Pseudo-Ignatius war ein anonymer Fälscher, der im 4. Jahrhundert die ihm vorliegenden Briefe des Ignatius von Antiochia interpolierte und sechs Briefe von und an Ignatius neu schrieb.
Durch die Arbeit des Pseudo-Ignatius entstand die „längere Rezension“ der Ignatiusbriefe. Sie umfasste im für die Textgeschichte wichtigen Codex Monacensis graecus 394 (10. oder 11. Jahrhundert) folgende Schriften:
Einige Versionen dieser umfangreicheren Briefsammlung enthalten darüber hinaus zwei Briefe des Ignatius an den Evangelisten Johannes und einen an die Jungfrau Maria.
Dass der Interpolator der sieben älteren Ignatiusbriefe identisch ist mit dem Verfasser der sechs neuen Briefe in der 13-Briefe-Sammlung, gilt aufgrund sprachlicher und inhaltlicher Kriterien als sicher. Konsens ist auch die Nähe zum Redaktor der Apostolischen Konstitutionen und zum Hiobkommentar eines Pseudo-Julian (4. Jahrhundert); alle diese Schriften scheinen aus dem gleichen Milieu zu stammen, wenn nicht sogar vom gleichen Verfasser bzw. Redaktor. Pseudo-Ignatius kannte und benutzte darüber hinaus die Schriften des Eusebius von Caesarea. Hanns Christof Brennecke zufolge war Pseudo-Ignatius in Antiochia am Orontes tätig.
Pseudo-Ignatius arbeitete viel stärker mit Bibelzitaten als der Ignatius der mittleren Rezension. Diese Zitate machen mehr als die Hälfte der Interpolationen in den sieben älteren Ignatiusbriefen aus. Die trinitarischen Personen stellte Pseudo-Ignatius nach dem dogmengeschichtlichen Stand des 4. Jahrhunderts dar und korrigierte Ignatius, der im 2. Jahrhundert weniger differenzierte Anschauungen hatte.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pseudo-Ignatius |
| KURZBESCHREIBUNG | anonymer Fälscher |
| GEBURTSDATUM | 4. Jahrhundert |
| STERBEDATUM | 4. Jahrhundert oder 5. Jahrhundert |