Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000hPa).
Propafenon ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Antiarrhythmika, der in der Behandlung von Herzrhythmusstörungen eingesetzt wird. Nach der Einteilung von E. Vaughan Williams gehört Propafenon zu Klasse I der Antiarrhythmika (Natriumkanalblocker), genauer (zusammen mit Flecainid) zur Klasse IC.
Klinische Angaben
Propafenon wird (intravenös mit 0,5 bis 1 mg/kg) unter anderem bei ventrikulären Tachykardie und ventrikulären Extrasystolen verwendet. Bei Vorhofflimmern (mit Tachyarrhythmia absoluta) kann es ebenfalls verwendet werden.
Pharmakologische Eigenschaften
Wirkungsmechanismus (Pharmakodynamik)
Propafenon bindet an kardiale Natriumkanäle, die Proteinbindung hierbei beträgt über 90%. Durch eine vergleichsweise lange Bindungszeit ist Propafenon auch bei Ruhefrequenz wirksam. Im Gegensatz zu anderen Vertretern der Wirkstoffklasse beeinflusst es die Aktionspotentialdauer kaum, blockiert aber stark den schnellen Natriumeinstrom der Phase0 (QRS-Erweiterung im Ruhefrequenzbereich). Dadurch, dass Propafenon strukturell mit Betablockern verwandt ist, besitzt es ebenfalls Lidocain- und Chinidin-artige Wirkung und kann auch Calciumkanäle und β-Kanäle blocken. Als unerwünscht anzusehen ist die Andockung an ATP-sensitive Kaliumkanäle in Herzmuskelzellen.
Aufnahme und Verteilung im Körper (Pharmakokinetik)
Die enterale Resorption ist gut, trotzdem ist durch einen First-Pass-Effekt die Bioverfügbarkeit eingeschränkt (ca. 50%). Die Plasmahalbwertszeit liegt bei 3–6 Stunden.
Stereochemie
Propafenon enthält ein Stereozentrum und besteht aus zwei Enantiomeren. Hierbei handelt es sich um ein Racemat, also ein 1:1-Gemisch von (R)- und der (S)-Form:
↑E. Vaughan Williams: Classification of anti-arrhythmic drugs. In: Symposium on Cardiac Arrhythmias. (Hrsg.: E Sandfte, E Flensted-Jensen, KH Olesen). AB ASTRA (Sweden), Södertälje 1970, S. 449–472.
12Ernst Mutschler, Monika Schäfer-Korting u.a.: Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie. 8., völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2001, ISBN 3-8047-1763-2, S. 549ff
↑H. M. Bryson, K. J. Palmer u.a.: Propafenone. A reappraisal of its pharmacology, pharmacokinetics and therapeutic use in cardiac arrhythmias. In: Drugs, 1993, 45(1)
↑Reinhard Larsen: Anästhesie und Intensivmedizin in Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie. (1. Auflage 1986) 5. Auflage. Springer, Berlin / Heidelberg / New York u.a. 1999, ISBN 3-540-65024-5, S. 75.
↑Georges Christé, Habiba Tebbakh, Milena Šimurdová, Rémi Forrat, Jirı́ Šimurda:Propafenone blocks ATP-sensitive K+ channels in rabbit atrial and ventricular cardiomyocytes. In: European Journal of Pharmacology. Band373, Nr.2-3, Juni 1999, S.223–232, doi:10.1016/S0014-2999(99)00217-4 (elsevier.com[abgerufen am 8.April 2026]).
↑F. v. Bruchhausen, G. Dannhardt, S. Ebel, A. W. Frahm, E. Hackenthal, U. Holzgrabe (Hrsg.): Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. Band 9: Stoffe P-Z. 5. Auflage. Springer Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-642-63389-8, S. 387.
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