| Ratzeburger See (Großer Ratzeburger See) | ||
|---|---|---|
| Bootsanleger am südöstlichen Ufer in Römnitz | ||
| GKZ | DE: 962437 | |
| Geographische Lage | im Südosten Schleswig-Holsteins | |
| Zuflüsse | Schaalseekanal über die südlichen Ratzeburger Seen; Bäche, Quellen, Oberflächenwasser des Einzugsgebiets | |
| Abfluss | Wakenitz | |
| Inseln | Dominsel (historisch; heute eine Halbinsel) | |
| Orte am Ufer | im Süden Ratzeburg; am Westufer Groß Sarau, Pogeez, Buchholz; am Ostufer Utecht, Römnitz | |
| Daten | ||
| Koordinaten | 53° 44′ 4″ N, 10° 45′ 22″ O | |
|
| ||
| Höhe über Meeresspiegel | 3,4 m ü. NN | |
| Fläche | 12,57 km² | |
| Volumen | 144,9 Mio. m³ | |
| Maximale Tiefe | 24,4 m | |
| Mittlere Tiefe | 11,5 m | |
| Die Ratzeburger Domhalbinsel, Blick nach Osten, links der Ratzeburger Dom. Am unteren Bildrand der Lüneburger Damm. Links davon der Ratzeburger See, rechts der Küchensee. Im Hintergrund: Domsee (links) und Kleiner Küchensee (zwischen den beiden östlichen Dämmen). | ||
Der Ratzeburger See, auch Großer Ratzeburger See genannt, ist ein See im Naturpark Lauenburgische Seen im Südosten Schleswig-Holsteins. Er erstreckt sich von der sogenannten Dominsel – einer Halbinsel, auf der sich die Altstadt von Ratzeburg befindet – ungefähr neun Kilometer nach Norden. Zusammen mit dem Domsee, dem Kleinen Küchensee und dem Küchensee (auch „Großer Küchensee“ genannt) umgibt er die Dominsel.
Die vier genannten Seen werden als die Ratzeburger Seen bezeichnet. Ursprünglich bildeten sie eine zusammenhängende Seefläche, heute sind sie überwiegend durch Dämme voneinander getrennt.
Manchmal bezieht sich die Bezeichnung „Ratzeburger See“ auf die vier Ratzeburger Seen zusammen beziehungsweise auf die ursprünglich zusammenhängende Seefläche; so etwa bei der Angabe, die Altstadt von Ratzeburg liege „inmitten des Ratzeburger Sees“.
Der Große Ratzeburger See grenzt mit seinem nordöstlichen Ufer an Mecklenburg-Vorpommern (Gemeinde Utecht) und an das Biosphärenreservat Schaalsee. An seinem westlichen Ufer liegen die Gemeinden Groß Sarau, Pogeez und Buchholz.
Die vier Seen umschließen gemeinsam die Altstadt von Ratzeburg auf der sogenannten Dominsel. Die Dominsel (auch „Altstadtinsel“ genannt) war ursprünglich nicht mit dem Festland verbunden. Heute ist sie eine Halbinsel, sie wird deshalb auch „Domhalbinsel“ genannt.
Zur Aufteilung des Seegebietes kam es, als Dämme zwischen der Dominsel und dem westlichen und östlichen Seeufer aufgeschüttet wurden.
Da die Dämme passierbare Durchfahrten aufweisen, ist es möglich, mit entsprechenden (nicht allzu hohen) Booten alle Ratzeburger Seen zu befahren.
Hauptsächlich durch die genannten drei Dämme wird die ursprünglich zusammenhängende Seefläche in vier einzelne Seen gegliedert; nur am Übergang vom Großen Ratzeburger See zum Domsee befindet sich kein Damm. Die vier Ratzeburger Seen, von Norden nach Süden geordnet:
In den Ratzeburger See entwässern vor allem die südlich vorgelagerten Ratzeburger Seen. Der vom Salemer See kommende Schaalseekanal, der das Wasserkraftwerk Farchau, eines der wenigen Wasserkraftwerke in Schleswig-Holstein, antreibt, mündet in den Küchensee. Die Bäk, ein Überlauf des Mechower Sees, mündet in den Domsee. Das Wasser fließt jeweils weiter in den Ratzeburger See.
