Rauchfangswerder

Rauchfangswerder ist eine Ortslage im Ortsteil Schmöckwitz des Berliner Bezirks Treptow-Köpenick. Sie liegt im äußersten Südosten Berlins auf dem Schmöckwitzer Werder zwischen dem Zeuthener See und dem Großen Zug. Mit Rauchfangswerder erreicht das Berliner Stadtgebiet seine südlichste Ausdehnung.

Rauchfangswerder-Nord

In der lebensweltlich orientierten Raumgliederung (LOR) Berlins wird die Ortslage nicht gesondert ausgewiesen, sondern gemeinsam mit Schmöckwitz im Planungsraum „Schmöckwitz/Rauchfangswerder“ geführt.

Die Herkunft des Namens ist nicht geklärt. Der Namensteil „Werder“ bezeichnet eine Insel oder eine Halbinsel. „Rauchfang“ könnte sich aus dem Räuchern von Fischen ableiten, da der Fischfang entlang der Dahme lange einer der Haupterwerbszweige war.

Lage

Rauchfangswerder liegt südlich von Alt-Schmöckwitz und wird über den Schmöckwitzer Damm erschlossen. Die Ortslage befindet sich auf dem südlichen Teil des Schmöckwitzer Werders in einer von Wald und Wasser geprägten Umgebung. Westlich liegt der Zeuthener See, östlich der Große Zug; in der weiteren Umgebung schließen sich der Krossinsee, der Oder-Spree-Kanal und die Dahmegewässer an. Über den Zeuthener See besteht Sichtbezug zu Eichwalde und Zeuthen in Brandenburg. Die Landesgrenze zwischen Berlin und Brandenburg verläuft in diesem Bereich durch die Gewässerlandschaft.

Der Siedlungsbereich ist vergleichsweise locker bebaut. Wohnhäuser, Erholungsgrundstücke, Bootshäuser, Steganlagen und Waldflächen prägen das Ortsbild.

Natur und Gewässer

Waldweg in Rauchfangswerder

Rauchfangswerder liegt in einer stark wasser- und waldgeprägten Umgebung. Der Zeuthener See gehört zum Berliner und brandenburgischen Gewässersystem der Dahme. Die Berliner Wasserrahmenrichtlinien-Berichte beschreiben den Zeuthener See als von der Dahme durchflossenen Flusssee mit einer Fläche von 233 Hektar.

Die Uferbereiche in der weiteren Seenkette zwischen Müggelheim und Rauchfangswerder sind nach der Uferkonzeption Treptow-Köpenick überwiegend landschaftlich geprägt. Für diesen Abschnitt wird ein Waldanteil von 60 Prozent der Ufer genannt; hinzu kommen Grünflächen, Biotopflächen, Kleingartenanlagen sowie Wohn- und Erholungsgrundstücke.

Die Wasserlage bestimmt auch die Nutzungsstruktur der Ortslage. Wassersport, private Stege, Bootshäuser und Erholungsgrundstücke sind charakteristisch. Zugleich begrenzen Wasser-, Wald- und Schutzgebietsbelange die bauliche Entwicklung.

Geschichte

Die Geschichte Rauchfangswerders ist eng mit der Besiedlung des Schmöckwitzer Werders und der Nutzung der angrenzenden Gewässer verbunden. Schmöckwitz zählt zu den ältesten Siedlungsplätzen im heutigen Berlin; archäologische Funde auf dem Schmöckwitzer Werder weisen auf sehr frühe Siedlungsspuren hin. Der Ort Schmöckwitz wurde 1375 im Landbuch Kaiser Karls IV. erwähnt.

Für Rauchfangswerder wird die Besiedlung im 18. Jahrhundert angesetzt. Nach der Darstellung der Berliner Feuerwehr erhielten die Zeuthener Siedler Barnak, Mielitz und Gutke am 11. Juli 1743 von Preußenkönig Friedrich II. das Recht, sich auf dem Werder niederzulassen.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Rauchfangswerder allmählich zu einer dauerhaften Siedlung. Ab etwa 1870 setzte die Parzellierung ein; um 1880 wurden erste Grundstücke an neue Zuzügler verkauft. Im Januar 1900 bestanden im Ortsbereich bereits 15 massive Wohnhäuser. 1909 wurde Rauchfangswerder-Süd aufgeteilt und weiter besiedelt.

