Grüngleis

Hochliegende Rasengleise der Stadtbahn Köln

Bei einem Grüngleis ist der Gleiskörper mit Rasen (Rasengleis) oder anderer Vegetation eingefasst und der Schienenzwischenraum begrünt. Es ist ein beliebtes Mittel, um den Bahnkörper von Straßen- und Stadtbahnen optisch, funktional und ökologisch aufzuwerten.

Das Rasengleis hat neben dem positiven optischen auch einen akustischen Effekt. Die Schallabstrahlung der Fahrzeuge und des Gleises wird deutlich reduziert. Die Bepflanzung absorbiert zusätzlich den Luftschall, der von der Schienenoberfläche ausgeht.

Geschichte

Straßenbahnzug auf begrünten Gleisen in Seattle, 1918

Seitdem Anfang des 20. Jahrhunderts in Großstädten Straßenbahnen getrennt vom restlichen Verkehr (auf einem besonderen Bahnkörper) verlegt wurden, begrünte man solche Flächen manchmal, insbesondere an repräsentativen Stellen. Weil die Anforderungen des Gleisbaus stiegen, endete diese Praxis in den 1930er Jahren.

Mit der Umweltbewegung in den 1980er Jahren stieg das Interesse an begrünten Straßenbahngleisen wieder an. So entwickelten viele Städte in Deutschland seit Mitte der 1980er Jahre eigene Grüngleissysteme. Die Entwicklung fester Fahrbahnen in den 1990er Jahren erleichterte es, Gleise zu begrünen. In Deutschland gab es 1993 weniger als 50 km begrünte Gleise, 2017 etwa 600 km. Die Gleisbegrünung etablierte sich ähnlich auch in anderen Ländern.

Formen

Grüngleise gibt es in verschiedenen Bauformen, jeweils mit verschiedenen Varianten etwa des Oberbaus, der Gleisisolierung oder der Begrünung selbst. Grundsätzlich gibt es Grüngleise in diesen Ausführungsformen:

Als Kompromiss zwischen den Lösungen bauen manche Betriebe auch gemischte Formen, bei denen z. B. die Schienen nur außen hoch begrünt sind, in der Mitte aber tiefer liegen.

Oberbauformen

Sowohl für geschlossene (Feste Fahrbahn) als auch für offene Oberbaue (Schwellen mit Bettung) wurden Ideen zur Begrünung entwickelt. In einigen Systematiken gelten Grüngleise auch als eigene Oberbauform.

Ein dauerhaft lagesicherer Oberbau, in der Regel in Form einer festen Fahrbahn, ist vorteilhaft für die Begrünung, da bei der Instandhaltung seltener die Begrünung ausgebaut werden muss. Bei Oberbau mit Schwellen ist der Raum für die Vegetation in der Regel kleiner. Zudem muss die Vegetationsschicht beim regelmäßigen Durcharbeiten des Schotters entfernt werden.

Verbindung zum Boden und Entwässerung

Es gibt sowohl Systeme, bei denen die Vegetation in eigenen Vegetationströgen ruht, als auch offene Systeme. Die Variante mit Pflanztrögen ermöglicht den schnellen Wechsel von begrünten und nicht begrünten Abschnitten und wird in Frankreich viel angewendet. Offene Systeme werden vor allem in Deutschland eingesetzt und ermöglichen es, den Boden zu entsiegeln.

Bei der Gleisbegrünung muss ein ausgewogenes Maß zwischen dem schnellen Abführen von Regenwasser und einem ausreichenden Wasserspeicher für die Vegetation in der Trockenheit zu finden. Die Trasse muss standfest bleiben, die Gleise aber auch gegen Korrosion geschützt werden.

In Würzburg sieht die Allianz Mobilität und Regionalentwicklung der Agenda 21 Würzburg die Ursache für die schlechte Dürreverträglichkeit des Rasens bei den seit ca. 2000 angelegten Rasengleisen z. B. in der äußeren Zellerau darin, dass sie keine Verbindung zum Boden haben, sondern nur aus einer Erdschicht auf einer Betonschicht bestehen. Verglichen wird der Zustand in diesen Rasengleisen mit den älteren Gleisen, z. B. an der Mergentheimer Straße (gebaut 1985), bei denen das Grün unter gleichen klimatischen Bedingungen weniger Schaden genommen hat. Ein ähnliches Phänomen wurde auch von der TU Dresden in einer Langzeitstudie untersucht. Die Verbindung zum Boden erfordert allerdings eine feste Fahrbahn.

