Reichweitenverlängerer

Der Genset trailer von AC Propulsion, gebaut für den Sportwagenprototyp AC Tzero, ein Anhänger mit Tank, Honda-Motorradmotor, Generator

Als Reichweitenverlängerer (engl. Range Extender) werden zusätzliche Aggregate in einem Elektrofahrzeug bezeichnet, die die Reichweite des Fahrzeugs erhöhen. Die am häufigsten eingesetzten Range Extender sind Verbrennungsmotoren, die einen Generator antreiben, der wiederum Akkumulator (Akku) und Elektromotor mit Strom versorgt. Seltener sind zusätzliche Akkumulatoren, die etwa als Akku-Anhänger mitgeführt werden. Ebenso unüblich, aber im Angebot z. B. auf dem Dachgepäckträger, sind mit Wasserstoff oder Methanol betriebene Brennstoffzellen wie in Brennstoffzellenfahrzeugen, wobei der Nutzen durch den Mangel an Tankstellen eingeschränkt ist.

Kraftfahrzeuge mit Reichweitenverlängerer werden auch als „Extended-Range Electric Vehicles“ (EREV), „Range-Extended Electric Vehicles“ (REEV) und „Range-Extended Battery-Electric Vehicles“ (BEVx) bezeichnet.

Problemstellung

Aufgrund begrenzter Akkukapazität erreichen Elektrofahrzeuge in der Regel keine so hohen Reichweiten wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor (ein Tesla Model S bewältigt bspw. 600 km WLTP (Stand im Jahr 2025)). Beim Elektroauto kommt erschwerend hinzu, dass das Fahrzeug erst nach längerer Aufladezeit wieder einsatzbereit ist (an Schnellladesäulen sind meist 80 % Aufladung in ca. 30 min möglich, an schwächer angebundenen Säulen sind mitunter mehrere Stunden notwendig; im Vergleich zum schnelleren Tankvorgang von etwa 3–5 min bei konventionellen Fahrzeugen). Mit einem Range Extender wird die Zeit verlängert, in der das Fahrzeug kontinuierlich genutzt werden kann (also die Zeit zwischen Auflade- oder Tankzyklen), und damit die Reichweite erhöht. Zusätzlich kann ein Verbrenner-Reichweitenverlängerer an der Tankstelle konventionell schnell nachgetankt werden.

Range Extender sind somit ein Gegenmittel zur sogenannten Reichweitenangst, der Angst des Fahrers davor, dass die Reichweite seines Fahrzeugs nicht ausreichen könnte.

Weitere Motivation

Da ein Range-Extender-Pkw (REEV) nur vom Elektromotor angetrieben wird, können Gewicht und Kosten eingespart werden, die mit dem Getriebeübertragungssystem verbunden sind, welches normalerweise in Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor verwendet wird. Da der eigentliche Range-Extender die Leistung außerdem nicht entsprechend dem Leistungsbedarf des Fahrzeugs erhöhen oder verringern muss (diese Aufgabe wird vom Elektromotor übernommen), kann der Range-Extender so dimensioniert werden, dass er den durchschnittlichen Leistungsbedarf des Fahrzeugs und nicht seinen Spitzenwert abdeckt (Leistungsbedarf z. B. beim Beschleunigen). Der Range-Extender kann auch viel näher an seiner effizientesten Drehzahl arbeiten. Diese Konstruktionsmerkmale ermöglichen es einem REEV, fossile Brennstoffenergie relativ effizient in elektrische Energie und Fahrzeugbewegung umzuwandeln. In der Regel wird auch ein Akkumulator (Akku) mit geringerer Kapazität, und damit auch geringerem Gewicht, Kosten und Umweltbelastung, gegenüber einem vergleichbaren reinem Elektroauto verbaut. Je nach Anwendungsfall kann im Kurzstreckenbetrieb ein voll elektrischer Betrieb realisiert werden.

