| Klassifikation nach ICD-10 | |
|---|---|
| D35 | Gutartige Neubildung sonstiger und nicht näher bezeichneter endokriner Drüsen |
| D35.2 | Hypophyse |
| ICD-10 online (WHO-Version 2019) | |
Ein Prolaktinom ist ein gutartiger Tumor (Adenom) des Hypophysenvorderlappens (Adenohypophyse), der Prolaktin produziert. Dies führt zu einem Überschuss von Prolaktin im Blut, einer sogenannten Hyperprolaktinämie. Es ist bisher nicht sicher bekannt, wodurch ein Prolaktinom entsteht.
Ein Prolaktinom ist der häufigste hypophysäre Tumor mit einem Geschlechterverhältnis von ♀>♂ (etwa 5:1). Von 100.000 Menschen sind ca. 25–63 betroffen, pro Jahr kommen 2–8 neue Fälle dazu.
Die Symptome äußern sich
Nimmt der Tumor an Größe zu, kann er durch mechanische Einwirkung zu Kopfschmerzen, Gesichtsfeldausfällen und einer teilweisen bis kompletten Hypophyseninsuffizienz führen. Auch weitere Funktionen der Hirnanhangdrüse können gestört sein und zu Müdigkeit, Leistungsabfall, trockener Haut, Appetitlosigkeit oder depressiven Verstimmungen führen.

Es wird der basale Prolaktinspiegel bestimmt. Dabei sind Werte >20 µg/l (♂) und >25 µg/l (♀) verdächtig, ab Werten von >200 µg/l ist von einem Prolaktinom auszugehen. Je höher der Prolaktinwert, desto größer ist das Prolaktinom. Differentialdiagnostisch kann ein Prolaktinstimulations-Test durchgeführt werden. Zur Unterscheidung zwischen Makroprolaktionom (>1 cm) und Mikroprolaktinom (<1 cm) wird in den meisten Fällen eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes angefertigt.
Prolaktinome können meist durch bestimmte Dopaminagonistenen (Bromocriptin, Cabergolin oder Quinagolid) behandelt werden, da Dopamin die Prolaktinausschüttung hemmt. In 90 % der Fälle führt dies zur Normalisierung der Prolaktinwerte und zu einem Schrumpfen bzw. Verschwinden des Tumors. Eine Operation ist nur notwendig bei Therapieresistenz, Unverträglichkeit der Therapie, nicht rasch genug medikamentös beeinflussbaren Prolaktinomen mit Gesichtsfeldeinschränkungen, Kinderwunsch und beim Auftreten akuter Hirndruckzeichen wie starken Kopfschmerzen oder Bewusstlosigkeit durch eine Tumoreinblutung nach Beginn einer Behandlung eines Prolaktinoms mit Dopaminagonisten. Als operativer Zugang wird dabei häufig eine Nasennebenhöhle gewählt. Dieser zunächst ungewöhnlich wirkende Weg ergibt sich aus den anatomischen Gegebenheiten: Die Hypophyse, in der Fossa hypophysialis, also einer Ausbuchtung der mittleren Schädelgrube, gelegen, liegt nur durch eine relativ dünne Knochenlamelle getrennt hinter dieser Nasennebenhöhle. Bei Inoperabilität kann in diesen Fällen auch eine Bestrahlung durchgeführt werden. Prolaktinome können in seltenen Fällen auch bei Kindern vorkommen und werden häufig durch Tumorresektion erfolgreich behandelt.
Eine Therapie muss langfristig durchgeführt werden. Auslassversuche können bei Patienten mit normalem Prolaktinspiegel und fehlendem Resttumor erst nach mehreren Jahren medikamentöser Behandlung durchgeführt werden. Bei knapp 50 % der Behandelten reichen danach lediglich weitere Kontrollen, beim Rest kommt es zu einem sehr schnellen Wachstum des Tumors. Der Tumor muss lebenslang kontrolliert werden.