Raoul Verdini

Raoul Verdini (* 28. Mai 1899 in Rom; † 4. Dezember 1981 ebenda; fälschlicherweise oft Raul Verdini geschrieben) war ein italienischer Zeichner, Karikaturist, Illustrator, Journalist und Comiczeichner. Er gehörte zu den Künstlern, die die italienische Satirepresse und die Kinderbuch-Illustration des 20. Jahrhunderts maßgeblich mitprägten.

Leben und beruflicher Werdegang

Verdini begann seine berufliche Laufbahn als Zeichner und Entwerfer bei den Italienischen Staatseisenbahnen. Im Anschluss daran wandte er sich dem Journalismus und zunehmend der zeichnerischen Arbeit zu. Schon früh arbeitete er bei der Presse und entwickelte sich zu einem vielseitigen Illustrator und Karikaturisten. 1931 begann seine Mitwirkung an der römischen Satirezeitschrift Marc’Aurelio, für die er bis zur Einstellung des Blattes im September 1943 tätig blieb. Die Zeitschrift war ein bedeutendes Forum für humoristische Zeichnungen und politische Satire im Italien der Zwischenkriegszeit. Daneben arbeitete er für Il Balilla, wo er Figurinen und Bildergeschichten zeichnete, und Il Cartoccino dei Piccoli. 1933 illustrierte er das von der faschistischen Jugendorganisation Opera Nazionale Balilla herausgegebene Buch Il capo-squadra Balilla, womit er zur Erziehung und ideologischen Ausrichtung der Jugend im Sinne des faschistischen Italien beitrug. Später sollte er vorrangig in linksgerichteten Publikationen veröffentlichen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs konnte Verdini seine Arbeit für die italienischen Presse fortsetzen. Er wirkte an den kurzlebigen Nachkriegspublikationen Il Partigiano, Il Pettirosso, L’Asino, Il Pasquino and Marforio mit. 1945 gehörte er gemeinsam mit Angelo Migneco und Augusto Camerini zu den Mitbegründern der satirischen Wochenzeitung Liscio e busso und war auch Teil von dessen redaktioneller Leitung zentral beteiligt. Von 1946 bis 1958 gehörte er der Redaktion der Zeitschrift Vie Nuove an. Auch für diese fertigte er regelmäßig Karikaturen und Illustrationen an. Im Anschluss daran arbeitete er für die römische Tageszeitung Paese Sera, bei der seine Tätigkeit bis Januar 1963 nachweisbar ist. Daneben veröffentlichte er Zeichnungen in weiteren italienischen Zeitungen und Zeitschriften, darunter l’Unità und Il Lavoro. Auch international fanden seine Arbeiten mittlerweile Verbreitung: Zu den Publikationen, mit denen er zusammenarbeitete, zählten die sowjetischen Zeitschriften Prawda, Literaturnaja gaseta und die Satirezeitung Krokodil. Auch das ostdeutsche Satiremagazin Eulenspiegel druckte seine Zeichnungen.

Neben seiner Arbeit als politischer Karikaturist widmete sich Verdini insbesondere der Kinderliteratur und dem Comic. Er zeichnete für die Zeitschrift Il Pioniere, La Via Migliore, Bambola und Miao. Zu seinen bekanntesten Figuren gehörte Cipollino, im deutschsprachigen Raum als Zwiebelchen bekannt, den er nach Texten von Gianni Rodari für Il Pioniere gestaltete. 1951 wurde daraus das Buch Il romanzo di Cipollino, später unter dem Titel Le avventure di Cipollino bekannt. Bei seiner Arbeit verband er humoristische Bildgestaltung mit erzählerischen und pädagogischen Elementen. Überhaupt gab es eine besonders enge Verbindung zwischen Verdini und Rodari, für den er mehrere von dessen Bücher illustrierte. Besonders von Bedeutung ist dabei neben Zwiebelchen das 1974 veröffentlichte La filastrocca di Pinocchio, eine Adaption des Pinocchio-Stoffes von Carlo Collodi. Dieser Stoff hatte ihn immer wieder in seiner Karriere beschäftigt. Von besonderer Bedeutung war hier seine Beteiligung an Le avventure di Pinocchio im Jahr 1935, einem frühen italienischen Versuch, einen abendfüllenden Animationsfilm herzustellen. Das Projekt, an dem auch die Marc’Aurelio-Kollegen Attalo, Mameli Barbara sowie Romolo Bachini und Amerigo Tot beteiligt waren, wurde jedoch nie zum Abschluss gebracht, da die Herstellung sich als technisch anspruchsvoll erwies. Nachdem die finanziellen Mitten 1936 erschöpft waren, musste die Produktion beendet werden, obwohl Teile des Films schon fertig gestellt waren. Versuche Verdinis, das Projekt allein fertigzustellen und den Film mit Hilfe des Catalucci-Verfahrens im Nachhinein zu kolorieren, scheiterten ebenfalls. Dennoch gilt der Versuch als bedeutender Beitrag zur frühen Geschichte des Trickfilms in Italien, obwohl eine Beurteilung des Ergebnisses nicht möglich ist, das der Verbleib des Materials ungeklärt ist.

Publikationen (Auswahl)

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Marco Pugacioff: Marco Pugacioff : Raoul Verdini - ampliamento. In: Marco Pugacioff. 1. September 2021, abgerufen am 20. Oktober 2026.
  2. ↑ STORIA DEL CINEMA D’ANIMAZIONE ITALIANO. 6 – IL PINOCCHIO DI RAUL VERDINI – Teorema. Abgerufen am 20. Oktober 2026 (italienisch).
Personendaten
NAME Verdini, Raoul
ALTERNATIVNAMEN Verdini, Raul (verbreitete Falschschreibung)
KURZBESCHREIBUNG italienischer Zeichner, Karikaturist, Illustrator, Journalist und Comiczeichner
GEBURTSDATUM 28. Mai 1899
GEBURTSORT Rom
STERBEDATUM 4. Dezember 1981
STERBEORT Rom