Rainer Dahlem

Rainer Dahlem (* 18. Dezember 1946 in Oberndorf am Neckar) ist ein deutscher Gewerkschafter (GEW).

Leben und Beruf

Dahlem besuchte Grundschule und Progymnasium in Oberndorf und anschließend das Leibniz-Gymnasium in Rottweil. Nach dem Abitur 1967 studierte er an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg Deutsch und Politik und ab 1970 an der damaligen Berufspädagogischen Hochschule Stuttgart. 1972 legte er die zweite Prüfung für das Lehramt an Berufs- und Berufsfachschulen ab, war dann zunächst Lehrer an der Gewerblichen Schule in Öhringen und von 1975 bis 2008 Lehrer an der Wilhelm-Maybach-Schule Heilbronn. Er verfasste mehrere Schulbücher. Seit 1978 ist Dahlem Vorsitzender der Volksbühne Heilbronn e. V., von 1985 bis 2002 war er stellvertretender Vorsitzender des Theatervereins Heilbronn.

GEW und Politik

Dahlem ist seit 1969 Mitglied der Gewerkschaft GEW und der SPD. Von 1968 bis 1970 war er AStA-Vorsitzender der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, von 1976 bis 1986 GEW-Kreisvorsitzender in Heilbronn. Von 1991 bis April 2008 war Dahlem GEW-Landesvorsitzender (Wiederwahl 1992, 1995, 2000 und 2004).

Unter seinem Vorsitz verbreiterte sich die Mitgliederbasis der GEW, die neu ein Leitbild unter dem Motto „Alle Lehrer sind Lehrer“ propagierte. Gymnasial- und Berufsschullehrer wurden ebenso willkommen geheißen wie Hochschulprofessoren oder Erzieherinnen. So konnte die GEW viele neue Mitglieder gewinnen und sich zur Gewerkschaft für alle Bildungsbereiche und gleichzeitig zur größten Organisation im Bildungswesen formieren. Auch Mittel wie Massendemonstrationen oder Streiks waren für Dahlem kein Tabu. Nicht überall stieß das auf Zustimmung. Eine Reihe von Kreisverbänden aus dem katholischen Süden Baden-Württembergs (wie Ravensburg oder Sigmaringen) lehnten solche politischen Mittel wegen ihrer Radikalität ab. Laut Dahlem waren sie „gegen das Streikrecht und wir waren ihnen zu ‚evangelisch‘“. Politisch gilt die GEW als Erfinderin der Gesamtschule. Für Dahlem war das Markenzeichen der GEW ein Zweiklang: Einerseits gute Arbeitsbedingungen wie adäquate Löhne; anderseits inhaltliche Mitgestaltung bei Reformen des Bildungssystems. Dies mit dem Ziel, mehr Chancengleichheit und Bildungsbeteiligung zu erreichen. Seine bisherige Stellvertreterin Doro Moritz folgte Rainer Dahlem als dienstältestem Landeschef seiner Gewerkschaft in dieser Funktion. Dahlem war Geschäftsführer des GEW-eigenen Süddeutschen Pädagogischen Verlags (SPV).

Im Jahr 2005 wollte Dahlem im Wahlkreis Heilbronn für den Deutschen Bundestag kandidieren, unterlag jedoch in der SPD-Nominierungskonferenz überraschend dem Kfz-Mechaniker und Audi-Betriebsrat Josip Juratovic. Von 2009 bis 2021 prägte er als Mitglied der SPD-Fraktion die Politik des Gemeinderats in Schwaigern mit, ab 2014 als Sprecher der SPD-Fraktion. Sein Mandat wurde nach seinem Rücktritt von Vito Fiscaro übernommen.

Auszeichnungen

2007 erhielt Dahlem die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg.

Schriften

Einzelnachweise

  1. ↑ Anja Dilk: 75 Jahre GEW - „75 Jahre laut für Chancengleichheit!“, Interview mit den GEW-Vorsitzenden Maike Finnern, Eva-Maria Stange, Vorsitzende von 1997 bis 2005, und Rainer Dahlem, dem früheren Vorsitzenden der GEW Baden-Württemberg, in: E&W 12/23-1/24: Mobilität im Bildungssystem, 1. Dezember 2023
  2. ↑ Maria Jeggle: "1952 bis 2012. Immer mal wieder revolutionäre Umwälzungen", ein Gespräch mit Michael Rux und Rainer Dahlem. In: bildung und wissenschaft 05/26, S. 29–32; Nachdruck des Beitrags von 2012 (PDF)
Personendaten
NAME Dahlem, Rainer
KURZBESCHREIBUNG deutscher Gewerkschaftsfunktionär (GEW)
GEBURTSDATUM 18. Dezember 1946
GEBURTSORT Oberndorf am Neckar