Geschichte
Mundruczó arbeitet seit 2003 am Theater. Während seiner Karriere hat er eine spezielle Arbeitsmethode entwickelt, welche er schon 2007 in seinem Stück Frankenstein-Projekt am Bárka Theater benutzt hat. Mit dieser Vorstellung wurde 2009 Proton Theater gegründet. Das Stück diente anschließend als Ausgangspunkt zu seinem Film Tender Son – Das Frankenstein Projekt (2010). Diese gefeierte Produktion brachte ihn zu der Überzeugung, dass er eine Basis brauchte, auf der er frei und mit seiner eigenen Gruppe arbeiten kann. Die Theaterproduzentin Dóra Büki entwickelte dazu die operative Struktur, um ihren Vorstellungen eine Zukunft sichern.
Ziel des Proton Theaters ist es, neben der Erhaltung maximaler künstlerischer Freiheit, einen professionellen Rahmen für ihre frei produzierten Vorstellungen und Projekte zu sichern. Produktionen des Proton Theaters werden als internationale Koproduktionen entwickelt. Zu ihren festen Koproduktionspartner zählen u. a. die Wiener Festwochen, Hebbel am Ufer (HAU), Hellerau und Trafó Haus der Zeitgenössischen Künste in Budapest. Neben Mundruczós Inszenierungen – Das Eis (2006), Frankenstein-Projekt (2007), Es ist nicht leicht ein Gott zu sein (2010), Schande (2012), Dementia (2013), Winterreise (2015), Scheinleben (2016), Das Floß der Medusa (2018), Evolution (2019) und Die sieben Todsünden/Motherland (2020) – möchte sie den Mitgliedern der Kompanie Raum geben, eigene Ideen zu verwirklichen. In diesem Sinne sind die folgenden Produktionen zu Stande gekommen: Letzte (2014) unter der Regie von Roland Rába, 1 link (2015) von Gergely Bánki, und Vackor nyomában (In den Spuren von Vackor, 2017) von János Szemenyei.
Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein wurde im November 2011 beim Festival Politik im Freien Theater in Dresden mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Für die Wiener Festwochen 2012 adaptierte Mundruczó den Roman Schande von J. M. Coetzee, auf Ungarisch: Szégyen, für die Bühne. Das Theaterstück diente später als Inspiration für Underdog. Schande, wie auch Scheinleben aus dem Jahr 2016 waren von Nachtkritik.de zu den wichtigsten 50 Inszenierungen der jeweiligen Jahre nominiert. Für Scheinleben wurde Mundruczó 2017 in Kategorie Regie Schauspiel für den Deutschen Theaterpreis Der Faust nominiert. Es war das erste Mal im Geschichte des Preises, dass sich ein nicht Deutsches Theater, in diesem Fall das Ungarische Proton Theater, unter den Nominierten befand.
Die Vorstellungen des Proton Theaters wurden bis 2020 auf mehr als 110 Festivals gezeigt, vom Festival von Avignon, bis zum Adelaide Festival, dem Singapore Arts Festival, dem Festival Bo:m in Seoul sowie am Zürcher Theater Spektakel.