Rassemblement wallon

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Die Rassemblement wallon RW (Wallonische Sammlung) ist eine der ältesten politischen Parteien in Wallonien, die vor den Wahlen von 1968 gegründet wurde. Sie ist eine mitte-links-orientierte Partei, deren politische Ideologie von Regionalismus und Rattachismus geprägt ist.

Geschichte

Paul-Henry Gendebien war von 1974 bis 1979 Vorsitzender der RW.

Um Belgien stärker zu befrieden, wurde schließlich in den Jahren 1962–1963 eine sogenannte Sprachgrenze zwischen Flandern (dem niederländischsprachigen Norden) und Wallonien (dem französischsprachigen Süden) festgelegt. Für Brüssel wurde eine zweisprachige Lösung gefunden. Während in der Region Brüssel-Hauptstadt die Partei Demokratische Front der Frankophonen FDF (Front démocratique des francophones) für die politischen Belange der französischsprachigen Brüsseler Bürger eintrat, entstand in Wallonien die Partei RW. Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wie François Perin, Jean Gol oder später Paul-Henry Gendebien gehörten der Partei bis zu ihrer Auflösung im Jahr 1985 an.

Bei der RW handelte es sich in erster Linie um eine föderalistische politische Partei, die schnell einen wichtigen Platz in der wallonischen politischen Landschaft einnahm und 1971 20 % der Stimmen in Wallonien erhielt. Nach einem leichten Rückgang im Juni 1974 trat die RW der Regierung bei.

Die Regierung Tindemans II zerbrach 1977, als der RW dem Etat des Wirtschaftsministeriums nicht zustimmte, weil dieses sich nicht genug um die Arbeitsplatzverluste in der wallonischen Stahlindustrie kümmerte. Außerdem stellte die RW der Regierung ein Ultimatum, um die Regionalisierung Belgiens gemäß dem Verfassungsartikel voranzutreiben. Daraufhin entließ König Baudouin auf Vorschlag von Premierminister Léo Tindemans am 4. März 1977 die Minister des RW, den Außenhandelsminister Etienne Knoops, Minister für Pensionen Robert Moreau und den Minister ohne Portefeuille beim Wirtschaftsminister Pierre Bertrand. Die folgende Regierung Tindemans III amtierte bis zur vorgezogenen Parlamentswahl am 17. April 1977.

In dieser Zeit verursachte der Parteivorsitzende Paul-Henry Gendebien eine Spaltung zwischen den verschiedenen Tendenzen dieser bis dahin pluralistischen Partei, indem er eine „Linkswende“ durchsetzte, die sich frei an der Doktrin Pierre-Joseph Proudhons orientierte. Diese Spaltung sollte sich für diese einzigartige Erfahrung der Präsenz der Wallonischen Bewegung auf der politischen Bühne als fatal erweisen. Die Reformbewegung MR (Mouvement Réformateur) von André Damseaux fusionierte 1976 mit dem gemäßigten Flügel des Rassemblement Wallon um Jean Gol, Philippe Monfils und François Perin zum Parti de la Liberté et du Progrès en Wallonie (PRLW). 1979 kam die französischsprachige Brüsseler liberale Partei hinzu, wodurch die Parti réformateur libéral (PRL). Aufgespalten in verschiedene Fraktionen verschwand die „Rest-RW “ unter André Libert hingegen praktisch von der politischen Bühne.

Sie wurde einige Jahre später 1999 als Rassemblement Wallonie-France (R.W.F.) wiedergegründet, konnte jedoch bei den Wahlen nicht allein antreten, solange die Brüsseler FDF das Akronym RW schützte (Listenakronyme waren auf sechs Zeichen begrenzt). Infolgedessen war sie Teil des separatistischen Kartells Union für Wallonien (Union pour la Wallonie), das eine Zeit lang W+ hieß, bevor es dem gesamten Kartell seinen Namen gab, das am 20. Juni 2010 zu einer Partei wurde.

Wahlergebnisse

Abgeordnetenkammer

Bei den Wahlen zur Abgeordnetenkammer erzielte die RW folgende Ergebnisse:

Jahr Wahl Stimmenanteil Sitze
1968 Parlamentswahl 1968 3,4 %
7/212
1971 Parlamentswahl 1971 6,7 %
14/212
1974 Parlamentswahl 1974 5,9 %
13/212
1977 Parlamentswahl 1977 2,4 %
5/212
1978 Parlamentswahl 1978 2,9 %
4/212
1981 Parlamentswahl 1981 1,7 %
2/212
1985 Parlamentswahl 1985 0,1 %
0/212
1987 Parlamentswahl 1987 0,2 %
0/212
2010 Parlamentswahl 2010 1 0,1 %
0/150
2014 Parlamentswahl 2014 0,02 %
0/150
1 
als W+