Einordnung

Der Einsatz eines Verbrennungsmotor-Generator-Systems als Range Extender führt zu einem seriellen Hybridantrieb. In dieser Konstellation wird die mechanische Energie des Verbrennungsmotors nicht direkt genutzt, sondern erst in elektrische und dann wieder in mechanische Energie gewandelt. Das Antriebskonzept ist bei Lokomotiven, Schiffen usw. bereits länger als „Dieselelektrischer Antrieb“ bekannt. Hierbei treten Wirkungsgradverluste auf, jedoch kann der Verbrennungsmotor in seinem optimalen Arbeitspunkt betrieben werden, und ein Getriebe entfällt. Auch auf einen gewichtigen Akku kann verzichtet werden. Ähnliches gilt auch beim Einsatz einer Brennstoffzelle.

Bei einem Fahrzeug mit parallelem Hybridantrieb liefert der Verbrennungsmotor auch Vorschub; dieser Aufbau wird meist nicht als „Elektroantrieb mit Range Extender“ bezeichnet, sondern als Hybridantrieb. Eine Mischform ist das leistungsverzweigende Hybridsystem, das sowohl als serieller Hybrid arbeiten kann als auch den Verbrennungsmotor mechanisch zum Vortrieb anbinden kann. Ist das Fahrzeug ein Plug-in-Hybrid, so kann der Akku zusätzlich über das Stromnetz aufgeladen werden. Andernfalls wird sämtliche zum Antrieb verwendete Energie vom Verbrennungsmotor aufgebracht – der Elektromotor und der Akku dienen nur als Puffersystem (z. B. zur Bremskraftrückgewinnung). Emissionsfreier Betrieb ist dann nicht möglich und die Systeme werden als Hybridantrieb, jedoch nicht als Range Extender bezeichnet.

Der Range Extender ist einem Elektroauto technisch viel näher als der traditionelle Plug-in-Hybrid. Die meisten Elektroautos mit Range Extender haben einen Akku, der etwas größer ist als bei einem Plug-in-Hybrid, aber deutlich kleiner, leichter und kostengünstiger als bei einem Elektroauto.

Fahrzeuge mit Range Extender

Aktuelle Serienfahrzeuge

Der MX-30 von Mazda ist seit 2023 als sogenannter R-EV erhältlich und bietet einen Wankelmotor-Range-Extender. Von Ford gibt es aus der Nutzfahrzeug-Sparte den Transit Custom bzw. Tourneo Custom als PHEV mit einem Range Extender. In China sind z. B. Li Xiang One, Li Auto L8, L9, Voyah Free, Aito M5, Aito M7, Changan Deepal G318, Yangwang U8 und Leapmotor C10 erhältlich.

Kleinserie

Das Unternehmen Gumpert Aiways Automobile bot 2020 den RG Nathalie an, welcher mit einer Methanol-Brennstoffzelle ausgerüstet ist.

Ehemalige Serienfahrzeuge

Der BMW i3 war eines der ersten Elektrofahrzeuge, die optional mit einem Range Extender lieferbar waren. Als solcher dient ein Zweizylinder-Reihenmotor. Der gleiche Motor wird in einer leistungsstärkeren Version bereits seit 2012 in den Motorrollern BMW C 650 GT und BMW C 600 Sport verwendet. Bei Bedarf lädt der Range Extender über einen Generator den Akkumulator und verlängert mit seinem 9-Liter-Tank die Reichweite um etwa 120–150 km. Der Range Extender kann manuell gestartet werden oder er springt automatisch an, wenn der Ladezustand des Akkumulators eine bestimmte Schwelle unterschritten hat. Das System dient der Reichweitenverlängerung und dem Erhalt der Mobilität. Das System ist dabei explizit nicht als Ersatz für das Laden des Akkumulators an einer Stromtankstelle vorgesehen und dient nur der Ladungserhaltung. Der Range Extender ist eine Sonderausstattung und mit 28 kW deutlich weniger leistungsstark als die 125 kW des Elektromotors (Modellreihe von 2013).

