Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0°C, 1000hPa).
Queuosin (Kurzcode Q) ist ein seltenes Nukleosid und kommt in der tRNA von Bakterien und Eukaryoten vor. Es besteht aus der β-D-Ribofuranose (Zucker) und dem Queuin. Es leitet sich wie das Archaeosin strukturell von Guanosin ab. Das N7-Atom des Guanins wird durch ein C7-Atom ersetzt und bildet damit das 7-Desazaguanosin, an dem weitere Substituenten angefügt werden können.
Queuosin wurde erstmals 1968 in einer tRNA von E. coli gefunden, es findet sich im Anticodon an Position34 und besetzt die Wobble-Position für Histidin, Asparaginsäure, Asparagin und Tyrosin. Der Cyclopentenring des Queuosins ragt aus dem Anticodon heraus und behindert somit nicht die Basenpaarung mit dem Codon der mRNA. Es besteht die Möglichkeit von Wasserstoffbrückenbindungen zwischen den Hydroxygruppen des Cyclopentenrings und den Sauerstoffatomen der Ribose des Uracils an Position33. Vergleicht man die Bindungsstärken zwischen Codon und Anticodon (Guanosin bzw. Queuosin an Position34), so ist zu beobachten, dass Guanosin seinen üblichen Partner C bevorzugt. Das Queuosin kann zwischen C und U nicht mehr unterscheiden.
Literatur
Florian Klepper: Synthese der natürlichen tRNA Nukleosidmodifikationen Queuosin und Archaeosin, Dissertation, München 2007 (PDF; 5,1MB).
Florian Klepper, Eva-Maria Jahn, Volker Hickmann, Thomas Carell: Synthese des tRNA-Nucleosids Queuosin unter Verwendung eines chiralen Allylazid-Intermediats; Angewandte Chemie, 2007, 119(13), S.2377–2379 (doi:10.1002/ange.200604579).
123John Buckingham, Keith H. Baggaley, Andrew D. Roberts, Laszlo F. Szabo: Dictionary of Alkaloids with CD-ROM. CRC Press, 2010, ISBN 978-1-4200-7770-4, S.1632 (books.google.de).
↑Dieser Stoff wurde in Bezug auf seine Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
↑F. Harada, S. Nishimura: Possible anticodon sequences of tRNAHis, tRNAAsm, and tRNAAsp from Escherichia coli B. Universal presence of nucleoside Q in the first position of the anticondons of these transfer ribonucleic acids; Biochemistry, 1972, 11(2), S.301–308 (doi:10.1021/bi00752a024; PMID 4550561).
↑F. Meier, B. Suter, H. Grosjean, G. Keith, E. Kubli: Queuosine modification of the wobble base in tRNAHis influences ‘in vivo’ decoding properties; EMBO J., 1985, 4(3), S.823–827 (PMC554263(freier Volltext); PMID 2988936).
↑M. Bienz, E. Kubli: Wild-type tRNATyrG reads the TMV RNA stop codon, but Q base-modified tRNATyrQ does not; Nature, 1981, 294, S.188–190 (doi:10.1038/294188a0).
↑J. Urbonavicius, Q. Qian, J. M. Durand, T. G. Hagervall, G. R. Björk: Improvement of reading frame maintenance is a common function for several tRNA modifications; EMBO J., 2001, 20(17), S.4863–4873 (doi:10.1093/emboj/20.17.4863; PMC125605(freier Volltext); PMID 11532950).
Weblinks
Eintrag zu Queuosine in der Human Metabolome Database (HMDB),abgerufen am 12.Juni 2019.
Modification Summary von Queuosine in der Modomics-Datenbank,abgerufen am 12.Juni 2019.