Mit der Bildung Groß-Berlins im Jahr 1920 wurde Schmöckwitz und damit auch Rauchfangswerder Teil Berlins.

Bevölkerung

Die Berliner Bezirksregion Schmöckwitz umfasst die Planungsräume Karolinenhof sowie Schmöckwitz/Rauchfangswerder. Für Rauchfangswerder allein veröffentlicht Berlin keine eigene amtliche Einwohnerzahl. Der Planungsraum Schmöckwitz/Rauchfangswerder hatte 2024 insgesamt 2.624 Einwohner; die gesamte Bezirksregion Schmöckwitz 4.476 Einwohner. Die Bezirksregion Schmöckwitz war damit die einwohnerärmste Bezirksregion in Treptow-Köpenick. Medienberichte nennen für Rauchfangswerder selbst etwa 500 Einwohner.

Sehenswürdigkeiten

Eiskeller der ehemaligen Ausflugsgaststätte Waldhaus

Waldhaus

Das Restaurant „Waldhaus“ am Zeuthener See war bis in die 1980er Jahre eine wichtige Ausflugsgaststätte am südlichen Stadtrand Berlins. Berichte nennen eine frühere Dampferanlegestelle und beschreiben das Lokal als überregional bekanntes Ausflugsziel. Mit dem Ende des Waldhauses entfiel eine der prägenden Ausflugsgaststätten der Ortslage. Auf dem früheren Gelände des Restaurants stehen heute Einfamilienhäuser.

Erhalten ist der Eiskeller der ehemaligen Ausflugsgaststätte. Das Bauwerk an der Fährallee 1 ist als Baudenkmal in der Berliner Denkmalliste eingetragen und wird um 1880 datiert.

Hinweisschild des Friedhofs Rauchfangswerder

Friedhof Rauchfangswerder

Der Friedhof Rauchfangswerder ist ein kleiner privater Waldfriedhof. Er wurde im 19. Jahrhundert von Bewohnern der Siedlung angelegt und wird bis heute privat geführt. Der Friedhof gilt als Besonderheit innerhalb des Berliner Bestattungswesens, da er weder landeseigen noch kirchlich getragen wird.

Bestattet werden dort grundsätzlich nur Bewohner der Ortslage. Aufgrund der Lage im Trinkwasserschutzgebiet finden keine Erdbestattungen, sondern nur Urnenbeisetzungen statt. Beerdigt sind hier unter anderem die Opernsängerin Irmgard Arnold, der Schauspieler Heinz Behrens und der Schauspieler und Sänger Dean Reed.

Verkehr

Rauchfangswerder ist im Straßenverkehr über den Schmöckwitzer Damm erreichbar. Die Lage am südlichen Rand Berlins führt dazu, dass der Ort nicht durch Durchgangsverkehr geprägt ist.

Im öffentlichen Nahverkehr wird Rauchfangswerder durch die BVG-Buslinie 168 erschlossen. Sie verbindet Alt-Schmöckwitz mit der Endhaltestelle Moßkopfring in Rauchfangswerder. In Alt-Schmöckwitz besteht Anschluss an die Straßenbahnlinie 68 in Richtung Wendenschloß und Köpenick. Das Bezirksprofil nennt außerdem die Buslinie 733, die Nachtbusverbindung N68 als Rufbus sowie die fehlende direkte Anbindung an das S- oder U-Bahn-Netz.

Von Schmöckwitz aus verkehrt außerdem die BVG-Fährlinie F21 zwischen Schmöckwitz und Krampenburg. Die Fähre dient vor allem der Erschließung des Naherholungsraums zwischen Schmöckwitz, Krampenburg und Müggelheim und verkehrt saisonal.