Schienenisolierung

Gegen Streuströme, die vom Gleis ins Erdreich gelangen und elektrolytische Korrosion an Metallen auf dem Strompfad verursachen, werden die Schienen und Befestigungen gegen die Erdschicht isoliert, insbesondere bei hochliegenden Grüngleisen. Dafür gibt es verschiedene Lösungen, meist aus Gummi oder Polyurethan. Sie können aus einzelnen Elementen bestehen, als Ummantelung der Elemente ausgeführt werden oder als Gussmasse.

Vegetation

Begrünt wird Grüngleis entweder mit Rasen oder Bodendeckern bzw. Sedum (Sedumgleis). Grundsätzlich sind beide Vegetationsarten für beide Oberbauformen geeignet, allerdings erfordert Rasen starke Vegetationstragschichten (min. 15 cm Höhe). Je nach Vegetation werden verschiedene Schichten ins Gleis eingebaut, die die Vegetation tragen.

  • Rasengleise können mit verschiedenen Gräsern, aber auch mit einer Beimischung von Kräutern bepflanzt werden. Bei der Straßenbahn Braunschweig sollen in Zusammenarbeit mit dem Julius Kühn-Institut, welches sich am dortigen Standort mit Bienen beschäftigt, Wildblumen gesät werden. Zwischen die eigentliche Vegetationstragschicht, also die Erde, und dem Untergrund wird eine Filterschicht aus Geotextilien eingebaut. Die Vegetation kann eingesät oder als Fertigrasen verlegt werden.
  • Sedumgleise sind pflegearm und für geringe Einbauhöhen (4–8 cm) konzipiert. Die Pflanzen können längere Trockenheit überleben, anders als die Fremdvegetation oder Rasen. Die Sedumpflanzen können als Sprossen angesät oder in Form von vorgezogenen Matten eingebaut werden. Unter der dünnen Vegetationstragschicht muss ggf. ein Schutz gegen Wurzeln von unten eingebaut werden, um Fremdbewuchs zu verhindern. Bei hochliegenden Systemen kann darunter eine Füllschicht sinnvoll sein.

Statt den Raum zwischen den Schienen ausschließlich mit Erdreich aufzufüllen, können auch Rasengittersteine verlegt werden.

Galerie

Commons: Rasengleis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Gleise mit Bodendeckern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Grüngleisnetzwerk (Hrsg.): Handbuch Gleisbegrünung: Planung, Ausführung, Pflege. Eurailpress, Hamburg 2014, ISBN 978-3-87154-502-3.
    1. 1 2 S. 13–14
    2. ↑ S. 27–30
    3. 1 2 S. 30–31
    4. ↑ S. 87
    5. ↑ S. 65
    6. ↑ S. 57–58
    7. 1 2 3 S. 69–75
    8. ↑ S. 86–91
    9. ↑ S. 92–93
  2. ↑ Christel Kappis, Hendrikje Schreiter: Grüne Gleise: Gleisbettnaturierung in Deutschland. In: Neue Landschaft. Patzer Verlag GmbH & Co KG, 28. Mai 2018, abgerufen am 13. August 2025.
  3. ↑ Harald A. Jahn: Rasengleis – Grüne Bänder durch Europas Städte machen den ÖV sympathisch und leiser. In: Pro Bahn Österreich (Hrsg.): Regionale Schienen. Nr. 3, 2013, S. 32–34 (PDF; 669 kB).
  4. ↑ Richtiges Rasengleis für die Linie 6! (Memento vom 30. September 2013 im Internet Archive). Agenda 21 Würzburg – AK Mobilität und Regionalentwicklung, abgerufen am 16. September 2013.
  5. ↑ Jörn Stachura: Forscher entwickeln neue Braunschweiger Wildblumenmischung In: braunschweiger-zeitung.de, 18. Mai 2021, abgerufen am 10. Februar 2023.
  6. ↑ Naturschutz für Wildbienen: Blühstreifen statt Straßenbahnschotter In: vodafone.de, 5. Februar 2023, abgerufen am 10. Februar 2023.