Qualitative Comparative Analysis

Qualitative Comparative Analysis (QCA) ist eine vom US-Soziologen Charles Ragin eingeführte Methode für die Kausalanalyse konfigurationaler Daten in den Sozialwissenschaften. Übersetzt heißt QCA so viel wie qualitativ vergleichende Analyse. Anfangs hauptsächlich in der Makrosoziologie angewendet, hat sich die Methode über das gesamte Feld der Politikwissenschaften verbreitet sowie Einzug in die Betriebswirtschafts-, Management- und Organisationsforschung, die Bildungsforschung, Wirtschaftsinformatik, Psychologie sowie die Umwelt- und Gesundheitswissenschaften gefunden.

Suchziel

Das Suchziel von QCA ist die Identifikation minimal notwendiger und hinreichender Bedingungen für das Vorliegen eines zu erklärenden Variablen, welcher allgemein Outcome genannt wird. Das Erreichen dieses Ziels kann mit Hilfe verschiedener Algorithmen erfolgen. Der bekannteste unter ihnen ist der Quine-McCluskey-Algorithmus.

In einem ersten Schritt werden hierfür die zugrunde liegenden Daten in einer sogenannten Wahrheitstabelle aggregiert. Diese besteht aus allen möglichen Kombinationen der Werte aller inkludierten exogenen Variablen , auch als sogenannte Konfigurationen bezeichnet, sowie einem Funktionswert, der sich auf Basis des Konsistenzmaßes ergibt. Im zweiten Schritt wird dann die Disjunktion derjenigen Konfigurationen minimiert, welche einen positiven Funktionswert besitzen, also im Hinblick auf das Outcome als hinreichend klassifiziert worden sind. Dieser Minimierungsprozess wird solange fortgesetzt, bis keine weiteren Eliminierungen von Variablen mehr möglich sind. Diejenigen Terme, welche am Ende dieses Prozesses verbleiben, werden als Primimplikanten bezeichnet. Der dritte Schritt von QCA nach dem Quine-McCluskey-Verfahren besteht aus dem Auflösen der Primimplikantentafel, welche in den Zeilen die Primimplikanten und in den Spalten die Konfigurationen mit positivem Funktionswert enthält. Diese Tafel wird nun so aufgelöst, dass sämtliche Disjunktionen von Primimplikanten so identifiziert werden, dass keine Konfiguration mit positivem Funktionswert unabgedeckt bleibt, und die so gefundene Disjunktion aus einer minimalen Anzahl an Disjunkten besteht. Solche Modelle werden als minimal sums bezeichnet. Da jedoch das minimal sum-Kriterium im Rahmen von Kausaldatenanalysen Fehlschlüsse produziert, wird es, mehr oder weniger rigoros, von den üblichen Computerprogrammen umgangen.

Varianten

Mittlerweile hat sich QCA zu einem Sammelbegriff für eine Familie von konfigurational vergleichenden Techniken gewandelt. Diese umfasst crisp-set QCA (csQCA), fuzzy-set QCA (fsQCA), multi-value QCA (mvQCA) und generalized-set QCA (gsQCA). Alle vier Varianten unterscheiden sich auf Basis der von ihnen verarbeiteten Variablen- und Mengentypen voneinander. Sowohl csQCA wie auch fsQCA basieren auf binären Variablen, deren Werte die Grundlagen für Mengen sind, in denen Objekte entweder nur Elemente oder Nichtelemente sein können (csQCA), oder teilweise Mitgliedschaften in diesen Mengen aufweisen dürfen (fsQCA). Bei csQCA existieren also nur zwei Mitgliedschaftswerte: 0 und 1, während bei fsQCA sämtliche Werte im Intervall [0,1] auftreten dürfen. Das Hauptmerkmal von mvQCA ist die Verallgemeinerung von zweiwertigen exogenen Variablen auf mehrwertige Variablen. Die Mitgliedschaft von Objekten in Mengen, die auf den Werten einer solchen Variablen basieren, ist jedoch wie bei csQCA nur vorhanden oder nicht vorhanden (0 oder 1). Diese Einschränkung wird von gsQCA aufgehoben, denn dieses Verfahren lässt auch strikt partielle Mitgliedschaftswerte eines Objektes in allen Mengen zu, die basierend auf den Werten von mehrwertigen Variablen gebildet werden können. Somit vereint gsQCA alle anderen drei Varianten von QCA als Spezialfälle, während fsQCA und mvQCA Verallgemeinerungen von csQCA darstellen, ersteres auf der Dimension von Mitgliedschaftswerten, letzteres auf der Dimension von Variablenwerten.

