Filmklassiker auf bestehende Video-on-Demand-Plattformen und leistet Vermittlungsarbeit im digitalen Raum.