PorträtVerbreitungsgebiet des RabengeiersRabengeier im Flug
Der Rabengeier hat eine Körperlänge von 56 bis 74Zentimetern, eine Flügelspannweite von 133 bis 160Zentimetern und ist 1,1 bis 1,9Kilogramm schwer. Sein Gefieder ist glänzend schwarz, Kopf und Hals sind nackt. Er hat sehr breite, verhältnismäßig kurze Flügel und einen kurzen Schwanz. Im Stehen reichen die Spitzen der zusammengelegten Flügel bis zur Schwanzspitze. Die Beine und der Schnabel sind grau, die Iris dunkel.
Bei Altvögeln ist die Schnabelspitze elfenbeinfarben, die Schultern und der Rücken glänzen grünlich, die Haut des Kopfes ist grau und faltig. Die äußersten fünf Handschwingen sind auf der Unterseite hell.
Bei Jungvögeln ist der Schnabel einheitlich grau, das Gefieder glänzt nicht. Die Haut des Kopfes ist schwarz und wenig faltig.
Lebensraum und Verbreitung
Der Rabengeier lebt in offenen und bewaldeten Landschaften sowie Ortschaften bis in eine Höhe von 2700Metern. Er kommt im Osten der USA, im Großteil Mexikos außer der Baja California, in Mittelamerika außer den Karibischen Inseln sowie in Südamerika mit Ausnahme des Südens und großen Teilen der Westküste vor.
Unterarten
Drei Unterarten wurden beschrieben, die sich in der Größe entsprechend der Bergmannschen Regel unterscheiden, also in kälteren Klimata größer sind.
C. a. atratus (Bechstein, 1793), der nordamerikanische Rabengeier ist die Nominatform.
C. a. brasiliensis (Bonaparte, 1850), der südamerikanische Rabengeier ist kleiner und die Unterseite der äußeren Handschwingen ist heller als bei C. a. atratus. Er kommt in Mittel- und im nördlichen und östlichen Südamerika vor.
C. a. foetens (Lichtenstein, 1817), der Anden-Rabengeier ist etwa so groß wie C. a. atratus, die helle Unterseite der äußeren Handschwingen ist nur angedeutet. Er kommt von Ecuador bis nach Chile und Argentinien vor.
Aufgrund seiner eher kurzen und breiten Flügel fliegt der Rabengeier weniger majestätisch als andere Neuweltgeier. Flatternder Flug wechselt sich mit kurzen Gleitphasen ab. Der Rabengeier ist gesellig und ernährt sich vorwiegend von Aas, macht aber bei Gelegenheit auch selbst Beute. Als Abfallfresser wird er vielfach als Nützling geschätzt, von Viehzüchtern aber auch als Schädling gesehen, da er zuweilen neugeborenes Vieh erbeutet.
Fortpflanzung
Ei, Sammlung Museum WiesbadenJunger RabengeierRabengeier im wärmenden Sonnenschein und beim Verzehr von Aas
Die Fortpflanzungszeit des Rabengeiers variiert mit der geographischen Breite. Die meist zwei Eier werden vorwiegend am Boden gelegt, wobei keine Nester gebaut werden. Beide Elternteile bebrüten das Gelege. Nach dem Schlupf nach 28 bis 41Tagen werden die Nestlinge mit Daunen bedeckt. Die Jungvögel sind Nesthocker. Sie bleiben etwa zwei Monate im Nest.
Etymologie und Forschungsgeschichte
Die Erstbeschreibung des Rabengeiers erfolgte 1793 durch Johann Matthäus Bechstein unter dem wissenschaftlichen NamenVultur atratus. Als Verbreitungsgebiet nannte er den St. Johns River. 1853 führte Jean Emmanuel Marie Le Maout die Gattung Coragyps ein. Der Begriff leitet sich vom griechischen κοραξ, καθαριζω, κορακοkorax, korakos, krōzō für Raben, krähen und γυψ, γυποςgyps, gypos für Geier ab. Der Artname »atratus« leitet sich aus lateinischatratus, ater‚in Trauer gekleidet, schwarz‘ ab. Brasiliensis bezieht sich auf Brasilien. Schließlich hat foetens seinen Ursprung in lateinischfoetens, foetentis, foetere‚stinkend, übel riechen, stinken‘. Alfred Laubmann sah die Unterart C. a. foetens als weitverbreitet in Paraguay. Außerdem nannte er Iribú del iribú von Félix de Azara unter der Art.
Literatur
Félix de Azara:Apuntamientos para la historia natural de los páxaros del Paragüay y Rio de la Plata. Band1. Impr. de la viuda de Ibarra, Madrid 1802 (google.de).
Johann Matthäus Bechstein:Johann Lathams allgemeine Uebersicht der Vögel - Aus dem Englischen übersetzt und mit Anmerkungen und Zusätzen versehen. Band1, Nr.2. In der kaiserlich privilegirten Kunst- und Buchandlung A.C. Weigels und Schneiders, Nürnberg 1793 (biodiversitylibrary.org).
Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte:Conspectus generum avium. Band1. E. J. Brill, Leiden 1850 (biodiversitylibrary.org).
Alfred Laubmann:Die Vögel von Paraguay. Band1. Strecker und Schröder, Stuttgart 1939, S.143 (google.de).
Jean Emmanuel Marie Le Maout:Histoire naturelle des oiseaux suivant la classification de M. Isidore Geoffroy-Saint-Hilaire avec l'indication de leurs mœurs et de leurs rapports avec les arts, le commerce et l'agriculture. L. Curmer, Paris 1853 (biodiversitylibrary.org).
Martin Hinrich Carl Lichtenstein:Das Zoologische Museum der Universität zu Berlin. 2. Auflage. Dümmler, Berlin 1817 (google.de– 1816–1818).
12Johann Matthäus Bechstein:Johann Lathams allgemeine Uebersicht der Vögel - Aus dem Englischen übersetzt und mit Anmerkungen und Zusätzen versehen. Band1, Nr.2. In der kaiserlich privilegirten Kunst- und Buchandlung A.C. Weigels und Schneiders, Nürnberg 1793, S.665 (biodiversitylibrary.org[abgerufen am 6.Dezember 2025]).
12Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte:Conspectus generum avium. Band1. E. J. Brill, Leiden 1850, S.9 (biodiversitylibrary.org[abgerufen am 6.Dezember 2025]).
↑Martin Hinrich Carl Lichtenstein:Das Zoologische Museum der Universität zu Berlin. 2. Auflage. Dümmler, Berlin 1817, S.47 (google.de[abgerufen am 6.Dezember 2025]).
↑Jean Emmanuel Marie Le Maout:Histoire naturelle des oiseaux suivant la classification de M. Isidore Geoffroy-Saint-Hilaire avec l'indication de leurs mœurs et de leurs rapports avec les arts, le commerce et l'agriculture. L. Curmer, Paris 1853, S.66 (französisch, biodiversitylibrary.org[abgerufen am 6.Dezember 2025]).
↑Félix de Azara:Apuntamientos para la historia natural de los páxaros del Paragüay y Rio de la Plata. Band1. Impr. de la viuda de Ibarra, Madrid 1802, S.19–24 (spanisch, google.de[abgerufen am 6.Dezember 2025]).
↑Alfred Laubmann:Die Vögel von Paraguay. Band1. Strecker und Schröder, Stuttgart 1939, S.143 (google.de[abgerufen am 6.Dezember 2025]).