Asperula purpurea subsp. apiculata (als Galium apiculatum), Illustration aus J. Sibthorp & J. E. Smith: Flora Graeca. Band 2, Tafel 128
Der Purpur-Meier (Asperula purpurea) oder auch Purpur-Labkraut und Purpur-Waldmeister genannt, ist eine im südlichen Europa heimische Pflanzenart der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae). Die Art wird seit 2020 auch als Thliphthisa purpurea(L.) P.Caputo & Del Guacchio in die Gattung Thliphthisa gestellt.
Habitus
Beschreibung
Der Purpur-Meier wächst als krautige, am Grund verholzte Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 10 bis 50 Zentimeter. Die aufsteigenden bis aufrechten, stark verzweigten, in den unteren Bereichen schwach vierkantigen Stängel tragen kurze, mehr oder weniger gekrümmte Haare. Die Internodien der Stängel sind deutlich länger als die Blätter. In einem Quirl stehen (zwei bis) meist sechs bis zehn Blätter zusammen. Es gibt immer einige Blattquirle mit mehr als 4 Blättern. Die an den Rändern rauen Blätter sind schmal lanzettlich bis fadenförmig geformt.
Die (1 bis) 2 bis 4 (bis 7)Millimeter langen Blütenstiele sind dünn und oft zurückgebogen und stehen in der Achsel gekielter, an den Rändern bewimperter, am Grund kurz verwachsener Tragblätter. Die 0,8 bis 1,6Millimeter lange Krone ist von leicht becherförmiger bis mehr oder weniger radförmiger Gestalt und am Grund zu einer 0,1 bis 0,3 Millimeter langen Röhre verwachsen. Die vier Kronzipfel sind 0,7 bis 1,3 Millimeter lang, eiförmig oder dreieckig und bespitzt. Der Griffel ist meist kürzer als der Fruchtknoten und trägt eine kugelförmige Narbe. Die etwa 2Millimeter langen Früchte besitzen eine glatte Oberfläche.
Asperula purpurea besiedelt besonnte Fels- und Schutthänge an der Südseite der Alpen und in den Gebirgen der Apenninen- und der Balkanhalbinsel. Im deutschen Sprachraum kommt sie nur in Südtirol häufiger vor, erreicht aber in Österreich auch noch Kärnten und die südliche Schweiz, wo sie schwerpunktmäßig im Tessin vorkommt.
Systematik
Der Purpur-Meier wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum als Galium purpureumL.erstveröffentlicht. Erst 221 Jahre später erkannte Friedrich Ehrendorfer die Zugehörigkeit der Art zu Asperula und veröffentlichte 1974 die gegenwärtig akzeptierte Umkombination Asperula purpurea(L.) Ehrend. Ein weiteres Synonym ist Crucianella purpurea(L.) Honck.
Asperula purpurea wird innerhalb der GattungAsperulaL. in die Sektion Thliphthisa(Griseb.) Ehrend. gestellt. Die Gattung steht in der Tribus Rubieae der Unterfamilie Rubioideae Verdc. aus der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae).
Die Art Asperula purpurea wird in zwei Unterarten unterteilt, die beide eine Chromosomenzahl von 2n = 22 besitzen:
Asperula purpurea(L.) Ehrend. subsp. purpurea (Syn.: Thliphthisa purpurea(L.) P.Caputo & Del Guacchio subsp. purpurea): Sie erreicht Wuchshöhen von (15 bis) 20 bis 50 (bis 60)Zentimeter und besitzt Stängel mit gekrümmten Haaren. Die 10 bis 20 × 0,4 bis 1Millimeter großen, in Wirteln zu (6 bis) 7 bis 10 (bis 11) stehenden, schmal linealischen bis fadenförmigen Blätter sind allmählich zugespitzt, der Rand ist deutlich nach unten gerollt. Die Krone ist meist purpurn und manchmal gelblich, die Kronzipfel deutlich bespitzt und fast immer kahl. Diese Unterart kommt im gesamten Verbreitungsgebiet der Art außer auf der südwestlichen Balkanhalbinsel vor.
