Projection Pursuit (wörtlich Nachverfolgung der Projektion) ist ein statistisches Verfahren, eine Menge hochdimensionaler Daten so zu vereinfachen, dass möglichst „interessante“ Strukturen darin aufgedeckt werden. Dazu wird eine Hyperebene (z. B. eine Fläche) in den durch die Daten aufgespannten Raum gelegt, auf welche die Daten projiziert werden.
Der Projection Pursuit wurde zuerst 1974 von John W. Tukey und Jerome H. Friedman veröffentlicht und fand weitere Verbreitung durch die Arbeiten von Peter J. Huber (um 1985).
Die Analyse multivariater Daten erfolgt in der Regel durch eine geeignete Abbildung in niedrigere Dimensionen. Bekanntestes Beispiel ist das Streudiagramm, bei dem jeweils zwei Dimensionen die Achsen eines Koordinatensystems bilden. Jede solche Abbildung verdeckt die Sichtbarkeit vorhandener Strukturen stets mehr oder weniger, kann sie aber niemals verstärken.
Die Idee von Projection Pursuit ist auf die verschiedensten statistischen Probleme angewandt worden:



Im Exploratory Projection Pursuit wird jeder Hyperebene eine Maßzahl (oder Index) zugeordnet, die angibt wie interessant die enthaltene Struktur ist. In der Arbeit von P. Diaconis und D. Freedman wurde gezeigt, dass die meisten Strukturen in den Hyperebenen normalverteilten Daten ähneln (siehe Abb. 1). Viele Maßzahlen messen daher die Distanz der Struktur in der Hyperebene zu einer Normalverteilung.
Danach werden automatisch der Reihe nach alle möglichen Projektionen der Daten auf eine Hyperebene durchgerechnet, die im Vergleich zu den Originaldaten um eine oder mehrere Dimensionen reduziert ist. Werden Datenpunkte als Teil einer interessanten Struktur identifiziert, werden diese aus der Analyse genommen. Das Verfahren wird mit dem reduzierten Datensatz wiederholt, bis keine Struktur mehr erkennbar ist.
Die multivariaten Daten werden in der Regel mit transformiert, so dass die Mittelwerte der Variablen gleich Null sind und die Varianz-Kovarianzmatrix die Einheitsmatrix ist. Wenn dann die Projektionsvektoren für die Hyperebene sind, die in die Hyperebene projizierten Daten, die Dichtefunktion der Standardnormalverteilung (bzw. der entsprechenden Normalverteilung, wenn statt benutzt wird) und die Dichtefunktion der projizierten Daten in der Hyperebene, dann wurde unter anderem folgende Indizes, die dann maximiert werden, vorgeschlagen:
Im Prinzip kann jede Teststatistik, die zu einem Test auf Normalverteilung gehört, als Index benutzt werden. Eine Maximierung führt dann zu den Hyperebenen, in denen die Daten nicht normalverteilt sind. Spezielle Versionen der Indizes , und werden maximiert durch bestimmten Strukturen, z. B. Zentrales Loch oder Zentrale Masse.
Die unbekannte Dichtefunktion der projizierten Daten wird entweder mittels eines Kerndichteschätzer oder durch eine orthonormale Funktionsexpansion geschätzt.
Als Spezialfälle des Exploratory Projection Pursuit kann man
Im Regressionfall wird die unbekannte Regressionsfunktion iterativ durch Regressionsfunktionen auf den projizierten Daten dargestellt:
Auch im Fall der Dichteschätzung wird ein iteratives Verfahren benutzt. Die unbekannte Dichtefunktion wird approximiert als Produkt von Dichtefunktionen der projizierten Daten:
mit die Dichtefunktion der multivariaten Normalverteilung mit den Parametern und geschätzt aus den Daten. Dann wird schrittweise die Normalverteilungsdichte korrigiert. Im Gegensatz zum Regressionsfall ist jedoch der Algorithmus wesentlich komplizierter, da hier keine Beobachtungen zur Verfügung stehen, an die angepasst werden kann.