RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung
RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung
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Kategorie: Forschungsinstitut
Träger: rechtlich selbstständig
Rechtsform des Trägers: Eingetragener Verein
Mitgliedschaft: Leibniz-Gemeinschaft
Standort der Einrichtung: Essen
Art der Forschung: Angewandte Forschung
Fächer: Wirtschaftswissenschaft
Grundfinanzierung: Bund (50 %), Länder (50 %)
Leitung: Christoph M. Schmidt
Mitarbeiter: ca. 130
Website: www.rwi-essen.de

Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung e. V. ist ein außeruniversitäres Wirtschaftsforschungsinstitut mit Sitz in Essen. Das Institut ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und wird in privater Rechtsform als eingetragener Verein geführt. Das RWI wird medial teils als wirtschaftsnah bezeichnet.

Aufgaben

Das RWI Essen versteht sich selbst als modernes Zentrum für wissenschaftliche Forschung und evidenzbasierte Politikberatung. Es bündelt seine Arbeiten in den Kompetenzbereichen

sowie in den Forschungsgruppen

und im Forschungsdatenzentrum Ruhr am RWI. Daneben werden Forschungsaktivitäten im Economic Policy Lab „Klimawandel, Entwicklung und Migration“ gebündelt.

Geschichte

Das Institut wurde 1926 von Walther Däbritz als „Abteilung Westen“ des „Instituts für Konjunkturforschung“ (das heutige Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung), Berlin, gegründet. Der Schwerpunkt der Arbeiten verlagert sich ab 1939 hin zur Industriestruktur des Reviers und seiner Hauptwirtschaftszweige Steinkohlenbergbau sowie Eisen- und Stahlindustrie. Seit 1943 arbeitet es rechtlich selbständig als eingetragener Verein. Ab 1978 erstellte das RWI die jährliche Analyse der strukturellen Entwicklung der deutschen Wirtschaft. Bis 2016 trug es den Namen Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung.

Anlässlich des 75-jährigen Jubiläums seiner rechtlichen Selbständigkeit haben die Wirtschaftshistoriker Toni Pierenkemper und Rainer Fremdling die Institutsgeschichte untersucht. Ihre Arbeit ist unter dem Titel „75 Jahre RWI: Ein Wegbereiter der Evidenzrevolution“ im De Gruyter-Verlag erschienen und im Open Access frei zugänglich.

Infrastruktur und Finanzierung

Präsident ist Christoph M. Schmidt. Weitere Mitglieder des Vorstands sind Thomas Bauer, Stefan Rumpf (administrativer Vorstand) und Kerstin Schneider. Das RWI Essen hat etwa 130 Mitarbeiter, davon knapp 80 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Die Grundfinanzierung wird zur Hälfte vom Bund und zur Hälfte von den Ländern getragen. Hinzu kommen Einnahmen aus Forschungsaufträgen, die ebenfalls überwiegend von öffentlichen Auftraggebern – insbesondere den Bundes- und Landesministerien – stammen. 2020 stammten insgesamt 80,5 Prozent der Einnahmen des Instituts aus öffentlichen Haushalten. 2023 waren insgesamt 84,9 Prozent der Einnahmen des Instituts öffentliche Zuwendungen durch Bund und Länder.

Ausrichtung

In den Medien wird das Institut teils als wirtschaftsnah bezeichnet. Der Verwaltungsrat des Instituts ist überwiegend mit Vertretern aus Wirtschaft und Verbänden besetzt. Das RWI wird ferner von dem Förderverein Gesellschaft der Freunde und Förderer des RWI unterstützt. 1996 wurde Dietmar Kuhnt (seit 1995 Vorstandsvorsitzender der RWE AG) zum Vorstandsvorsitzenden des Fördervereins gewählt. Im Jahr 2008 wurde Rolf Pohlig (Finanzvorstand der RWE AG) zum neuen Präsidenten der Gesellschaft der Freunde und Förderer des RWI gewählt. 2012 wurde Manfred Breuer, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Commerzbank AG der Filiale Düsseldorf, zum Vorsitzenden des Fördervereins gewählt. Der Vorsitzende des Fördervereins hat ebenfalls einen Sitz im RWI-Verwaltungsrat. Von 2003 bis 2011 war David Card, Träger des Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften, Vorsitzender des RWI-Forschungsbeirats. David Card ist aktuell RWI Research Network Fellow.

Aktivitäten

Würdigung

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier würdigte es in seiner Festrede zum 75-jährigen Bestehen als „Leuchtturm in der deutschen Forschungslandschaft“.

Kritik

Ende der 1980er Jahre geriet das Institut in Kritik, da es Umsatzsteuern aus Forschungsaufträgen und möglicherweise auch Körperschafts- und Vermögenssteuern hinterzogen hatte. Der Fall wurde durch einen Vergleich beigelegt. Außerdem wurde bemängelt, dass die Vorstandsmitglieder des RWI nahezu dreißig Jahre lang rund 2,5 Mio. DM auf ihre Privatkonten bezogen hatten. 1996/97 wurden die wissenschaftlichen Leistungen im Auftrag des Wissenschaftsrates evaluiert, was zu einer Reihe von Monita und Empfehlungen führte, die auf eine Verbesserung der wissenschaftlichen Leistungsfähigkeit und Organisation zielten und anzeigten, dass „es mit der bislang geübten Praxis des Hauses nicht einfach weitergehen konnte und grundlegende Maßnahmen zur qualitativen Verbesserung der Arbeit nötig waren“.

