Rainer Popp

Rainer Popp, 2025

Rainer Popp (* 24. März 1946 in Staßfurt) ist ein deutscher Journalist, Schriftsteller und bildender Künstler. Er war ab Mai 1983 Chefredakteur von Radio Luxemburg und zugleich ab 1984 auch Chefredakteur beim Sender RTLplus; außerdem war er ab 1987 Begründer und Leiter des Frühstücksfernsehens und zeitgleich ab 1988 Direktor des deutschen Programms von RTL-Radio.

Leben

Ausbildung

Rainer Popp ist der jüngste Sohn des Oberstudiendirektors Heinrich Popp und seiner Ehefrau Ilse Popp, geborene Lehwald, und Enkelsohn des Oberschulrats Otto Popp. Großvater mütterlicherseits war Walter Lehwald, Bankdirektor im westpreußischen Kulm (polnisch Chełmno), Ehemann von Anna Lehwald, geborene von Zabiensky. Sein Vater lehrte am Gymnasium in Staßfurt Deutsch, Geschichte und Geographie. 1951 floh die Familie in die Bundesrepublik, wenige Wochen nachdem sein Vater aus dreimonatiger DDR-Haft entlassen worden war. Zunächst lebte die fünfköpfige Familie in Bad Harzburg; später siedelte sie sich in Goslar an. Dort besuchte Popp zunächst die Grundschule und wechselte danach auf den neusprachlichen Zweig (Englisch, Französisch) des Ratsgymnasiums für Jungen, auf dem auch sein Vater unterrichtete. Im Alter von 15 Jahren begann er, Kurzgeschichten und Gedichte zu schreiben. In der Unterprima war er bereits Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller (VS) und las öffentlich aus seinen Werken.

Nach dem Wehrdienst, den er 18 Monate in Seeth, Schleswig-Holstein, ableistete, absolvierte er ein zweijähriges Volontariat bei der Goslarschen Zeitung. Im Januar 1971 wechselte er als Chefreporter zum Donaukurier nach Ingolstadt und von dort (im Oktober 1975) als politischer Redakteur und Ressortleiter Zeitgeschehen in die Mantelredaktion der Westdeutschen Zeitung nach Düsseldorf. Von April 1979 bis 1983 arbeitete er als Korrespondent in der Bonner Zentralredaktion des Deutschen Depeschendienstes (ddp).

Tätigkeiten für Radio Luxemburg (RTL)

Am 20. Mai 1983 trat Rainer Popp seinen Dienst als Chefredakteur bei Radio Luxemburg und wohnte in Walferdingen im Großherzogtum Luxemburg. Sieben Monate später wurde er in Doppelfunktion auch Chefredakteur des Fernsehprogramms RTLplus. Dort entwickelte und leitete er ab 1. Januar 1984 zusätzlich zu seinen Aufgaben im Hörfunk die RTLplus-Nachrichtensendung Sieben vor Sieben. Die ersten Moderatoren waren Geert Müller-Gerbes, Hans Meiser und Hergen Björn Schimpf sowie Maggie Deckenbrock.

Popp konzipierte und leitete das Frühstücksfernsehen von RTL und war zugleich ab Januar 1988 Nachfolger von Helmut Thoma im Amt des Programmdirektors von Radio Luxemburg. 1987 erschien im Verlag Droemer/Knaur sein Buch Ein Irrenhaus fährt Achterbahn – 30 Jahre Radio Luxemburg, in dem er seine beruflichen Erlebnisse bei RTL beschrieb.

Popp war als Chefredakteur auch Ideengeber und Organisator des Diktats für den Frieden, das der Literaturnobelpreisträger Heinrich Böll exklusiv für Radio Luxemburg verfasste und das die damalige Bundesbildungsministerin Dorothee Wilms (CDU) vor Primanern der Europaschule in Luxemburg in einer Live-Sendung des Morgenmagazins Guten Morgen, Deutschland am 2. Oktober 1984 verlas, anmoderiert von Geert Müller-Gerbes, dem damaligen Studioleiter von RTL in Bonn.

Popp etablierte auch die Wahl des Mannes oder der Frau des Jahres.

Popp etablierte auch die RTL-Redaktionskonferenz, bei der Prominente aus der Bundesrepublik nach Luxemburg in die Villa Louvigny eingeladen wurden: zum Beispiel der damalige Altbundeskanzler Kurt Georg Kiesinger, der weltberühmte Künstler Joseph Beuys, der Liedermacher Wolf Biermann oder der Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts Ernst Benda, der damals bereits in den Ruhestand getreten war.

Chefredakteur Popp war es ebenfalls gelungen, die damalige Ehefrau von Altbundeskanzler und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt, Brigitte Seebacher-Brandt, als Korrespondentin für das Radio von RTL zu gewinnen.

