Raquel Lía Chan (* 31. Dezember 1959 in Buenos Aires) ist eine argentinische Biochemikerin und Pflanzenbiotechnologin. Sie ist leitende Forscherin des CONICET, Professorin an der Universidad Nacional del Litoral (UNL) und Leiterin des Instituto de Agrobiotecnología del Litoral in Santa Fe. Sie leistete einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der HB4-Technologie für dürretolerante Nutzpflanzen.
Chan brachte sich als Schülerin der Escuela Superior de Comercio Carlos Pellegrini in einer Schülervertretung ein. Nachdem ihr Name 1975 auf einer Drohliste der rechtsextremen Alianza Anticomunista Argentina erschienen war und Mitschüler verschwanden, verließ sie 1976 im Alter von 16 Jahren das Land über Uruguay in Richtung Israel. An der Hebräischen Universität Jerusalem schloss sie im Jahr 1981 ein Studium der Biochemie ab; 1988 promovierte sie an der Universidad Nacional de Rosario mit einer Arbeit zur Photosynthese. Von 1988 bis 1992 forschte sie als Postdoktorandin am Institut de biologie moléculaire des plantes der damaligen Université Louis Pasteur. 1993 kehrte sie nach Argentinien zurück, trat dem CONICET bei und lehrte an der Universidad Nacional de Rosario; 1999 wechselte sie als Professorin an die UNL in Santa Fe.
Chans Forschung gilt den molekularen Mechanismen, mit denen Pflanzen auf ungünstige Umweltbedingungen wie Wassermangel reagieren. Ende der 1990er-Jahre identifizierte ihre Arbeitsgruppe im Genom der Sonnenblume den Transkriptionsfaktor HaHB4, der Reaktionen auf Trockenstress steuert und sich auf andere Pflanzen übertragen ließ. Aus einer 2003 begonnenen Kooperation von CONICET, UNL und dem Biotechnologieunternehmen Bioceres entstand daraus die HB4-Technologie für Weizen und Soja; ihre Wirksamkeit unter Feldbedingungen bestätigte sich um 2010 und 2011. Argentinien erteilte HB4-Weizen 2020 die weltweit erste kommerzielle Anbaugenehmigung für eine gentechnisch veränderte Weizensorte; unter trockenen und warmen Bedingungen wurden Mehrerträge von etwa 20 Prozent berichtet. Die Technologie wurde zugleich wegen möglicher Vermischungen mit konventionellem Weizen und einer zusätzlich eingebauten Resistenz gegen das Herbizid Glufosinat-Ammonium kontrovers diskutiert. Im Jahr 2023 erhielt Chan den Premio Fundación Bunge y Born für Agrobiotechnologie. 2026 wurde sie für ihre Beiträge zur grundlegenden Pflanzenbiologie in dürretolerante Sorten von Weizen, Mais, Reis und Soja mit einem L’Oréal-UNESCO-Preis ausgezeichnet.
| Personendaten | |
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| NAME | Chan, Raquel |
| ALTERNATIVNAMEN | Lía Chan, Raquel (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | argentinische Biochemikerin und Pflanzenbiotechnologin |
| GEBURTSDATUM | 31. Dezember 1959 |
| GEBURTSORT | Buenos Aires |