Senat

Bei den Wahlen zur Senat erzielte die RW folgende Ergebnisse:

Jahr Wahl Stimmenanteil Sitze
1968 Senatswahl 1968 5,7 %
5/106
1971 Senatswahl 1971 11,49 %
6/106
1974 Senatswahl 1974 11,37 %
13/106
1977 Senatswahl 1977 2,87 %
2/106
1978 Senatswahl 1978 4,87 %
7/106
1981 Senatswahl 1981 4,28 %
4/106
1985 Senatswahl 1985
0/106
1987 Senatswahl 1987 0,24 %
0/106

Wallonisches Parlament

Bei den Wahlen zum Wallonischen Parlament erzielte die RW folgende Ergebnisse:

Jahr Wahl Stimmenanteil Sitze
2014 Wallonische Parlamentswahl 2014 0,16 %
0/75

Europawahl 1979

Bei der Europawahl am 10. Juni 1979 gewann die RW in einem Wahlbündnis mit der Front démocratique des francophones (FDF) im französischsprachigen Wahlkollegium 414.603 Stimmen (19,75 Prozent) und konnte mit Paul-Henry Gendebien für die RW sowie Antoinette Spaak für die FDF zwei Mitglieder des Europäischen Parlaments stellen.

Europawahl 1984

Bei der Europawahl am 17. Juni 1984 erhielt die Rest-RW im Wahlbündnis Présence Wallonne en Europe mit der Rassemblement Populaire Wallon (RPW) und der Front pour l’Indépendance de la Wallonie (FIW) im französischsprachigen Wahlkollegium 51.903 Stimmen (2,32 Prozent) und kein Mandat im Europäischen Parlament.

Wallonischer Rat

Im Wallonischen Rat stellte die RW in der Legislaturperiode 1981–1985 zwei der 106 Abgeordneten.

Rat der Französischen Gemeinschaft

Im Rat der Französischen Gemeinschaft stellte die RW in der Legislaturperiode 1981–1985 zwei der 137 Abgeordneten.

Parteivorsitzende

Die Funktion der Parteivorsitzenden bekleideten von 1968 bis 1989:

RW-Vorsitzende
Beginn der AmtszeitEnde der AmtszeitParteivorsitzenderAnmerkungen
6. Juni 196815. Juni 1974François PerinWahl am 6. Juni 1968, Wiederwahl am 26. März 1972
15. Juni 197420. Oktober 1974Robert Moreaukommissarischer Parteivorsitzender
20. Oktober 197424. Februar 1979Paul-Henry GendebienWahl am 20. Oktober 1974, Wiederwahl am 5. März 1977
24. Februar 19798. Oktober 1983Henri MordantWahl am 24. Februar 1979, Wiederwahl am 29. März 1981
8. Oktober 198322. März 1986Fernand MassartWahl am 8. Oktober 1983
22. März 19861989André LibertWahl am 22. März 1986

Weitere bekannte Politiker der RW waren:

Hintergrundliteratur

Einzelnachweise

  1. ↑ Gol, Jean (John). rulers.org, abgerufen am 31. August 2025 (englisch).
  2. ↑ Baudouin I. rulers.org, abgerufen am 31. August 2025 (englisch).
  3. ↑ Tindemans, Léo(nard Clément). rulers.org, abgerufen am 31. August 2025 (englisch).
  4. ↑ Patrick Dumont, Lieven De Winter, Régis Dandoy: Démissions gouvernementales et performances électorales des majorités sortantes (1946–1999), in: Courrier hebdomadaire du CRISP, Band 17, Nr. 1722, 2001
  5. ↑ Damseaux, André (Raphael Jean-Marie Maurice Antoine). rulers.org, abgerufen am 31. August 2025 (englisch).
  6. ↑ Les Elections de la Chambre des Representants 1946–2019 (Memento vom 2. Dezember 2022 im Internet Archive)
  7. ↑ Bei der Senatswahl 1968 trat das Wahlbündnis FDFRW-PDLP an. Bei den Senatswahlen 1971, 1978 und 1981 trat das Wahlbündnis FDF-RW an. Bei der Senatswahl 1974 trat die RW wieder mit FDF und PDLP in einem Wahlbündnis an.
  8. ↑ Europawahl 1979: Französischsprachiges Wahlkollegium. Abgerufen am 31. August 2025.
  9. ↑ Europawahl 1984: Französischsprachiges Wahlkollegium. Abgerufen am 31. August 2025.
  10. ↑ Former parties of Belgium (Memento vom 2. Dezember 2022 im Internet Archive)
  11. ↑ Duvieusart, Jean (Pierre). rulers.org, abgerufen am 31. August 2025 (englisch).