RIASEC bezeichnet das von John L. Holland seit 1977 entwickelte Interessen-Modell und ist im Bereich der Arbeits- und Organisationspsychologie anzusiedeln.
Holland sieht Interessen als grundlegende Persönlichkeitsorientierungen an. Demnach ist die Berufswahl bedingt durch diese allgemeinen Wesensmerkmale einer Person. Die Passung zwischen Person und Beruf ist dann am größten, wenn die individuelle Orientierung mit der Orientierung des Berufes kongruent ist (Übereinstimmung oder Nähe der Orientierungen). Bei guter Passung ergeben sich entsprechend höhere Arbeitszufriedenheit, mehr beruflicher Erfolg und größere Stabilität der Karriereentwicklung („Kongruenz-Theorie“).
Der Begriff RIASEC setzt sich aus den Initialen der 6 Interessens-Orientierungen zusammen. Bei der Klassifikation menschlicher Interessen folgte Holland (laut Schuler & Hörste, 2001) einer alten Typologie von Spranger aus dem Jahre 1913.
Diagnostiziert werden können die individuellen Interessentprofile anhand des Allgemeinen Interessen-Struktur-Tests (deutsche Fassung: Bergmann & Eder, 1992). Dort findet sich ein hexagonales Modell zur Bestimmung der Ähnlichkeit zwischen Persönlichkeitstypen, Umwelttypen und deren Beziehungen. Ein von Holland selbst entwickeltes Inventar zur Erfassung beruflicher Interessen ist die Self-Directed Search (SDS), die auf Deutsch unter dem Namen Explorix verfügbar ist.
In ihrem Manual zum Allgemeinen Interessen-Struktur-Test (AIST) (1992) geben Bergmann und Eder zur Bestimmung der Ähnlichkeit von Persönlichkeits- und Interessentypen die graphische Anordnung der Interessen nach Holland an. Demnach bilden die 6 Interessentypen jeweils die 6 Ecken des Hexagons, wobei die Ecken von links nach rechts als R, I, A, S, E und C bezeichnet sind. Je näher sich zwei Interessentypen auf dem Hexagon sind, desto ähnlicher sind sie. Gegenüberliegende Ecken/Interessen (R-S, I-E, A-C) sind sich also überhaupt nicht ähnlich. Holland nimmt außerdem an, dass Menschen mit näher beieinanderliegenden Interessenorientierungen stabilere Interessen und stabilere berufliche Aktivitäten aufweisen.
Nach Bergmann und Eder gibt es also vier Abstufungen von Kongruenzen: „Wenn z. B. eine praktisch-technisch orientierte Person (R) einen praktisch-technischen Beruf (R) ergreift, dann liegt maximale Person-Umwelt-Kongruenz vor; ergreift dieselbe Person (R) einen intellektuell-forschenden (I) oder konventionellen (C) Beruf, dann ergibt sich eine mittlere und bei einem künstlerisch-sprachlichen (A) oder unternehmerischen (E) Beruf niedrige Kongruenz. Ergreift ein R-Typ einen sozialen Beruf (S), so handelt es sich um eine inkongruente Wahl.“ (Bergmann & Eeder, 1992, zitiert nach Schuler & Hörst, 2001).
Zur Bestimmung der Passung zwischen Person und Umwelt (Arbeit) wird neben der Kongruenz auch das Niveau der Differenziertheit bestimmt, welcher durch den Grad der Eindeutigkeit des Person- oder Umweltprofils definiert ist („reine Orientierungen“ sind eher selten, Mischtypen und Überschneidungen zweier oder mehrerer Interessensorientierungen die Regel).
„Problematisch am Ansatz von Holland ist vor allem, daß sowohl die Person als auch die berufliche Umwelt als weitgehend unveränderlich und vor allem als unabhängig voneinander betrachtet werden“.