Propst

Propst (lateinisch praepositus „Vorgesetzter“) ist die Bezeichnung für verschiedene Leitungsämter in der römisch-katholischen Kirche sowie in evangelischen und anglikanischen Kirchen.

Etymologie

Die Bezeichnung leitet sich von lateinisch praepositus ‚Vorsteher‘, wörtlich ‚Vorgesetzter‘, her. Sie entwickelte sich über mittellateinisch propostus und althochdeutsch prōbōst zum heutigen Propst. Die Schreibvariante Probst wurde neben Propst noch bis ins 18. Jahrhundert verwendet. In Familiennamen ist die altertümliche Schreibung Probst weitaus häufiger als Propst.

Römisch-katholische Kirche

Diözesanklerus

Der Propst ist in der Regel der Leiter der äußeren Angelegenheiten eines Dom- oder Stiftskapitels (Dom-, Stiftspropst), sofern die Kapitelstatuten nichts anderes bestimmen. Er war besonders im Mittelalter häufig Archidiakon eines bestimmten Sprengels einer Diözese. Einige Pröpste waren zum Teil bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil Träger einiger Pontifikalien. Der Stiftspropst des Kollegiatstifts Altötting ist zum Tragen aller Pontifikalien mit Ausnahme des Bischofsstabes berechtigt.

Ordensklerus

Im Klerus der Ordensgemeinschaften wird der Begriff je nach Orden unterschiedlich verwendet:

Evangelische Kirchen

In den evangelischen Kirchen kann Propst sehr unterschiedliche Bedeutungen haben.

Damenstifte

Bei den freiweltlichen Damenstiften war die Pröpstin die Vertreterin der Äbtissin. Sie leitete die Güterverwaltung des Stifts und vertrat es auch bei einer Sedisvakanz. Ein berühmtes Beispiel war Aurora von Königsmarck als Pröpstin von Stift Quedlinburg. Wie bei Männerorden gab es auch Damenstifte und Klöster, die statt von einer Äbtissin ständig von einer Pröpstin geleitet wurden, so etwa das Magdalenenstift in Altenburg und die Frauenklöster der Augustiner-Chorfrauen, z. B. in Riedern am Wald.

Der männliche Rechtsvertreter der schleswig-holsteinischen Damenstifte St.-Johannis-Kloster vor Schleswig, Kloster Uetersen und Kloster Preetz, der meist aus der Ritterschaft stammte und bis heute kein Geistlicher ist, trägt den Titel Probst. Im Kloster Itzehoe wird er Verbitter genannt.

Anglikanische Kirche

Der Domdekan einer anglikanischen Kathedrale wird Provost genannt, wenn diese gleichzeitig als Pfarrkirche dient.

Staatskirchliche Funktionen

Siehe auch

Literatur

Wiktionary: Propst – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Herkunft von Probst duden.de
  2. ↑ Propst. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 13: N, O, P, Q – (VII). S. Hirzel, Leipzig 1889, Sp. 2169 (woerterbuchnetz.de).
  3. ↑ Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche – Kirchenleitung, online unter selk.de
  4. ↑ Geistliche sind Pröpste – im Gegensatz zu Klosterprobst eins Adligen Damenstiftes, der kein Geistlicher, sondern Vorsteher des Konvents ist und mit b geschrieben wird. In: Hans-Herbert Henningsen: Die Klostereule erinnert sich … Ur-ur-ur-alte Geschichten über das Uetersener Kloster. Heydorn, Uetersen 2005, S. 8.
  5. ↑ Elsa Plath-Langheinrich: Vom Zisterzienserinnenkloster zum Adeligen Damenstift im holsteinischen Uetersen. Kloster Uetersen in Holstein. Wachholtz, Neumünster 2009, ISBN 3-529-02813-4, S. 97–105.