Schamhaare beginnen in der Pubertät zu wachsen, bei Mädchen etwa ab dem zehnten und bei Jungen etwa ab dem zwölften Lebensjahr. Bei Mädchen bedecken die Schamhaare die äußeren Schamlippen und den Venushügel. Beim Jungen wachsen die Schamhaare auf dem Hodensack und um die Peniswurzel herum. Bei Frauen erinnert die Form der Behaarung oberhalb des Geschlechts an ein auf der Spitze stehendes Dreieck. Bei Männern wachsen die Schamhaare in Form eines Trapezes oder in gerader Linie bis zum Bauchnabel hinauf.
Je nach genetischer Veranlagung kann sich die Behaarung bis auf den Afterbereich ausdehnen. Die Haare im Analbereich werden auch als perianale Behaarung bezeichnet. Behaart ist in der Regel nur der äußere Bereich des Analkanals, die so genannte Zona cutanea. Die Schleimhaut im unmittelbaren Umfeld des Afters selbst ist unbehaart. Der Ausdruck perianale Behaarung (von griech. περί peri- „ringsum, umgebend“) ist daher sachlich exakter.
Analhaar tritt sowohl bei Männern als auch bei Frauen auf und ist individuell und geschlechtsspezifisch unterschiedlich dicht und stark ausgeprägt. Die Entwicklung vom kaum sichtbaren, flaumartigen Vellushaar zum kräftigeren, pigmentiertenTerminalhaar erfolgt erst im postpubertären Stadium.
Die Schamhaare sind meist kräftiger und dunkler als die Kopfhaare, bei Rothaarigen, sehr Hellblonden und Schwarzhaarigen gleichfarbig. Bei Europäern sind sie häufig gelockt oder gekräuselt, bei Afrikanern eng gekräuselt und bei Asiaten und den amerikanischen Ureinwohnern eher glatt und stärker anliegend. Auch die Haardichte und das Maß der Ausbreitung sowie die Länge der Schamhaare sind genetisch bedingt und daher individuell verschieden.
Für Schamhaare wird ein durchschnittliches Wachstum von 0,20 bis 0,39mm/Tag angegeben; für die Wachstumsphase (Anagenphase) wurde eine Zeitspanne von 47 bis 77Wochen, für die Ruhephase (Telogenphase) von 51 bis 73Wochen ermittelt, an die sich dann der Haarausfall anschließt.
Durch die Schamhaar-Rasurmode haben sich HPV-Infektionen bei Männern weit verbreitet, im Durchschnitt tragen fast die Hälfte der Männer irgendeinen HPV-Typ und 35% eine Hochrisiko-Variante, die ein Peniskarzinom oder ein Zervixkarzinom verursachen kann.
Eine ausgeprägte perianale Behaarung führte früher häufig zu hygienischen Problemen und zwang Betroffene zur Reinigung nach dem Stuhlgang.
Biologische Funktion und der Einfluss auf die Partnerwahl
Evolutionsbiologisch stehen die Schamhaare möglicherweise, ebenso wie die Achselhaare, im Dienst der Verdunstung von sexuellen Lockstoffen aus den apokrinen Drüsen. Achsel- wie Schamhaare dienen dazu, diese Duftstoffe besser abzugeben.
Die biologische und evolutionäre Relevanz für die menschliche Sexualität und Partnerwahl ist Gegenstand moderner neurobiologischer und endokrinologischer Forschung, wobei die Reaktionen stark von Geschlecht und sexueller Orientierung beeinflusst werden.
Eine im Jahr 2013 veröffentlichte Studie untersuchte die physiologischen Auswirkungen von Achselgerüchen auf heterosexuelle Männer. Die Ergebnisse zeigten, dass das Riechen an Achselsekreten, die von Frauen während der fruchtbaren Phase gewonnen wurden, zu einem signifikanten Anstieg des Testosteron- und Cortisolspiegels im Speichel der Probanden führte und ein gesteigertes subjektives sexuelles Verlangen auslöste. Die Forscher folgerten daraus, dass die menschliche Achselhöhle als Quelle von Chemosignalen dient, die biologische Informationen über den hormonellen Status und die Fruchtbarkeit übertragen.