Der Abfluss befindet sich im Norden bei Rothenhusen. Der See entwässert über die Wakenitz und die Trave in die Ostsee.
Durch die Stadt Ratzeburg und als Lüneburger Damm und Königsdamm auch durch den See verläuft in West-Ost-Richtung die Bundesstraße 208 von Bad Oldesloe nach Gadebusch und Wismar. Unweit des Westufers verläuft parallel zum See die B 207 (Alte Salzstraße) von Lübeck nach Lüneburg, die etwa einen Kilometer nördlich von Rothenhusen von der Bundesautobahn 20 gekreuzt wird. Neben der neuen Autobahnbrücke ist die im Jahre 2009 erneuerte Wakenitzbrücke bei Rothenhusen die einzige Straßenverbindung von Schleswig-Holstein nach Mecklenburg-Vorpommern zwischen Lübeck und Ratzeburg.
Die von Ratzeburg und von Lübeck kommenden Ausflugsschiffe legen in Rothenhusen an.
Der fast zehn Kilometer lange, bis zwei Kilometer breite und maximal 24 Meter tiefe Ratzeburger See ist ein weichseleiszeitlicher Gletscherzungensee. Im Hoch- und Spätglazial entwässerten die Schmelzwässer nicht nach Norden, sondern zunächst bei Farchau nach Süden und in einer späteren Phase bei Einhaus nach Westen zur Einhaus-Fredeburger-Rinne in Richtung Elbe-Urstromtal.
In einer Seen-Typologie wird der Ratzeburger See als Typ 10 eingeordnet. Es handelt sich demnach um einen geschichteten, calciumreichen Tieflandsee mit relativ großem Einzugsgebiet, nennenswert über Grundwasser.
Das steile Ufer des Sees ist dicht bewaldet. Am Ufer tritt an zahlreichen Stellen Wasser aus kleineren, von Erlen gesäumten Quellen aus. Auch findet man hier weite Flächen mit Riesen-Schachtelhalm.
Am Westufer des Sees sind Campingplätze, Badestellen und Stege eingestreut. Das Ostufer ist weitgehend naturbelassen und im Abschnitt zwischen Rothenhusen und Kalkhütte als Naturschutzgebiet „Ostufer des Großen Ratzeburger Sees“ ausgewiesen. Im Herbst und Winter dient der See Blässhuhn und Reiherente als Rastgebiet. Rohrdommel, Rohrweihe, Rohrschwirl und Drosselrohrsänger sind Brutarten am See, die auf der Roten Liste verzeichnet sind.
Der Ratzeburger See ist bekannt für die dort vorkommende Große Maräne, einen Speisefisch, der zu den Salmoniden zählt.
Zwei Kläranlagen (der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen) leiten ihre gereinigten Abwässer in den Ratzeburger See ein. Das Einzugsgebiet ist geprägt durch landwirtschaftliche Nutzflächen. Der Große Ratzeburger See hat die Trophiestufe meso- bis eutroph 1. Das Tiefenwasser weist ein Sauerstoffdefizit auf.
Das Land Schleswig-Holstein hatte für den Ratzeburger See im Jahr 2010 eine Badewarnung wegen des Befalls mit Zerkarien ausgesprochen. Zerkarien sind Saugwurmlarven, die beim Menschen allergische Hautreaktionen, die sogenannte Badedermatitis, hervorrufen können. Es wurde auf die Gefahr durch das Füttern von Wasservögeln hingewiesen, die Zwischenwirte für die Saugwurmlarven sind.
Am nördlichen Ostufer des Sees verlief bis 1990 die innerdeutsche Grenze. Er wurde mit Motorbooten als operative Grenzschleuse für Agenten der DDR genutzt. Im Kinofilm Adams Acht (2026) ist die Lage an der DDR-Grenze Bestandteil der Handlung.
Der Ratzeburger See wird in mehreren Sagen erwähnt.