Public Value (englisch wörtlich für „öffentlicher Wert“) bezeichnet den Wertbeitrag und Nutzen, den eine Organisation für eine Gesellschaft erbringt. Public Value beantwortet die Frage, was eine Organisation wertvoll für eine Gesellschaft macht. Entscheidend ist dabei das neue Verständnis von „Wert“-Schöpfung, welche erst durch Wertschätzung und gesellschaftliche Akzeptanz entsteht. Damit wird die gesellschaftsstabilisierende oder auch gesellschaftsverändernde Funktion von Organisationen besonders betont. Der Begriff wurde ursprünglich vom Harvard-Verwaltungswissenschaftler Mark H. Moore geprägt: Sein Konzept zielt auf einen Wertschöpfungsbegriff für den öffentlichen Sektor analog zum Shareholder Value im Privatsektor. Public Value soll dem Management eine Richtschnur geben, durch die unternehmerisches Handeln zu Gunsten des Gemeinwohls gefördert wird. Der Public-Value-Gedanke beinhaltet durch den Fokus auf die Wertschöpfung von öffentlichen Verwaltungen auch eine grundsätzliche Kritik am New Public Management und dessen Betonung von privatwirtschaftlichen Effizienzkriterien. Heute wird der Begriff „Public Value“ nicht mehr nur im öffentlichen Sektor benutzt, sondern erfährt eine breitere Verwendung für alle Arten von Organisationen, also auch für die nützliche Arbeit in Nichtregierungsorganisationen und privatwirtschaftlichen Unternehmen. So benutzt der in Leipzig und St. Gallen tätige Public-Value-Forscher Timo Meynhardt den Begriff in der Management-Lehre, um generell die Frage nach dem Gemeinwohlbeitrag von Organisationen zu stellen. Er vertritt die Auffassung, dass aktuelle Managementkonzepte, wie z. B. Shareholder Value, Stakeholder Value, Customer Value, Nachhaltigkeit oder auch Corporate Social Responsibility, sich über Gemeinwohlbedeutung legitimieren sollten. In seiner (sozial-)psychologisch begründeten Konzeption entsteht Public Value für den Einzelnen aus den Erfahrungen in gesellschaftlichen Beziehungsgefügen und stellt eine Voraussetzung und Ressource für gelingendes Leben dar.
„Public Values sind diejenigen, die einen normativen Konsens über 1) die Rechte, Nutzen und Vorrechte, auf die Bürger (keinen) Anspruch haben sollten; 2) die Pflichten von Bürgern gegenüber der Gesellschaft, dem Staat und gegenseitig; 3) und die Prinzipien auf denen Regierungen und politische Programme basiert sein sollten, bieten.“
„Public Value ist Wert für die Öffentlichkeit. Wert für die Öffentlichkeit ist das Ergebnis von Bewertungen darüber, wie Grundbedürfnisse von Individuen, Gruppen und der Gesellschaft als Ganzes in Beziehungen mit der Öffentlichkeit beeinflusst werden. Public Value ist damit auch Wert von der Öffentlichkeit, wird also aus der Erfahrung mit dieser abgeleitet. Das Öffentliche ist eine unabdingbare operative Fiktion von Gesellschaft: Jeder Einfluss auf die geteilte Erfahrung der Beziehungsqualität zwischen dem Individuum und der Gesellschaft schafft oder zerstört Public Value. Diese gesellschaftliche Wertschöpfung findet in Beziehungen zwischen dem Individuum und der Gesellschaft statt, ist im Individuum verankert, wird in subjektiven Bewertungen auf Basis von Grundbedürfnissen konstituiert, aktiviert von und realisiert in emotional-motivationalen Zuständen und in erfahrungsintensiven Praktiken und produziert sowie reproduziert.“
„Die Definition, die bleibt, setzt den Erfolg von Managern im öffentlichen Sektor mit der Initiierung und Umgestaltung von öffentlichen Unternehmen gleich, sodass deren Wert für die Gesellschaft sowohl auf kurze als auch auf lange Sicht erhöht wird.“
„Public Value ist die kombinierte Ansicht der Gesellschaft darüber, was sie als wertvoll erachtet.“
„Public Value wird erst dann geschaffen oder zerstört, wenn das individuelle Erleben und Verhalten von Personen und Gruppen so beeinflusst wird, dass dies stabilisierend oder destabilisierend auf Bewertungen des gesellschaftlichen Zusammenhalts, das Gemeinschaftserleben und die Selbstbestimmung des Einzelnen im gesellschaftlichen Umfeld wirkt. Public Value entsteht also im Ergebnis von Bewertungsprozessen, die einen kollektiven und in diesem Sinne sozialen Charakter haben und sich nicht allein auf das Individuum beschränken.“


Das Public-Value-Konzept ist heute nicht mehr auf die Verwaltungswissenschaft beschränkt. So wird Public Value zunehmend aus einer Managementperspektive in verschiedenen Organisationen, auch in privatwirtschaftlichen Unternehmen, als wichtig betrachtet. Dies beruht auch auf der Überlegung, dass Organisationen immer, selbst wenn sie es nicht beabsichtigen, Public Value schaffen oder zerstören. Der Vertrauensverlust in die Wirtschaft verdeutlicht die Relevanz derartiger Überlegungen für Unternehmen. Public Value Messungen dienen in Organisationen der Vorbereitung von strategischen Entscheidungen und der Sicherung einer gesellschaftlichen Akzeptanz und Daseinsberechtigung. Der St. Galler Public Value Forscher Timo Meynhardt leitet aus Erkenntnissen der psychologischen Forschung zu menschlichen Grundbedürfnissen vier Dimensionen von Public Value ab:
Entlang dieser Dimensionen kann Public Value durch Befragungen gemessen werden. Die Ergebnisse können auf einer Public Value Scorecard abgetragen und dann für Managemententscheidungen genutzt werden (siehe rechte Spalte). Damit können Unternehmen, öffentliche Institutionen und Non-Profit-Organisationen den Einfluss ihrer Kerntätigkeit auf die Qualität gesellschaftlichen Zusammenlebens besser verstehen und entsprechende Managemententscheidungen treffen. Dabei spielt auch die Machtfrage eine wichtige Rolle, da Manager durch ein Wiederentdecken ihrer gesellschaftlichen Rolle Macht ganzheitlicher verstehen und im Sinne einer gestaltenden, gesellschaftlichen Kraft einsetzen können.
Eine Orientierung am Public Value spielt auch in gemeinnützigen Organisationen eine wichtige Rolle. Strategisches Management im gemeinnützigen Sektor ist auf eine Definition des durch die Organisation zu produzierenden Wertes angewiesen. Da gemeinnützige Organisationen einen sozialen Zweck erfüllen, sind rein monetäre Wertkonzeptionen hier nicht geeignet. Eine Orientierung an der Schaffung von Public Value bietet deshalb eine wichtige strategische Orientierung für Non-Profit-Organisationen.
Basierend auf dem Public-Value-Konzept wurde mit dem Gemeinwohlatlas in der Schweiz eine Internetplattform geschaffen, auf der die Gemeinwohlbeiträge – also der Public Value – der größten Unternehmen und Organisationen transparent gemacht werden. GemeinwohlAtlanten für die Schweiz wurden im Mai 2014 und im September 2015 veröffentlicht. Ein solcher GemeinwohlAtlas wurde 2015 auch erstmals für Deutschland erstellt (Publikation im Oktober 2015).