Im WDR-Fernsehmagazin Monitor wurde im Jahr 2010 das RWI wegen eines Gutachtens kritisiert, in dem Ökostrom als Ursache für steigende Strompreise gesehen wird. Das Gutachten wurde – anfänglich auch ohne Kennzeichnung im Gutachten – von einer durch US-amerikanische Öl- und Kohlekonzerne finanzierten Lobbyorganisation, dem Washingtoner Institute for Energy Research, finanziert. Inhaltlich wurde unter anderem kritisiert, dass der Einkaufspreis an der Leipziger Strombörse eigentlich sinkt, nur von den Stromkonzernen nicht an die Kunden weitergegeben werde. Der Autor des RWI-Gutachtens erwiderte, dass er das Washingtoner Institute for Energy Research als Drittmittelgeber zuvor nicht gekannt habe und das Gutachten auch auf Artikeln aus Fachzeitschriften mit Peer-Review basiere und somit wissenschaftlich sei.

Publikationen

Einzelnachweise

  1. ↑ Klima- und Entwicklungspolitik. Abgerufen am 30. Januar 2024 (deutsch).
  2. ↑ Bevölkerung und Entwicklung. Abgerufen am 3. März 2025 (deutsch).
  3. ↑ Globale Migration. Abgerufen am 30. Januar 2024 (deutsch).
  4. ↑ Klimafolgen und -anpassung. Abgerufen am 3. März 2025 (deutsch).
  5. ↑ Mikrostruktur von Steuer- und Transfersystemen. Abgerufen am 30. Januar 2024 (deutsch).
  6. ↑ Prosoziales Verhalten. Abgerufen am 30. Januar 2024 (deutsch).
  7. ↑ Organigramm. Abgerufen am 30. Januar 2024 (deutsch).
  8. ↑ Toni Pierenkemper, Rainer Fremdling: Wirtschaft und Wirtschaftspolitik in Deutschland, 75 Jahre RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung e. V. 1943–2018. De Gruyter Oldenbourg, Berlin, Boston 2018, ISBN 978-3-11-056763-2 (degruyter.com [abgerufen am 6. März 2020]).
  9. ↑ Vorstand. In: www.rwi-essen.de. Abgerufen am 18. März 2019.
  10. ↑ Über das RWI – Finanzierung und Auftraggeber. Abgerufen am 29. April 2020.
  11. ↑ https://rwi-essen.de/das-rwi/finanzierung, Abruf am 11. Oktober 2020.
  12. ↑ Finanzierung. Abgerufen am 3. März 2025 (deutsch).
  13. ↑ Deutschlandfunk, Wie Wirtschaftsinstitute ticken: Nicht länger nur einfach „Liberale“ vs. „Keynesianer“, 29. März 2016
  14. ↑ Welt vom 10. Dezember 2008: Düstere Prognose: 2009 droht Bundesrepublik schlimmste Rezession
  15. ↑ Der Spiegel vom 17. Oktober 2013: Wirtschaftsforscher warnen vor einheitlichem Mindestlohn
  16. ↑ Zeit vom 18. April 2017: Wie viele Pfleger braucht das Land?.
  17. ↑ taz vom 18. Dezember 2018: Prügelknabe Energiewende
  18. ↑ taz, RWI warnt vor Wursthysterie, 3. November 2015
  19. ↑ RWI, Gremien des RWI
  20. ↑ Informationsdienst Wissenschaft, [RWI Essen: Erfolgskurs gefestigt – Personalia zum RWI-Verwaltungsrat], 5. Juni 2008.
  21. ↑ RWI, Pressemitteilung, 12. Juni 2012
  22. ↑ Pressemitteilungen. Abgerufen am 12. Oktober 2021.
  23. ↑ The Sveriges Riksbank Prize in Economic Sciences in Memory of Alfred Nobel 2021. Abgerufen am 12. Oktober 2021 (amerikanisches Englisch).
  24. ↑ David Card: Curriculum Vita ‐ David Card January 2018. Abgerufen am 12. Oktober 2021 (englisch).
  25. ↑ Mitglieder des RWI Research Network. Abgerufen am 12. Oktober 2021.
  26. ↑ Gemeinschaftsdiagnose – Analysen und Prognosen der wirtschaftlichen Lage in Deutschland. Abgerufen am 6. März 2020 (deutsch).
  27. 1 2 WELT: Wirtschaftsweiser: Rein deutsche Energiewende macht keinen Sinn. 29. Dezember 2013 (welt.de [abgerufen am 18. März 2019]).
  28. ↑ Neues Steuerkonzept für Deutschland: Raus aus Absurdistan. In: Spiegel Online. Abgerufen am 18. März 2019.
  29. ↑ Ottmar Edenhofer und Christoph M. Schmidt: Eckpunkte einer CO₂-Preisreform. In: www.rwi-essen.de. RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, 1. Dezember 2019, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 20. Dezember 2018; abgerufen am 18. März 2019.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  30. ↑ RWI: Pressemitteilung vom 05.07.2018. 5. Juli 2018, abgerufen am 6. März 2020.
  31. ↑ Toni Pierenkemper, Rainer Fremdling: Ins neue Jahrtausend (1989–2018). In: Dies.: Wirtschaft und Wirtschaftspolitik in Deutschland – 75 JAhre RWI, S. 387 ff.
  32. ↑ Pierenkemper, Fremdling, S. 379.
  33. ↑ Die Lüge vom teuren Ökostrom. Warum die Stromrechnung wirklich so hoch ist. Sendung des WDR-Fernsehmagazins Monitor Nr. 613 vom 21. Oktober 2010.
  34. ↑ Publikationen. Abgerufen am 6. März 2020.