Ramsey-Psalter

Ramsey-Psalter: Oswald von York und Eadnoth von Ramsey

Der Ramsey-Psalter ist ein farbig bebildertes Psalterium mit 174 erhaltenen Pergamentblättern, das um 1300 in der Benediktinerabtei von Ramsey in Cambridgeshire entstanden ist.

Beschreibung

Die Texte der Psalmen sind unter der Verwendung von vielen Abbreviationen in einer der Übersetzung der Septuaginta durchgängig in lateinischer Sprache. An einigen Stellen sind bei den Psalmen am Rand deutschsprachige Hinweise hinzugefügt. Die fein gezeichneten, detailreichen und farbigen Abbildungen, Initialen und Textenden sind fast durchgängig mit Blattgold belegt. Die Pergamentblätter im Format 17 Zentimeter mal 26 Zentimeter sind beidseitig beschrieben und bemalt. Durch die außergewöhnliche und umfangreiche Dekoration ist der Ramsey-Psalter eines der bedeutendsten erhaltenen Beispiele gotischer Bilderhandschriften.

Gliederung

Faksimile des Ramsey-Psalters. Blatt 17b (links) mit dem den Psalmen gewidmeten Gebet des Hieronymus und Blatt 18a (rechts) mit dem Beginn von Psalm 1 und einer Abbildung von König David mit Harfe

Insgesamt besteht das Psalterium aus 174 erhaltenen Blättern, die nach der alten Psalmenzählung wie folgt aufgeteilt sind:

Entstehung

Der Ramsey-Psalter ist von 1303 bis 1310, nach anderen Angaben zwischen 1286 und 1316 in der Benediktinerabtei von Ramsey in Cambridgeshire hergestellt worden, die damals schon seit über dreihundert Jahren dort gewirkt hatte und ein bedeutendes geistliches Zentrum im angelsächsischen Raum darstellte. Die dortigen Benediktiner benutzten das Buch für ihre eigenen Zwecke.

Das Psalterium wurde vom Cellerar William von Grafham um 1310 dem Abt von Ramsey, John aus Sawtry, übergeben. Die Gründung und die Geschichte der Abtei sind auf Seite 9b bildlich dargestellt. Bei der Erstellung der detailreichen Initialen wurde der Künstler möglicherweise durch die in England stattgefunden habende Rezeption des vorromanischen Utrechter Psalters beeinflusst. Ein Vermerk aus dem Jahr 1403 hält den Todestag des Hugh La Zouche aus Northamptonshire fest. Noch vor der Mitte des 15. Jahrhunderts kamen Textzusätze in das Buch die auf einen Kontinentalen Schreiber schließen lassen. Ende des 15. Jahrhunderts lassen Deutsche Eintragungen auf einen Weltkirchlichen Gebrauch in der Diözese Konstanz schließen. In der Mitte des 16. Jahrhunderts gelangte der Psalter in das Kloster St. Blasien im Schwarzwald, in dem er in weißes Leder mit Blindprägung gebunden wurde, wahrscheinlich unter dem Abt Caspar I. Molitor.

Verbleib

Der Ramsey Psalter im Stiftsmuseum St. Paul

Der Ramsey-Psalter war lange Zeit im Besitz von Laien und Weltpriestern und kam in der Mitte des 16. Jahrhunderts zum Benediktinerkloster Sankt Blasien, wohl unter dem Abt Caspar Molitoris. Nach der Auflösung des Klosters 1806 im Zuge der Säkularisation gelangte er nach Kärnten in die Benediktinerabtei Sankt Paul im Lavanttal.

Ursprünglich hatte der Ramsey-Psalter zehn besonders ausgeschmückte Initialen, von denen jedoch nur neun erhalten sind. Die elf aufwendig gestalteten Bildminiaturen wurden vor längerer Zeit aus dem gebundenen Werk herausgetrennt und die erhaltenen zehn Seiten (Blatt 6 bis 10) befinden sich heute in der Pierpont Morgan Library in New York. Diese hatte sie von dem Pariser Buchhändler Ludovic Badin 1907 erworben, dieser wiederum hatte die Blätter durch Auktion am 12. Juli 1898 bei dem Leipziger Buchhändler Theodor Oswald Weigel ersteigert. Der restliche Teil des Werkes befindet sich im Stift Sankt Paul im Lavanttal.

Sonstiges

Ein Psalter vom Ende des 10. Jahrhunderts (British Library, Harley 2904) wird ebenfalls als Ramsey-Psalter bezeichnet.

Siehe auch

Literatur

Commons: Ramsey psalter - ca1310 - MorganLibM302-Lavantthal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Der Ramsey Psalter - Gotische Buchkunst in Vollendung (online)
  2. 1 2 3 4 5 Harald Wolter-von dem Knesebeck: Lucy Freeman Sandler (Bearbeiterin): Der Ramsey-Psalter (online)
  3. ↑ Ramsey-Psalter Universität Klagenfurt (online)
  4. 1 2 The Ramsey Abbey Psalter 1310 History of Ramsey Abbey (online)
  5. ↑ Nigel Morgan, Rodney M. Thomson, Lotte Hellinga, Joseph Burney Trapp: The Cambridge History of the Book in Britain: 1100-1400. Band 2, Cambridge University Press, 2008, ISBN 978-0-521-78218-0, S. 20.
  6. ↑ Ronald H. Fritze, William Baxter Robison: Historical dictionary of late medieval England, 1272-1485 - The Great Cultural Eras of the World Series. Greenwood Publishing Group, 2002, ISBN 0-313-29124-1, S. 33.
  7. ↑ Der Ramsey-Psalter (Memento des Originals vom 11. März 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Skriptorium (online)
  8. ↑ The Ramsey Psalter (Memento vom 13. August 2007 im Internet Archive)
  9. ↑ Lucy Freeman Sandler: Der Ramsey Psalter (Reproduktion und Kommentar von L. F. Sandler), Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 2003, ISBN 978-3-201-01805-0 (Glanzlichter der Buchkunst Band 12 S. 4).
  10. ↑ Lucy Freeman Sandler: Der Ramsey Psalter (Reproduktion und Kommentar von L. F. Sandler), Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 2003, ISBN 978-3-201-01805-0 (Glanzlichter der Buchkunst Band 12 S. 4).
  11. ↑ Paleography Exercises - Ramsey Psalter medival writing (online)
  12. ↑ Ramsey Abbay - Library (Memento des Originals vom 27. September 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (online)