Software

Für die computergestützte Durchführung von QCA existieren etliche Programme. Zu solchen mit einer grafischen Benutzeroberfläche gehören fs/QCA, Tosmana und Kirq. Diese Programme bieten den Vorteil einer schnellen Einarbeitung, sind aber auch weniger flexibel in ihren Möglichkeiten und haben teilweise nachgewiesene Fehler, die bisher nicht behoben wurden. Alternativ existieren die Kommandozeilen-Programme QCA und QCA3 für die kostenfreie R Umgebung, sowie fuzzy für das kommerzielle Statistikprogramm Stata.

Weiterführende Literatur

Lehrbücher und Grundlegendes

Spezielle Themen

Software

Einzelnachweise

  1. ↑ Charles C. Ragin: The Comparative Method: Moving beyond Qualitative and Quantitative Strategies. Berkeley: University of California Press, 1987.
  2. ↑ http://www.compasss.org/bibdata.htm, abgerufen am 19. Januar 2015.
  3. ↑ Edward J. McCluskey (1956): Minimization of Boolean Functions. In: Bell Systems Technical Journal, 35 (6): S. 1417–44.
  4. ↑ Charles C. Ragin (2006): Set Relations in Social Research: Evaluating Their Consistency and Coverage. In: Political Analysis, 14 (3): S. 291–310.
  5. ↑ Benoît Rihoux, Gisèle De Meur (2009): Crisp-Set Qualitative Comparative Analysis (csQCA). In: Configurational Comparative Methods: Qualitative Comparative Analysis (QCA) and Related Techniques. Hrsg. B. Rihoux and C.C. Ragin. London: SAGE, S. 33–68.
  6. ↑ Charles C. Ragin (2008): Redesigning Social Inquiry: Fuzzy Sets and Beyond. Chicago: University of Chicago Press.
  7. ↑ Lasse Cronqvist, Dirk Berg-Schlosser (2009): Multi-Value QCA (mvQCA). In: Configurational Comparative Methods: Qualitative Comparative Analysis (QCA) and Related Techniques. Hrsg. B. Rihoux and C.C. Ragin. London: Sage Publications, S. 69–86.
  8. ↑ Alrik Thiem (2014): Unifying Configurational Comparative Methods: Generalized-Set Qualitative Comparative Analysis. In: Sociological Methods & Research, 43 (2): S. 313–37.
  9. ↑ Charles C. Ragin (2000): Fuzzy-Set Social Science. Chicago: University of Chicago Press.
  10. ↑ Charles C. Ragin, Sean Davey (2014): fs/QCA: Fuzzy-Set/Qualitative Comparative Analysis, Version 2.5. Irvine: Department of Sociology, University of California.
  11. ↑ Lasse Cronqvist (2011): Tosmana: Tool for Small-N Analysis, Version 1.3.2.0. Trier: University of Trier.
  12. ↑ Christopher Reichert, Claude Rubinson (2014): Kirq, Version 2.1.12. Houston, TX: University of Houston-Downtown.
  13. ↑ Alrik Thiem, Adrian Duşa (2013): Boolean Minimization in Social Science Research: A Review of Current Software for Qualitative Comparative Analysis (QCA). In: Social Science Computer Review, 31 (4): S. 505–21.
  14. ↑ Adrian Duşa, Alrik Thiem (2014): QCA: A Package for Qualitative Comparative Analysis, R Package Version 1.1-4. URL: http://cran.r-project.org/package=QCA.
  15. ↑ Ronggui Huang (2014): QCA3: Yet another Package for Qualitative Comparative Analysis, R Package Version 0.0-7. URL: https://cran.r-project.org/package=QCA3.
  16. ↑ Kyle C. Longest, Stephen Vaisey (2008): Fuzzy: A program for Performing Qualitative Comparative Analyses (QCA) in Stata. In: Stata Journal, 8 (1): S. 79–104.