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg bestand eine Fährverbindung zwischen Zeuthen und Rauchfangswerder über den Zeuthener See. Vor dem Krieg wurde der Übersetzverkehr unter anderem von Wilhelm Schulze aus Rauchfangswerder mit dem 1924 gebauten Motorboot „Hildegard“ durchgeführt. Die Verbindung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder als reguläre Fährverbindung betrieben. Nach 1990 scheiterte ein Versuch, Rauchfangswerder und Zeuthen erneut durch eine Fähre zu verbinden. Der frühere Anleger am Waldhaus besteht nicht mehr; das Gelände am Ufer wurde nach der Schließung des Waldhauses mit Einfamilienhäusern bebaut.

Feuerwehr und Vereinsleben

Freiwillige Feuerwehr Rauchfangswerder (alt)

Die Freiwillige Feuerwehr Rauchfangswerder wurde am 22. November 1911 gegründet. 1959 wurde ein neues Wachgebäude in Dienst gestellt; 2001 entstand eine Jugendfeuerwehr. Das heutige Wachgebäude wurde 2018 eingeweiht. Aufgrund der Entfernung zu den dichter besiedelten Bereichen Köpenicks besitzt die Feuerwehr für die örtliche Gefahrenabwehr besondere Bedeutung.

Zum lokalen Vereinsleben gehört der Segel-Club Argo e. V. am Zeuthener See. Das Vereinsgelände befindet sich an der Argoallee und umfasst unter anderem ein Klubhaus, Bootshallen und Hafenanlagen. Der Verein verweist auf eine mehr als hundertjährige Geschichte und gehört zu den wassersportlichen Nutzungen der Ortslage.

Persönlichkeiten

Einzelnachweise

  1. 1 2 Vergnügen am Stadtrand. In: Stadtmuseum Berlin. Stiftung Stadtmuseum Berlin, abgerufen am 29. Mai 2026.
  2. 1 2 3 Kurzprofil für Schmöckwitz. (PDF) Bezirksamt Treptow-Köpenick von Berlin, 31. März 2025, abgerufen am 29. Mai 2026.
  3. ↑ Rauchfangswerder, der südlichste Punkt Berlins. In: berlin-travel-sightseeing.com. Abgerufen am 5. Juni 2026.
  4. 1 2 Zum Südpol in Berlin-Rauchfangswerder. In: HEIMATjournal. Rundfunk Berlin-Brandenburg, 14. Juni 2025, abgerufen am 29. Mai 2026.
  5. ↑ Wasseradern unserer Stadt. Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, abgerufen am 29. Mai 2026.
  6. ↑ Uferkonzeption Treptow-Köpenick. Kurzfassung. (PDF) Bezirksamt Treptow-Köpenick von Berlin, abgerufen am 29. Mai 2026.
  7. ↑ Geschichte des Ortsteils Schmöckwitz/Karolinenhof/Rauchfangswerder. Bezirksamt Treptow-Köpenick von Berlin, abgerufen am 29. Mai 2026.
  8. 1 2 3 Freiwillige Feuerwehr Rauchfangswerder. Berliner Feuerwehr, abgerufen am 29. Mai 2026.
  9. ↑ Groß-Berlin-Gesetz. In: Berlin.de. 16. Januar 2024, abgerufen am 29. Mai 2026.
  10. 1 2 3 Letzter Halt Rauchfangswerder. In: Berliner Morgenpost. 26. August 2012, abgerufen am 29. Mai 2026.
  11. ↑ Eiskeller. In: Denkmaldatenbank. Landesdenkmalamt Berlin, abgerufen am 29. Mai 2026.
  12. ↑ Bus-Linie 168. Berliner Verkehrsbetriebe, abgerufen am 29. Mai 2026.
  13. ↑ Fähre F21: Schmöckwitz — Krampenburg. In: Berlin.de. 31. März 2026, abgerufen am 29. Mai 2026.
  14. ↑ Verein. Segel-Club Argo e. V., abgerufen am 29. Mai 2026.

Koordinaten: 52° 21′ N, 13° 39′ O