Der Opel Ampera, baugleich mit dem Chevrolet Volt, wird teils als Elektrofahrzeug mit Range Extender, teils als Plug-in-Hybrid bezeichnet. Er kann im reinen Elektrobetrieb bis zur Höchstgeschwindigkeit gefahren werden, hat dabei aber eine sehr eingeschränkte Reichweite von bis ca. 60 km. Der Vierzylinder-Ottomotor mit 1,4 l Hubraum stellt optional elektrische Leistung für Fahrt und Batterie-Laden zur Verfügung (serieller Betrieb), bei höheren Geschwindigkeiten wird er bei aktiviertem Range-Extender-Betrieb mechanisch mit an den Antriebsstrang gekoppelt (paralleler Betrieb). Details hierzu sind unter Voltec-Antrieb beschrieben.

Prototypen

Einzylinder-Verbrennungsmotor mit Generator von swissauto als Range Extender für ein Hybridfahrzeug; auf der IAA 2011 präsentiert

Antriebstausch-Konzepte statt Reichweitenverlängerung

Konzepte für elektrische Antriebe mit großen Reichweiten, die ohne Verbrennungsmotor auskommen

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Cora Werwitzke: Brennstoffzellen-Range-Extender für Nissan e-NV200. In: electrive.net. 24. August 2017, abgerufen am 2. März 2019.
  2. ↑ Marcus Theurer: Das E-Auto macht seinen Strom jetzt selbst. faz.net vom 23. November 2024.
  3. ↑ Gerd Stegmaier, Thiemo Fleck, Torsten Seibt: Elektro-SUV mit Wankelmotor als Range Extender. In: Auto Motor Sport. Motor Presse Stuttgart GmbH & Co.KG, 13. Januar 2023, abgerufen am 27. Februar 2024.
  4. ↑ Christian Becker: Ford Tourneo PHEV: Wie fährt der E-Bus mit Range-Extender? 28. September 2019, abgerufen am 19. Juli 2021.
  5. ↑ Roland Matthé, Ulrich Eberle: The Voltec system-Energy storage and electric propulsion: Abstract. In: Lithium-Ion Batteries: Advances and Applications. 9. Januar 2014, S. 151–176, abgerufen am 2. März 2019 (englisch).
  6. ↑ Dieses Tesla Model 3 fährt mit Benzin. Abgerufen am 1. Mai 2021.
  7. ↑ Zeitschrift Metall, Ausgabe September 2013.
  8. ↑ Elektrofahrzeugentwicklung: Plug-In mit und ohne Range-Extender. (PDF; 943 kB) In: FEV-Spectrum 39. Dezember 2008, S. 3, abgerufen am 2. März 2019.
  9. ↑ Tom Grünweg: Audi A1 E-Tron: Wankelmut im Elektroauto. In: Spiegel Online. 11. November 2010, abgerufen am 2. März 2019.
  10. ↑ Richard Backhaus: Mahle bringt Range-Extender-Prototyp auf die Straße. In: ATZ online. 21. Juni 2012, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 24. Juni 2012; abgerufen am 2. März 2019.
  11. ↑ Mahle Range Extender. In: MAHLE.com. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 28. Januar 2013; abgerufen am 2. März 2019.
  12. ↑ Mahle Range Extender Vehicle. In: MAHLE-Powertrain.com. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 13. Oktober 2013; abgerufen am 2. März 2019 (englisch, zu ihren Hybrid-Auto-Ambitionen).
  13. ↑ Halbjahresbericht 2009. (PDF) Spirt Avert AG, 22. September 2009, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 2. Oktober 2017; abgerufen am 24. März 2024 (insb. S. 8, Kapitel „Fortführung“).
  14. ↑ Ueli Kneubühler: Geldnöte: Machtkämpfe erschüttern Mindset. In: Zisch Neue Luzerner Zeitung online. 16. Februar 2010, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 21. Februar 2010; abgerufen am 10. Mai 2015.
  15. ↑ Elektroautos: Mindset schreibt tiefrote Zahlen. In: Luzerner Zeitung. 1. April 2010, ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 2. März 2019. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive)