
Raymond Pierre Paul Westerling (* 31. August 1919 in Istanbul, Türkei; † 26. November 1987 in Purmerend, Niederlande) war ein niederländischer Offizier. Er kämpfte im Zweiten Weltkrieg und im indonesischen Unabhängigkeitskrieg. Nach der Souveränität Indonesiens kämpfte er um einen unabhängigen Staat in West-Java. Er war für Massaker an der Bevölkerung von West-Java und auf Sulawesi verantwortlich. Westerling trug den Spitznamens „Der Türke“, aufgrund seiner Geburt im Osmanischen Reich.
Westerling wurde in Istanbul als Kind des Niederländers Paul Westerling und der Griechin Sophia Moutzou geboren. Seine Familie gehörte zu einem Kaufmannsgeschlecht mit niederländischen Wurzeln, das sich seit mehreren Generationen in Istanbul etabliert hatte. Die kosmopolitische Umgebung führte dazu, dass Westerling mehrsprachig aufwuchs. Unklar ist, ob er jemals die niederländische Staatsangehörigkeit besessen hat.
Während des Zweiten Weltkrieges meldete sich Westerling zum niederländischen Hilfskorps in der britischen Armee. Die Jahre seines Garnisonsdienstes führten ihn über Ägypten und Kanada nach England und über Indien wieder zurück nach England, bevor er schließlich in den Niederlanden eingesetzt wurde. Am 10. März 1945 wurde er bei einem deutschen Angriff mit V-1-Raketen verwundet.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa trat Westerling in den Dienst der Königlichen Niederländisch-Indien-Armee (KNIL). Nach einem Zwischenstopp in Ceylon (heute: Sri Lanka) wurde er nach Medan, Sumatra entsandt, wo er Fallschirmeinsätze gegen die japanischen Besatzer durchführte. Formell stand er weiterhin unter britischem Befehl, aber mehr und mehr ging er seinen eigenen Weg, wobei er durch sein Organisationstalent und seine Führungsqualitäten ebenso auffiel wie durch seine kompromisslose Härte und rücksichtslose Grausamkeit.

1946 bekam er, zunächst als Leutnant und zuletzt als Hauptmann, das Kommando über das Depot Speciale Tropen (DST), eine Eliteeinheit der KNIL, die vergleichbar wie britische Kommandotruppen ausgebildet wurde. Westerlings Einheit wurde in der Folge im Umkreis von Makassar auf Süd-Sulawesi eingesetzt, wo nach dem Abkommen von Linggajati (1946) die Niederlande versuchte, die "äußeren Gebiete" des indonesischen Raums weiterhin an sich zu binden, was heftigen Widerstand in den Regionen auslöste. Westerling und die DST gingen gegen diesen Widerstand mit einer durch ihn "[...] bewusst [...] selbst ausgearbeiteten Strategie" vor. Dabei wurden Dörfer in der Region umzingelt, die Dorfbewohner auf die Straße gezwungen, Hausdurchsuchungen durchgeführt, eine vorab angefertigte Liste von "Verdächtigen" verlesen und diese öffentlich erschossen, oft durch Westerling selbst. Die DST unter Westerlings Kommando sei, so der Autor David van Reybrouck, wie "[...] eine Todesschwadron, die Terror mit noch mehr Terror beantwortete [...]" vorgegangen, die Zahl der Opfer liegt zwischen 3500 und 6500 Menschen. Westerlings Vorgehen wurde durch die Armeeführung der KNIL gedeckt und er wurde wegen der Massaker nicht gerichtlich belangt. Erst 2015 machte ein Gericht in Den Haag die Niederlande offiziell für die Massaker verantwortlich.
Nach seiner Zeit bei der KNIL heiratete Westerling eine Javanerin und ließ sich als Transportunternehmer in West-Java nieder. In dieser Zeit konvertierte er auch zum Islam. Nach der Unabhängigkeit Indonesiens im Jahre 1949 kommandierte Westerling die APRA (Angkatan Perang Ratu Adil „Die Armee der gerechten Königin“), eine paramilitärische Einheit, die sich aus fanatischen Moslems, Gegnern einer indonesischen Republik sowie niederländischen Deserteuren zusammensetzte. Am 23. Januar 1950 besetzte er mit Teilen seiner Armee die westjavanische Stadt Bandung. Seine Truppen zogen sich aber nach Verhandlungen mit dem niederländischen Statthalter wieder zurück. Wenige Tage später griff Westerling erfolglos eine Polizeikaserne in Jakarta an. Sein Vorhaben, die Regierung Sukarno zu stürzen und einen unabhängigen Staat Pasundan in West-Java zu gründen, war damit endgültig gescheitert. Er verließ Indonesien 1950 in Richtung Singapur, wo er wegen illegaler Einreise inhaftiert wurde. Einem Auslieferungsantrag Indonesiens wurde nicht stattgegeben.
Während seiner Überstellung in die Niederlande floh Westerling und setzte sich von Kairo aus nach Belgien ab, wo er in einem Hotelzimmer seine Memoiren verfasste. Da es auch in Europa immer wieder zu Skandalen um seine Person kam, musste er sich Anfang 1952 schließlich in die Niederlande begeben. Er wurde festgenommen, jedoch bald wieder entlassen. Ein erneutes indonesisches Auslieferungsbegehren wurde abschlägig beschieden, und ein Prozess, der ihm in den Niederlanden gemacht werden sollte, fand nicht statt. Am 26. November 1987 starb Westerling in der niederländischen Stadt Purmerend.
Im Kriegsfilm De Oost (2020) des niederländischen Regisseurs Jim Taihuttu stehen unter anderem die, durch Westerling und die DST verübten, Massaker im Zentrum einer Erzählung des Endes der niederländischen Herrschaft in Indonesien. Westerling wird dabei von Marwan Kenzari verkörpert.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Westerling, Raymond |
| ALTERNATIVNAMEN | Westerling, Raymond Pierre Paul (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | niederländischer Kommandant in Indonesien |
| GEBURTSDATUM | 31. August 1919 |
| GEBURTSORT | Istanbul, Türkei |
| STERBEDATUM | 26. November 1987 |
| STERBEORT | Purmerend, Niederlande |