Nach seinem Weggang von RTL ging er zunächst nach München, dann nach Wien und 1990 nach Köln, wo er sich als Buchautor und Medienberater niederließ. Unter anderem betreute er 1991 für den Westdeutschen Rundfunk (WDR) als Herausgeber die in der ARD bundesweit ausgestrahlte politisch-satirische Puppensendung Hurra Deutschland. Er war auch 1995 ausführender Produzent der Nachtshow mit Thomas Koschwitz im RTL-Fernsehen. Danach arbeitete Popp als Programmdirektor der Medienagentur Brainpoint in Frankfurt am Main.

Gesellschaftliches Engagement

Rainer Popp ist Mitglied der gegen Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus 1990 gegründeten Charta Europa.

Internationale Aufmerksamkeit – vor allem in Israel – erregte er mit seinem „Nazi-Test“, als er sich im Jahre 2002 unter dem Pseudonym Rudolph Lehwald bei den damals im deutschen Parlament vertretenen Parteien mit rassistischen und menschenverachtenden Zitaten aus Hitlers Buch Mein Kampf erfolgreich um die Mitgliedschaft von CDU, CSU, SPD, FDP und den Grünen bewarb. Zu jener Zeit bemühten sich Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat vor dem Bundesverfassungsgericht vergeblich um ein Verbot der rechtsradikalen NPD.

Rainer Popp war von 2008 bis 2016 Geschäftsführer der Tele Veronika GmbH. Die Gesellschaft ist inzwischen erloschen.

Künstlerisches Schaffen

Popp ist auch bildender Künstler, insbesondere Kunstmaler.

Einzelausstellungen, in denen Werke Popps gezeigt wurden, fanden in der Galerie der Andy-Warhol-Freunde Taylor/McLoud (Manhattan/New York), der Artium Art Gallery (Luxemburg-Stadt), der Art Exposition (in Spa/Belgien) und der Galerie Espace Delpha in der Rue de Berri in Paris statt.

Gruppenausstellungen, Künstler-Wettbewerb organisiert von der Europäischen Union zum Thema des Romans 1984 von George Orwell im Congrès de Palais in Brüssel, im Centre culturel Jacques Brel im nord-französischen Thionville, dem Palais de l’Europe in Straßburg, dem Museum des Saarlandes und der Modernen Galerie, Saarbrücken, der Bibliothèque nationale de Luxembourg, dem Museum van Bommel-van Damm in Venlo/Niederlande; ferner in der Galerie Schröder & Partner in Köln (zusammen mit Werken von Salvador Dalí, Sigmar Polke und Christo). Außerdem Ausstellungen in Lüttich (Musée du Parc de la Boverie), Metz (Académie des Beaux-Arts), Frankfurt am Main, Lübeck, Schwerin, Stuttgart, München und Hamburg.

Rainer Popp ist Mitglied der Künstlervereinigung CrossArt International.

Das Zwei-Personen-Drama in drei Akten Bin gewesen, habe gehabt wurde im Kölner Theater Tiefrot in einer szenischen Lesung unter der Regie von Wolfram Zimmermann am 23. Oktober 2003 uraufgeführt.

Privates

Rainer Popp ist evangelisch, seit 1973 in erster Ehe mit der Porträt- und Landschaftsmalerin Ingrid Popp, geborene Nehren (Tochter des Berliner Kunstmalers Heinz Nehren), verheiratet und Vater von zwei Kindern (Gregor Alexander, geboren 1975, und Nanni Kristina, geboren 1980). Er lebt heute in Köln.

Buchveröffentlichungen (Auswahl)

Literatur

Commons: Rainer Popp – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ RTL Club - Magazine 1988. In: radiojournal.de. Abgerufen am 20. März 2023.
  2. ↑ Alex Raack: RTL-Frühstücksfernsehen 1987: Wettlauf der Privatsender. In: Der Spiegel. 22. September 2017, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 5. Juli 2022]).
  3. ↑ Laut Angabe in seinem Buch Mammon, Macht und Maßanzüge.
  4. ↑ AXEL SPILCKER: Hitler als Parteimitglied? 4. September 2002, abgerufen am 5. Juli 2022 (deutsch).
  5. ↑ Der Stern berichtete. Abgerufen am 5. Juli 2022.
  6. ↑ Jacky Dreksler: Buchbesprechung zu "Nach Feuer schmeckt die Nacht". In: suedwestbuch.de. 2022, abgerufen am 22. Juni 2022.
Personendaten
NAME Popp, Rainer
ALTERNATIVNAMEN Popp, Rainer H.
KURZBESCHREIBUNG deutscher Schriftsteller, Journalist und TV-Manager
GEBURTSDATUM 24. März 1946
GEBURTSORT Staßfurt