Raymond Chow

Raymond Chow, Avenue of Stars mit der Nummer 52

Raymond Chow (chinesisch 鄒文懷; * 8. Oktober 1927 in Hongkong; † 2. November 2018 in Hongkong) war ein Hongkonger Filmproduzent. Besonders bekannt wurde er, als er Kung-Fu-Filme mit von ihm unter Vertrag genommenen Schauspielern wie Bruce Lee und Jackie Chan weltweit verbreiten konnte.

Leben

Raymond Chow (mit vollem Namen: Raymond Chow Man-wai) wurde geboren, als Hongkong noch britisch war. Er wuchs in Hongkong mit einem nationalistisch gesinnten Vater auf, der westlichen Einflüssen gegenüber skeptisch war. Seine Erziehung gilt als Sinnbild für den Erfolg des katholischen Bildungswesens der Vergangenheit Chinas. Chow besuchte zuerst die St-Stephen's College Preparatory School for Boys, die als renommierte Schule galt. Als Junge zeigte er zum ersten Mal unternehmerisches Potential, indem er eine Sportpublikation ins Leben rief.

Er zog nach Shanghai und studierte bis zum Abschluss Journalismus an der St. John’s University, die bis zur Schließung 1952 als chinesisches Harvard galt.

Chow arbeitete nach seiner Rückkehr nach Hongkong ab 1948 als Trainee bei Shun Pao Daily, ab 1949 als Journalist für den Hong Kong Tiger Standard dann für das Verbreiten von Nachrichten in englischer Sprache, unter anderem bei United Press (später umbenannt in United Press International), The New York Times und Voice of America.

Er wurde ab 1958 für die Shaw Brothers Studios Pressereferent, die hunderte von Filmen produzierten und das Kung Fu Genre beliebt machten. Der Gründer der Studios, Run Run Shaw, ließ Chow auf die Produktionsseite wechseln, als dieser sich über das niedrige Budget und die kurzen Zeitpläne beschwerte, die seiner Meinung nach schlechte Filmqualität produzierten. 1964 wurde er zum leitenden Produzenten befördert. Chow hielt das nicht für karriereförderlich, weshalb er 1970 seine eigene Produktionsfirma gründete (Golden Harvest). 1971 gelang es ihm, Bruce Lee für drei Filme anzuwerben, den er in einer Hongkonger Fernsehunterhaltungsshow gesehen hatte. Jeder einzelne dieser Filme wurde in Hongkong zum Kassenschlager.

Im Anschluss drehte er Enter the Dragon, der der erste chinesische Kampfkunst-Film war, der von einem größeren Hollywood Studio (Warner Bros.) gedreht wurde und finanziell sehr erfolgreich war. Bruce Lee selbst starb kurz vor der Filmpremiere 1973.

Die Filme Big Boss (US-Titel: Fists of Fury) und The Chinese Connection (US-Titel: Way of the Dragon) lösten The Way of Music als Film mit dem besten Verhältnis von Produktionskosten und Einspielergebnis in den Vereinigten Staaten ab.

Die Lücke für das Filmgenre wollten andere gerne füllen und Chow nahm 1979 Jackie Chan unter Vertrag, einen ehemaligen Stuntman, der im Vorjahr im Film Drunken Master zu sehen war. Er hatte ihn im Vorfeld bei Enter the Dragon in einer kleinen Nebenrolle gesehen. 1980 drehten sie den ersten englischsprachigen Film The Big Brawl. Durch die Zusammenarbeit mit Chow wurde Chan in mehreren chinesischsprachigen Action-Komödien zum immer beliebteren Superstar Asiens. Im selben Jahr wurde Chow zum internationalen „Showman“ des Jahres durch die nationale US-amerikanische Vereinigung von Theaterbesitzern gewählt.

