
Die Progressive Internationale (PI) ist eine im Mai 2020 gegründete internationale politische Organisation.
Der Appell zu ihrer Gründung erfolgte im Dezember 2018 auf einer gemeinsamen Veranstaltung der Bewegung Demokratie in Europa und des US-amerikanischen Thinktanks Sanders Institute von Jane O’Meara Sanders. Offiziell gegründet wurde sie am 11. Mai 2020 zur Zeit der weltweiten COVID-19-Pandemie, um „erstarkendem Nationalismus“ entgegenzutreten. Vom 18. bis 20. September 2020 kam der Rat der PI zu einem Eröffnungsgipfel in Reykjavík zusammen. Dort hielt Noam Chomsky eine programmatische Rede mit dem Titel Internationalismus oder Untergang.
Die Organisation gibt an, neben den Anliegen der Mitglieder auch ideell verbundenen Graswurzelbewegungen eine Plattform bieten zu wollen. In internationalen Blog-Beiträgen wirbt das Bündnis für politische Alternativen, beispielsweise die Organisation von Wirtschaft und Bankwesen in Genossenschaften. Die Beiträge werden hierzu von Freiwilligen in zahlreiche Sprachen übersetzt, sodass die Hauptseite mittlerweile in 25 Sprachen verfügbar ist (Stand Januar 2022). Größere Kampagnen der PI oder mit deren Beteiligung widmeten sich beispielsweise der Freigabe von Impfstoff-Patenten in der COVID-19-Pandemie, der Einforderung von Arbeitsschutzstandards bei Amazon, der Unterstützung der Rechte indigener Völker sowie der Verhinderung politischer Erfolge nationalistisch-rechtsextremer Kandidierender in Südamerika.
Die PI richtet seit Oktober 2021 mit Partnerorganisationen wie The Intercept und Personen wie Tariq Ali das Belmarsh-Tribunal aus.
In der Athener Erklärung forderten führende Kräfte der PI im Mai 2022 die „Unterstützung der Opfer des Krieges gegen die Ukraine“, eine „Bewegung der Blockfreien“ und einen „Friedensvertrag, der von der Europäischen Union, den Vereinigten Staaten und Russland im Rahmen der Vereinten Nationen garantiert wird“. Die polnische Partei Lewica Razem verließ bereits Anfang März 2022 die Progressiven Internationale mangels einer unmissverständlichen Anerkennung der ukrainischen Souveränität und Verurteilung des „russischen Imperialismus“.
Ende 2023 verlasen PI-Mitglieder und Angehörige der Regierung Honduras’ eine Erklärung zur internationalen Ächtung sogenannter ZEDEs, vollprivatisierten „Privatstädten“ ohne herkömmliche Rechtsstaatlichkeit, die sie als „Konzernkolonialismus“ (corporate colonialism) bezeichneten.
2025 beteiligte sich die Progressive Internationale an der Global Sumud Flotilla, die beabsichtigt, mit mehreren zivilen Boote die Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen.
Gründungsmitglied Carola Rackete trat aus der Progressiven Internationalen aus und begründete dies mit der Absicht, diverseren Positionen im Rat der PI Platz machen zu wollen. Den Zielen der Gründungserklärung stimme sie weiter zu.
Zu den Erstunterzeichnern der Gründungserklärung gehören u. a.:
Weitere Mitglieder sind Personen wie Gustavo Petro, Xiomara Castro und Parteien wie Convergencia Social, die guatemaltekische Partei Movimiento Semilla des gewählten Präsidenten Bernardo Arevalo und DiEM25. Außerdem ist eine Reihe von Organisationen und Medien (bspw. openDemocracy, Jacobin) der Progressiven Internationale beigetreten um diese und ihre Ziele zu unterstützen.
Der Rat ist für die strategische Ausrichtung verantwortlich und das Kabinett ist das Exekutivorgan der Progressiven Internationale. Das im Aufbau befindliche Sekretariat soll als Koordinierungsorgan für das Tagesgeschäft, die Mitgliederbetreuung und andere administrative Aufgaben verantwortlich sein. General Director ist David Adler.
Die in der Gründungserklärung verlautbarten Übereinkünfte der PI lauten sinngemäß:
Stefan Schaaf schreibt in der taz von 3. Dezember 2018, dass Aktivisten mit Schnittmengen zu PI-Zielen bereits ausreichend vernetzt seien. Vielmehr gelte es, fokussiert die eigenen Ansätze weiter zu verbreiten.
James Bloodworth (New Statesman u. a.) kritisierte die PI-Mitgliedschaft des Qiao Collective, eines nach Selbstbeschreibung eigenständigen Zusammenschlusses im Ausland lebender Chinesen, das den Umgang der chinesischen Regierung mit der uigurischen Bevölkerung Xinjiangs als legitime Terrorbekämpfung bezeichnet.