Quisisana

Blick in das Restaurant mit den Automaten

Quisisana war ein deutsches Unternehmen, das im Juni 1895 auf dem Gelände des Zoologischen Gartens Berlin als weltweit erstes Automatenrestaurant eingerichtet wurde. Das Lokal galt als Erfolg und verkaufte am ersten Sonntag 5.400 belegte Brötchen, 9.000 Gläser Wein und Schnäpse und 22.000 Tassen Kaffee. Quisisana stellte auch Automaten und Geräte her, darunter einen Milchautomaten, der für den Einsatz in deutschen Schulen angepasst wurde. Der Name Quisisana stammt von der Italienischen Redewendung qui si sana, was in etwa übersetzt „hier wird man geheilt“ oder „hier wird man gesund“ bedeutet.

Geschichte und amerikanische Expansion

Nach der Einführung des ersten Automaten 1895 in Berlin und einer Vorführung der Technologie auf der Brüsseler Weltausstellung 1887 breitete sich das Konzept bald in anderen europäischen Städten, so etwa Wien (1897), wo in der Kärntner Straße ein Automatenbuffet existierte:

„Zierliche weißgehaltene mit hübschen Blumenmalereien versehene Kästen sehen dem Eintretenden einladend entgegen. Diese Kästen enthalten die unterschiedlichsten Getränke als Caffee, Cacao, Suppe, Cognak, Whisky, Malaga, Rothwein, Weißwein, Sodawasser, Marsala, Portwein, Lagerbier, Pschorrbräu, Pilsnerbier, gewiß ein recht erfreuliches Programm! Kleine Täfelchen geben die Gebrauchsanweisung ‚Vor Einwurf des Geldstückes setze man die Tasse unter den Hahn.‘ Ein zweites Täfelchen belehrt, daß der Einsatz ohne Rücksicht auf die Gattung des Getränkes nur zwanzig Heller beträgt. Eine schmale blecherne Platte, welchen jeden einzelnen Kasten ungefähr in der Mitte in zwei Theile theilt, enthält zwei kreisrunde Vertiefungen. Diese dienen zum Auswaschen der Gläser und Schalen, an die durch einen gelinden Druck mit dem betreffenden Behälter ein Wasserspülapparat in Thätigkeit gesetzt wird. Neben diesen Kästen befinden sich auch Stellagen für Butter Schinken, Caviarbrötchen etc. Diese Eßwaren liegen auf großen kreisförmigen Blechbehältern, welche in eine größere Anzahl nach unten beweglicher Kreisausschnitte zerfallen. Sobald die zwanzig Hellermünze in die hiefür bestimmte Oeffnung hineingesteckt wird, klappt ein solcher belegter Kreisausschnitt nach unten auf und das Brötchen gleitet langsam auf einer schiefen Ebene an die Tasse.“

– Bukowinaer Rundschau vom 30. Dezember 1897

Es folgte Sankt Petersburg (1900). Das Konzept verbreiteten seine Entwickler schließlich auch in den Vereinigten Staaten. Joseph Horn und Frank Hardart, die Besitzer des ersten Automaten in den Vereinigten Staaten, wurden vom Quisisana-Automatenrestaurant inspiriert, nachdem Hardart, der selbst bayerischer Herkunft war, im Jahr 1900 ein solches besucht hatte. Hardart überzeugte Horn dann angeblich davon, bei der Firma Quisisana selbst Automaten zu bestellen, um ihr bestehendes Angebot an Restaurants zu erweitern. In einigen Quellen heißt es jedoch, dass sie ihre Automaten im Jahr 1901 von einer Person namens Max Sielaff kauften, einem Verkäufer, der Automaten verkaufen wollte, die von einem deutschen Ingenieur der Automat GmbH entworfen wurden. Sielaff hatte angeblich seit 1898 die Partner zum Kauf von Automaten überredet und glaubte, dass Amerika für diese neue Technik aufgeschlossen sein würde.

Horn & Hardart war erfolgreich. Ihre Restaurants in mehreren amerikanischen Städten hatten bis zu 800.000 Kunden täglich. Der Verkaufsablauf, der nach außen „wie am Fließband“ funktionierte, benötigte viel Personal, um die verkauften Waren in den Fächern schnell zu ersetzen.

Bezahlmethoden

In den Vereinigten Staaten bezahlten die Kunden die Mahlzeiten, indem sie größere Geldbeträge an einer Kasse in Wechselgeld umtauschten. Diese zeigte die Beträge nicht an, um die Ausgabegewohnheiten des Gastes nicht zu enthüllen. In Österreich hingegen existierte für das Restaurant in der Kärntner Straße (möglicherweise auch neben Bargeld) ein System von Wertmarken mit der Aufschrift „Automaten Buffet, Quisisana“ auf der Vorderseite und „Centrale Wien-I, Kärtnerstr. 57“ auf der Rückseite, was sich auf Nr. 57, Kärntnerstraße, Bezirk 1, Wien bezieht. Es gab auch Wertmarken mit einer unbekannten Illustration auf der Rückseite anstelle der Schrift, was darauf schließen lässt, dass diese von verschiedenen Quisisana-Automaten verwendet wurden. Auch der ursprüngliche Automat in Berlin verwendete angeblich ausschließlich Wertmarken. Ob dieses Wertmarkensystem auch in anderen Lokalen in Europa galt, oder ob es den Automatenbuffets in Deutschland und Österreich vorbehalten war, ist nicht bekannt.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 A.F. Smith, G. Oliver: Savoring Gotham: A Food Lover's Companion to New York City. Oxford University Press, Incorporated, 2015, ISBN 978-0-19-939702-0, S. 24 (englisch, google.com [abgerufen am 23. April 2024]).
  2. ↑ Jan Whitaker: Before Horn & Hardart: European automats. In: restaurant-ingthroughhistory.com. 3. Mai 2010, abgerufen am 23. April 2024 (englisch).
  3. ↑ W. Grimes: Appetite City: A Culinary History of New York. Farrar, Straus and Giroux, 2009, ISBN 978-1-4299-9027-1, S. 189 (englisch, google.com [abgerufen am 23. April 2024]).
  4. ↑ Schreiber: Automatic Selling. John Wiley & Sons, New York 1954, S. 78 (englisch).
  5. ↑ Quisisana – die Bedeutung. In: tagblatt.ch. 11. Januar 2012, abgerufen am 23. April 2024.
  6. ↑ Automaten-Buffet „Quisisana“. In: Bukowinaer Rundschau, 30. Dezember 1897, S. 1 (online bei ANNO).
  7. ↑ Aaron Gilbreath: Lunch at the Robot Grill. In: Harper's Magazine. 4. September 2014, abgerufen am 23. April 2024 (englisch).
  8. ↑ Gisela Framke: 8 Stunden sind kein Tag: Freizeit und Vergnügen in Dortmund, 1870 bis 1939. Edition Braus, 1993, ISBN 3-89466-054-6, S. 58.
  9. 1 2 Carolyn Hughes Crowley: Meet Me at the Automat. In: Smithsonian. August 2001, abgerufen am 23. April 2024 (englisch).
  10. ↑ „librarian laura“: The Automat: Thirty Day Princess. 5. Juni 2011, abgerufen am 23. April 2024 (englisch).
  11. ↑ Token Wien Automatencafé Quisisana. In: Numismatik-Café. 2011, abgerufen am 23. April 2024.
  12. ↑ Österreichische Automatenmarken. In: World of Coins. 2011, abgerufen am 23. April 2024.