Chow investierte, um Jackie Chan auch westlichem Publikum schmackhaft zu machen, was ihm 1995 mit In der Bronx ist die Hölle los (Rumble in the Bronx) gelang, der der erfolgreichste Film aus Hongkong in den Vereinigten Staaten wurde.

Es gelang Chow, neben weiteren Hongkonger Schauspieltalenten wie Sammo Hung, Jet Li, Donnie Yen und der Zusammenarbeit mit dem Produzenten Tsui Hark, Bruce Lee und Jackie Chan als neue Stars der Welt zu präsentieren, als er entschieden hatte, weg von der Low-Budget Filmethik des Kung Fu Genres zu gehen.

Es gelang ihm überdies, die Teenage Mutant Ninja Turtles (TMNT) über den Umweg von Comics als Kinderserie im Fernsehen zu etablieren, die Kultstatus gewannen. Chow produzierte einen Realfilm auf der Basis der vier menschengroßen Schildkröten für die Kinoleinwand, die gegen Kriminalität kämpften, nachdem Hollywood die Filmproduktion abgelehnt hatte. Chow sagte über seinen Erfolg, er habe aus dem Bauch heraus entschieden, sie zu produzieren. Er meinte außerdem, man müsse einzigartig sein, um wirklich erfolgreich zu sein.

2003 machte Chow mit Golden Harvest den letzten Film und verkaufte vier Jahre darauf seine Mehrheitsbeteiligung an einen Geschäftsmann, der die Firma in Orange Sky Golden Harvest umbenannte. Er gab bekannt, dass er 2007 in Rente gehen wolle und keines seiner Kinder die Firma habe übernehmen wollen. Er selbst hatte in seiner aktiven Zeit über 600 Filme produziert.

Raymond Chow starb 2018 in Hongkong.

Posthum wurde er im Jahr 2020 vom Geschichtsmuseum der Kampfkünste ausgezeichnet, bei der man (mit wenigen Ausnahmen) 25 Jahre lang Kampfkünste trainiert und einen historischen Einfluss auf die gesamte Kampfkunst ausgeübt haben muss.

Filmografie (Auswahl)

Avenue of Stars, Hände links von Raymond Chow

Auszeichnungen

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Geoff Boucher,Erik Pedersen: Raymond Chow Dies: Iconic Hong Kong Producer Launched Bruce Lee & Jackie Chan. In: Deadline. 2. November 2018, abgerufen am 4. November 2026 (amerikanisches Englisch).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 Associated Press: Raymond Chow, Hong Kong producer who found Bruce Lee, dies. In: The Guardian. 3. November 2018, ISSN 0261-3077 (theguardian.com).
  3. 1 2 3 4 5 Raymond Man-Wai Chow (1927-2018). In: IMDB.de. Abgerufen am 4. November 2026.
  4. 1 2 3 52 Mr Raymond Chow. In: The Avenue of Stars.com. AOS Management (HK) Limited, 2026, abgerufen am 4. November 2026 (amerikanisches Englisch).
  5. 1 2 3 Lee B. Golden III: In memoriam: Raymond Chow (1927-2018). In: Film Combat Syndicate. 2. November 2018, abgerufen am 4. November 2026 (amerikanisches Englisch).
  6. ↑ Raymond Chow, film producer behind Bruce Lee, dies at age 91. In: CBC News. 2. November 2018 (cbc.ca).
  7. ↑ Hong Kong film tycoon to retire -- china.org.cn. In: China.org.cn. 6. November 2007, abgerufen am 4. November 2026 (englisch).
  8. 1 2 Hall Of Fame. In: Martial Arts History Museum. 2026, abgerufen am 4. November 2026 (amerikanisches Englisch).
  9. ↑ Chow to receive Asian Film Awards lifetime honor. In: Washington Times. 18. März 2011, abgerufen am 3. November 2026 (englisch).
  10. ↑ Korea sweeps Asian Film Awards. In: The Korea Herald. 22. März 2011, abgerufen am 4. November 2026 (englisch).