| Qilakitsoq (K'ilakitsoĸ) | |||
| Kommune | Avannaata Kommunia | ||
| Distrikt | Uummannaq | ||
| Einwohner | verlassen | ||
| Siedlungsstatus | Wohnplatz | ||
| Demonym | Qilakitsormiut (Plural; Singular mit -mioq/-miu) | ||
| Zeitzone | UTC-2 | ||
| Koordinaten | 70° 36′ 31″ N, 52° 10′ 55″ W | ||
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Qilakitsoq ist eine grönländische verlassene Siedlung und eine bedeutende archäologische Stätte. Es wurde als Fundort von acht mumifizierten Leichen aus der Zeit der Thule-Kultur bekannt. Die Inuit-Mumien von Qilakitsoq eröffneten wichtige Einblicke in das Leben der Inuit vor ca. 500 Jahren.
Qilakitsoq liegt in Westgrönland nahe der Stadt Uummannaq am Nordufer der Halbinsel Nuussuaq (grönländisch: Großes Kap) an einer geschützten Bucht des Uummannap Kangerlua. Der grönländische Name bedeutet „Der nur wenig Himmel hat“ und bezieht sich vermutlich auf die umgebenden steilen Klippen und den hier sehr häufig auftretenden Nebel.
Bereits vor ca. 4300 Jahren wurde diese Gegend erstmals von Menschen der Saqqaq-Kultur vermutlich über Ellesmere Island besiedelt. Eine spätere Migrationswelle aus Alaska über Kanada nach Grönland um das Jahr 1000 n. Chr. hatte eine neuerliche Besiedlung der Region um Qilakitsoq zur Folge. Zur Zeit dieser so genannten Thule-Kultur, die bis ca. 1800 n. Chr. währte, befand sich hier eine etwa 30 Einwohner zählende Siedlung. Als Jäger und Fänger lebten sie hier hauptsächlich im Winter in Sodenhäusern, während sie den Sommer auf ausgedehnten Jagdreisen in den umgebenden Fjorden in ihren Zelten verbrachten. Diese Region gilt als sehr wildreich, neben Robben und Walen wurden hier vermutlich auch Eisbären, Rentiere und Schneehühner gejagt und Fischfang betrieben.
Die erste Beschreibung Qilakitsoqs, das von den Europäern damals „Killekitok“ genannt wurde, stammt aus dem Jahre 1789, kurz nach der Gründung der Kolonie Uummannaq (1761). Zu dieser Zeit war Qilakitsoq ebenso wie andere ähnliche Siedlungen nur zeitweise im Winter bevölkert; Die Lebensweise war damals der Thule-Kultur zuzurechnen und mit der zu Lebzeiten der Mumien um das Jahr 1500 vergleichbar. Die letzte Beschreibung einer bestehenden Besiedlung Qilakitsoqs stammt aus dem Jahr 1811. Kurz danach wurde die Siedlung offenbar von ihrer angestammten Bevölkerung verlassen. Ein Grund hierfür könnte die Nahrungskonkurrenz mit den neu angekommenen Europäern gewesen sein, die hier Robbenjagd mit Netzen in großem Maßstab betrieben.
Bereits 1903 fand Qilakitsoq als archäologische Fundstätte Beachtung, als der damalige Kolonialverwalter mehrere entdeckte Artefakte an das Dänische Nationalmuseum sandte. Darunter befanden sich Haushaltsgegenstände und Jagdwerkzeuge, meist jüngeren Datums.
In Qilakitsoq gibt es mehrere Gräber und bis heute kann man unter Steinhaufen menschliche Überreste finden. Doch erst am 9. Oktober 1972 entdeckten die zwei Jäger Hans und Jokum Grønvold aus Uummannaq, als sie hier Schneehühner jagten, das Grab mehrerer Mumien. Sie deckten sie wieder zu und setzten umgehend die Behörden in Kenntnis. Trotzdem dauerte es bis zum Jahr 1978, ehe erste wissenschaftliche Untersuchungen der Grabstätte stattfanden und bald darauf die Mumien nach Kopenhagen zur Untersuchung überführt wurden. In der Zwischenzeit waren bereits leichte Schäden durch unvorsichtige Besucher entstanden, so hatten Hans und Jokum Grønvold mehrere Male die teilweise abgedeckten Gräber wieder repariert.
1982 wurden die Mumien im Zuge der Rückführung grönländischer Kulturgüter wieder nach Grönland zurückgebracht. An ihrem jetzigen Aufbewahrungsort im Grönländischen Nationalmuseum (Kalaallit Nunaata Katersugaasivia) in der grönländischen Hauptstadt Nuuk sind die vier besterhaltenen Mumien öffentlich ausgestellt und stellen eine der größten Touristenattraktionen Nuuks dar.
Das Grab der acht Mumien unterscheidet sich von den anderen Gräbern Qilakitsoqs insofern, als es als einziges ungefähr 200 m außerhalb der Siedlung liegt und mehrere Leichname enthielt. Es befindet sich unterhalb eines überhängenden Felsens und besteht, wie das aufgrund des Mangels an geeigneter Erde üblich war, aus einer Aufeinanderhäufung großer Steine. Diese Anlage bot optimale Bedingungen für eine natürliche Mumifikation: Die Körper waren in kalter und trockener Atmosphäre vor Witterungseinflüssen und Tierfraß geschützt und gut belüftet.
Die Leichname wurden hier in zwei Gruppen, nur ungefähr einen Meter voneinander entfernt, aufeinandergestapelt. Sie waren vollständig bekleidet und mit Robbenfellen, flachen Steinen und Gras gepolstert und bedeckt.