Asperula purpurea subsp. apiculata(Sm.) Ehrend. (Syn.: Thliphthisa purpurea subsp. apiculata(Sm.) P.Caputo & Del Guacchio): Sie erreicht Wuchshöhen von (5 bis) 8 bis 30 (bis 35)Zentimeter und besitzt mehr oder weniger gekräuselte Haaren. Die 4 bis 10 × 0,5 bis 1,5Millimeter großen, in Wirteln zu (4 bis) 6 bis 8 (bis 9) stehenden, schmal lanzettlichen bis linealischen Blätter sind plötzlich zugespitzt. Die Krone ist normalerweise gelblich-grün mit oft mehr oder weniger rotem Einschlag. Diese Unterart kommt auf der südwestlichen Balkanhalbinsel vor.
Von den Apuanischen Alpen (Toskana) wurde 1994 außerdem Asperula purpurea subsp. apuana(Fiori) Bechi & Garbari beschrieben, die sich durch ihre dichte, weiche Stängel- und Blattbehaarung von der typischen Unterart unterscheidet. Sie wird von manchen Autoren auch als eigene Art angesehen: Thliphthisa apuana(Fiori) P.Caputo & Del Guacchio.
Gefährdung und Schutzmaßnahmen
In der Schweiz wird Asperula purpurea in der nationalen Roten Liste mit der Gefährdungskategorie NT (Near threatened) geführt. In Österreich wird der Purpur-Meier als gefährdet eingestuft.
Quellen
Literatur
Konrad Lauber, Gerhart Wagner, Andre Michel:Flora Helvetica. 2., überarbeitete und verbesserte Auflage. Paul Haupt, Bern 1998, ISBN 3-258-05735-4, 1937 Asperula purpurea, S.1000.
Einzelnachweise
↑Asperula purpurea (L.) Ehrend.einheimische deutsche Namen.In:SysTax.Universität Ulm & Ruhr-Universität Bochum,abgerufen am 4.Februar 2011.
↑Thliphthisa purpurea. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science,abgerufen am 11.April 2026.
1234
Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band VI, 1, Lieferung 5–6, 1914, Verlag Julius Friedrich Lehmann, München, S. 216–217, (online).
↑Jens G. Rohwer: Rubiaceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 628.
123456
Friedrich Ehrendorfer, Franz Krendl: Asperula. In T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.):Flora Europaea. Volume 4: Plantaginaceae to Compositae (and Rubiaceae). Cambridge University Press, Cambridge 1976, ISBN 0-521-08717-1, S.13–14 (englisch, eingeschränkte Vorschauin der Google-Buchsuche).
↑
Walter Gutermann, Friedrich Ehrendorfer & Manfred A. Fischer: Neue Namen und kritische Bemerkungen zur Gefässpflanzenflora Mitteleuropas. In: Österreichische Botanische Zeitschrift. Band 122, Nr. 4, 1974 ("1973"), S. 259–273, hier S. 220. doi:10.1007/BF01441577
↑Asperula purpurea (L.) Ehrend.synonyme Namen.In:Catalogue of Life: 2011 Annual Checklist [15].Abgerufen am 4.Februar 2011(englisch).
↑Valerie L. Soza, Richard G. Olmstead:Molecular systematics of tribe Rubieae (Rubiaceae): Evolution of major clades, development of leaf-like whorls, and biogeography. In: Taxon. Band59, Nr.3, 2010, S.755–771 (washington.edu[PDF]).
↑
N. Bechi, Fabio Garbari: Intraspecific variation and taxonomic aspects of some plants from the Apuan Alps (Tuscany, Italy). In: Flora Mediterranea. Band 4, 1994, S. 213–225, PDF-Datei.
↑Manfred A. Fischer, Karl Oswald, Wolfgang Adler:Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3., verbesserte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2008, ISBN 978-3-85474-187-9, S.714.