
Der Prologus galeatus (seltener auch Galeatum principium; wörtlich „behelmte Einleitung“) ist eine Vorrede des Hieronymus zu seiner lateinischen Übersetzung der Bücher der Könige. Er thematisiert darin den Kanon des Alten Testaments, d. h. Zahl, Gruppierung und Reihenfolge der biblischen Bücher und die Frage der Apokryphen. Hieronymus selbst bezeichnet sein Vorwort daher als eine Einleitung zu allen Büchern des Alten Testaments und verwendet dabei das namengebende Epitheton galeatus („behelmt“). Das Vorwort war als Teil der Vulgata im mittelalterlichen Westeuropa sehr weit verbreitet und zählt zu den wichtigsten Dokumenten der Geschichte des biblischen Kanons.
Hieronymus beginnt das Vorwort mit Ausführungen zum hebräischen Alphabet, die im Vergleich der 22 Buchstaben dieses Alphabets mit den nach seiner Zählung 22 Büchern der Hebräischen Bibel gipfeln. Daraufhin zählt er einzelne Bücher der Bibel mit ihren Titeln (z. B. Bereshit und Genesis) sowie Bezeichnungen einzelner Gruppen (z. B. Tora und „Fünf Bücher Mose“) auf und erläutert diese teilweise.
Hieronymus zufolge gibt es drei Abteilungen des Alten Testaments mit insgesamt 22 Büchern:
Im Rahmen der Aufzählung der einzelnen Bücher geht Hieronymus auch darauf ein, dass mehrere Bücher ihrerseits in je zwei Bücher unterteilt werden. Insbesondere erwähnt er, dass Samuel und Könige zusammen auch als erstes bis viertes Buch der Könige gezählt werden, dass das Buch der Chronik auch als „erstes und zweites Buch der Paralipomena“ bekannt sei und dass auch Esra „bei Griechen und Lateinern“ in zwei Bücher aufgeteilt werde. Diese Unterteilungen spielen aber für die Gesamtzahl der 22 Bücher keine Rolle. Die Klagelieder erwähnt Hieronymus nicht eigens, offenbar betrachtete er sie als integralen Bedtandteil von Jeremia.
Anschließend berichtet er, dass Ruth und Klagelieder von ungenannten ‚Manchen‘ (nonnulli) separat gezählt und bei den Hagiographa eingeordnet werden. Die so erreichte Zahl von 24 biblischen Büchern setzt er in Beziehung zu den 24 Ältesten der Apokalypse.
Das Vorwort geht knapp auch auf Bücher ein, die Hieronymus nicht dem Kanon zurechnet, und nennt ein klares Ausschlusskriterium: Bücher, die nicht in der Hebräischen Bibel enthalten sind, müssen ihm zufolge als apokryphe Schriften aus dem Kanon ausgeschieden werden. Namentlich nennt er Weisheit, Jesus Sirach, Judit, Tobit und den Hirten (des Hermas). Zu den Makkabäerbüchern merkt er an, dass das erste hebräisch, das zweite aber griechisch sei (in heutiger Zählung sind damit die ersten beiden bzw. das dritte und vierte Buch Makkabäer gemeint).
Hieronymus betont mehrfach seine Treue zur Hebräischen Bibel und verteidigt seine Übersetzung gegen mögliche Einwände. Prospektive Kritiker fordert er auf, die verschiedenen lateinischen und griechischen Bibelübersetzungen mit der seinen zu vergleichen und sich bei allen Abweichungen den hebräischen Text erläutern zu lassen.
Das Vorwort schließt mit der Bitte des Autors um das Gebet seiner Leserschaft (unter erneutem Verweis auf seine Kritiker, die er mit „bellenden Hunden“ vergleicht) und einer topischen Beteuerung der Bescheidenheit, wobei Hieronymus Psalm 39,2–3 LUT zitiert.
Der Prologus galeatus war im Mittelalter vor allem dank der Verbreitung der Vulgata sowohl direkt als auch indirekt enorm wirksam: direkt, insofern er mit den sehr zahlreichen Abschriften der Vulgata weit verbreitet wurde, und indirekt, insofern die hier ausgedrückte Haltung des Hieronymus sich auch in Auswahl und Anordnung der biblischen Bücher niederschlug. Andere Positionen zum biblischen Kanon (etwa die des Augustinus) blieben in der mittelalterlichen lateinischen Kirche bekannt, aber ohne vergleichbare Wirkung. Allerdings blieben die von Hieronymus als apokryph eingestuften Bücher ebenfalls bekannt; nicht zuletzt auch, weil Hieronymus selbst sie ins Lateinische übersetzt hatte und (ähnlich wie Rufinus) ihre Lektüre trotz eingeschränkter Autorität befürwortete.
Auch wenn im mittelalterlichen Westeuropa nur selten genaue Vergleiche der Vulgata einerseits mit der Hebräischen Bibel, mit griechischen oder mit anderen lateinischen Bibelübersetzungen andererseits angestellt wurden, hielt der Prologus zumindest das Bewusstsein wach, dass die Vulgata eine Übersetzung war. Je geringer die tatsächliche Kenntnis des hebräischen Textes war, desto mehr war es der Prologus galeatus, der christlichen Lesern der Vulgata ein positives Bild der Hebräischen Bibel vermittelte.
Der Prologus galeatus ist sowohl für die Erforschung der Haltung des Hieronymus zur Hebraica Veritas als auch für die Geschichte des biblischen Kanons insgesamt ein Schlüsseldokument. Entsprechend hat er erhebliche Aufmerksamkeit der Forschung auf sich gezogen.
Oft wird der Prologus mit anderen Äußerungen Hieronymus' zum biblischen Kanon verglichen, wobei die Chronologie der einzelnen Äußerungen schwierig zu ermitteln ist. Für die übergreifende Forschung ist vor allem die Ähnlichkeit einerseits zur jüdischen Tradition und das Verhältnis zu anderen einschlägigen Listen biblischer Bücher der Alten Kirche wichtig, weil Hieronymus sich unter positivem Bezug auf die Hebräische Bibel für einen engeren Kanon-Begriff als andere lateinische Autoren entschied. Besondere Bedeutung hat der Prologus galeatus auch deshalb, weil Martin Luther sich explizit auf seine Autorität berief, als er sich dafür entschied, die nicht in der Hebräischen Bibel enthaltenen Schriften als Apokryphen (nur) in den Anhang seiner Bibelübersetzung aufzunehmen (siehe Kanon des Alten Testaments#Lutherbibel).