Im Gegensatz dazu reagieren Männer je nach sexueller Orientierung völlig unterschiedlich auf männliche Achselgerüche. Hirnaktivitätsmessungen (u. a. am Karolinska-Institut) zeigten, dass das Einatmen von Androstendion, einer chemischen Verbindung, die in hoher Konzentration im männlichen Achselschweiß vorkommt, bei homosexuellen Männern direkt den vorderen Hypothalamus aktiviert. Diese Gehirnregion ist für die Verarbeitung sexueller Reize und die hormonelle Steuerung zuständig. Bei heterosexuellen Männern hingegen löst derselbe männliche Achselgeruch keine sexuelle Aktivierung aus, sondern stimuliert lediglich die Standard-Riechrinde (Cortex olfactorius).
Die Haltung gegenüber der natürlichen Schambehaarung unterscheidet sich stark zwischen unterschiedlichen Kulturkreisen und Epochen. Während in den meisten Kulturen Schamhaare positiv und als erotisch und ästhetisch bewertet werden, gibt es individuell auch einen Enthaarungsfetischismus, und in einigen Kulturkreisen werden sie aus religiösen, modischen, pornografischen oder pädophilen Gründen entfernt.
Weibliche und männliche Genitalien sowohl mit wie ohne Schambehaarung
In vielen Kulturen stehen die Schamhaare als Symbol für Fruchtbarkeit oder Erwachsensein und Heiratsfähigkeit.
In den USA war die Schambehaarung wechselnden Moden und kulturellen Einstellungen unterworfen. Während in Amerika bis in die 1980er Jahre hinein die natürliche volle Schambehaarung üblich war und die Norm darstellte, gab es ab den 1990er Jahren Frauen, die ihre Schamhaare teilweise entfernten.
Ab den 2000er Jahren war die vollständige Schamhaarentfernung bei einigen Frauen üblich, einhergehend mit einer Missbilligung der natürlichen Schambehaarung in der Boulevardpresse.
Es folgte eine Normalisierung der Schambehaarung in den 2010er Jahren, so dass inzwischen die Ablehnung normaler Schamhaare verschwunden ist: die natürliche Schambehaarung gilt längst wieder als ästhetisch und sozial akzeptabel, dennoch rasieren sich manche Frauen ihre Schamhaare weiterhin weg.
Verwendung in Forschung und Forensik
Zur Klärung spezieller Fragen der Exposition gegenüber beziehungsweise der Akkumulation von Schwermetallen, des Stoffwechsels von Ethanol und der Exposition gegenüber Drogen werden Schamhaare auch in der physiologischen Forschung und Forensik nach angemessener Probenvorbereitung eingesetzt.
Das 1866 veröffentlichte Gemälde Der Ursprung der Welt(L’Origine du monde) von Gustave Courbet stellte Schambehaarung explizit dar. Das Bild löste seinerzeit einen Skandal aus.
Dem Kunsthistoriker und Philosophen John Ruskin wird zugeschrieben, dass er in seiner Hochzeitsnacht durch den Anblick weiblicher Schamhaare traumatisiert wurde und floh, so dass die Ehe annulliert wurde, weil er in seinem Beruf nur Akte ohne weibliche Schambehaarung zu Gesicht bekommen hatte und daher nichts von deren Existenz wusste. Zu Ruskins Lebzeiten im 19.Jahrhundert war es nicht üblich, vor der Hochzeitsnacht sexuell zu verkehren oder Frauen nackt zu sehen.
Die von dem Wiener Medien-Künstler Gerald Zahn geschaffene VideoinstallationHairy Monsters widmet sich als Hommage an die Pornografie der 1960er bis 1970er Jahre dem Thema der Schambehaarung, wobei kaleidoskopartige Spiegelungen von Schamhaar-Partien an seltsame behaarte Wesen erinnern.
Die rasierte Schauspielerin Sienna Miller musste für ihren Film Hippie Hippie Shake, welcher in der Hippie-Zeit spielt, für einige Nacktszenen nachträglich am Computer mit Schamhaaren versehen werden. Da damals eine Schamhaarentfernung unüblich war, wirkten die Szenen nicht authentisch.
Kate Winslet sollte in dem Film Der Vorleser ein Schamhaar-Toupet tragen, weil dem Regisseur ihr eigenes Schamhaar nicht üppig genug war, sie weigerte sich jedoch.
Literatur
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