Aufgrund von Hinweisen wie Lebensalter und Lage wurde lange Zeit von zwei miteinander nicht verwandten Familien ausgegangen, später konnten aufgrund von mtDNA-Analysen Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den Menschen in beiden Gräbern nachgewiesen werden. Die Radiokohlenstoffdatierung der Mumien ergab als wahrscheinlichen Todeszeitpunkt das Jahr 1475 mit einem Messfehler von ±50 Jahren. Die Untersuchung erfolgte möglichst schonend, die vier besterhaltenen Mumien wurden weder entkleidet noch geöffnet. Auch auf intensive Konservierungsmaßnahmen wurde verzichtet.
Die Nummerierung der Mumien folgt der Einteilung der Erstuntersucher: Hierbei wurden die Leichname nach Gräbern getrennt von oben nach unten durchnummeriert.

I/1 ca. 6 Monate alter Junge
I/2 vierjähriger Junge
I/3 20- bis 30-jährige Frau
I/4 über 30-jährige Frau
I/5 ca. 50-jährige Frau

II/6 ca. 50-jährige Frau
II/7 ca. 20-jährige Frau
II/8 ca. 50-jährige Frau
Alle Mumien waren vollständig bekleidet, sodass nicht nur die Kleidung, sondern auch ihre Verwendung hinreichend untersucht werden konnte. Die Sitte, Menschen bekleidet zu begraben, leitet sich von der Vorstellung ab, die Verstorbenen bräuchten diese Kleidung auf ihrer Reise ins Land der Toten. Insgesamt wurden 78 Stück Kleidung entdeckt. Insbesondere sind die Kamit (Singular: Kamik) zu erwähnen, nahezu wasserdicht vernähte Stiefel aus Robbenfell, die mit Heu gegen die Kälte isoliert waren. Unter den Kamit wurden meist noch Socken getragen. Grundsätzlich trugen die Mumien zwei Schichten Kleidung: äußere und innere (meist kurze) Hosen und jeweils einen äußeren und einen inneren Anorak, Mumie II/8 sogar drei. Die inneren Anoraks bestehen zum Großteil aus Vogelleder, wobei für einen Anorak bis zu fünf verschiedene Vogelarten verarbeitet wurden, die äußeren Schichten bestehen aus Robbenfellen. Die Verwendung verschiedener Farben und ihre Anordnung lassen auf die bewusste Gestaltung nach ästhetischen Gesichtspunkten schließen.
Ähnliche, jedoch meist nicht so gut erhaltene Mumienfunde wurden etwa auf der Insel Uunartoq im Süden Grönlands und am Berg Pisissarfik in der Nähe von Nuuk gemacht.