Red (Plattform)

Red oder Red Media war eine von Anfang 2023 bis Mai 2025 von Berlin aus operierende, englischsprachige Website, die vor allem zum Nahostkonflikt und zum Krieg in Israel und Gaza publizierte und dabei propalästinensische Positionen vertrat. Ihr wurde vorgeworfen, sie unterhalte enge Verbindungen zum russischen Propagandasender RT und sei Nachfolger des vor März 2023 eingestellten Portals Redfish. Im Juli 2025 wurde AFA Medya, der Betreiber der Plattform, von der Europäischen Union als Medium der russischen Propaganda sanktioniert.

Betreiber und Sanktionierung

Im Impressum steht AFA Medya, ein Medienunternehmen in der Türkei. Laut dem türkischen Handelsregister wurde es am 22. November 2022 in Istanbul gegründet, Geschäftsführer war der türkisch-deutsche Journalist Hüseyin Doğru. Laut der taz wurde damit eine Briefkastenfirma genutzt, um europäische Sanktionen zu umgehen, die Plattform sei Instrument hybrider Kriegsführung nach dem russischen Überfall auf die Ukraine.

Im Mai 2025 gab die Plattform ihre Auflösung bekannt. Chefredakteur Doğru erklärte, dass die Berliner Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn wegen Verleumdung eines taz-Journalisten erhoben habe. Im Juli veröffentlichte das Auswärtige Amt eine Mitteilung, der zufolge die Hintermänner der Plattform mit Sanktionen belegt worden seien, darunter auch Doğru.

Die Bundesregierung wandte dabei das Verfahren der sogenannten Attribuierung, bei der auf Grundlage von nachrichtendienstlichen Erkenntnissen die Verantwortung eines Angriffes einem staatlichen oder nicht staatlichen Akteur zugeordnet wird, zum ersten Mal im Fall von „ausländischer Informationsmanipulation“ an. Das Auswärtige Amt erklärte gegenüber den Medien, dass die Plattform Red eingesetzt werde, um in Deutschland Debatten „zu manipulieren und so die Gesellschaft gezielt zu spalten“, wobei Red vorspiegele, eine Plattform unabhängiger Journalisten zu sein. Im März 2026 sperrte die ZfS aufgrund des Vorwurfs der Sanktionsumgehung auch die Konten von Doğrus Ehefrau. Doğru erklärte, seine Familie sei außerstande, Miete zu bezahlen, die Kinder zu ernähren oder Stromkosten zu decken.

Kampagnen und Rezeption

Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 wurde der Plattform Red vorgeworfen, antiisraelische Propaganda zum Krieg in Israel und Gaza zu betreiben. Von Berlin aus veröffentlicht Red gemeinsame Beiträge mit der Zeitung Junge Welt, dem Linken-Politiker Ferat Koçak oder Aktivistengruppen wie Palästina Spricht oder Jüdische Stimme. Im Oktober 2023 interviewte das Portal einen Abgeordneten der Terrororganisation Hisbollah und einen Sprecher von Islamischer Dschihad in Palästina. Unter dem Pseudonym Lizzie Phelan schrieb die frühere Ruptly-Nachrichtenchefin und RT-Reporterin Elizabeth Cocker für das Portal.

Nachdem der Journalist Nicholas Potter in der taz kritisch über Red berichtet hatte, begann Ende 2024 eine Kampagne gegen ihn, die das Portal angestoßen habe. Potter wurde in der Folge laut Zentralrat der Juden „bedroht und diffamiert“. Im Dezember 2024 kritisierte Red, Potter sei Teil von „Deutschlands pro-israelischem Propaganda-Komplex“ und habe einen Job bei der israelischen Jerusalem Post bekommen, weil er „für Israels Genozid werbe“.

Nach der Sanktionierung veranstaltete die Junge Welt im Juli 2025 eine Podiumsdiskussion zur Frage, was man tun könne, nachdem deutsche Journalisten auf der Russland-Sanktionsliste gelandet waren. Es nahmen Journalisten von der Jungen Welt, von den Nachdenkseiten, von den Magazinen Overton und Hintergrund teil. Doğru sagte seine Teilnahme ab, nachdem ihm seine Anwälte davon abgeraten hatten. Raphael Schmeller und Simon Zeise, vormals bei der Jungen Welt, kritisierten Doğrus Sanktionierung im November in der Berliner Zeitung.

Einzelnachweise

  1. ↑ Disinformation diplomacy: How malign actors are seeking to undermine democracy. Foreign Affairs Committee, 27. März 2026, abgerufen am 4. April 2026 (englisch).
  2. ↑ Russische hybride Bedrohungen: EU setzt weitere 21 Personen und 6 Organisationen auf die Sanktionsliste und führt sektorale Maßnahmen als Reaktion auf destabilisierende Aktivitäten gegen die EU, ihre Mitgliedstaaten und internationale Partner ein. Abgerufen am 4. April 2026.
  3. ↑ Julius Geiler, Claudia von Salzen: Verbindungen nach Moskau?: Wer hinter den Videos von den Protesten gegen Israel steckt. In: Tagesspiegel. 7. Juni 2024, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 26. April 2026]).
  4. 1 2 Markus Wehner: Russlands Einflussnahme: Wie das BSW für Moskaus Propagandisten kämpft. In: FAZ.net. 6. Juni 2026, abgerufen am 6. Juni 2026.
  5. ↑ Nicholas Potter: RT-nahes Medium „Red“: Hybrider Krieg in Berlin. In: Die Tageszeitung: taz. 12. Oktober 2024, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 20. März 2025]).
  6. ↑ Vorwürfe der Finanzierung aus Russland: Medienportal „Red“ verkündet Auflösung. In: Die Tageszeitung: taz. 20. Mai 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 7. Juli 2025]).
  7. ↑ Loading... Abgerufen am 4. November 2025.
  8. ↑ Auswärtiges Amt: Erklärungen des Auswärtigen Amts in der Regierungspressekonferenz vom 02.07.2025. Abgerufen am 7. Juli 2025.
  9. 1 2 3 Propaganda-Plattform des Kreml: Red ist russisch. In: taz.de. taz.de, 7. Juli 2025, abgerufen am 29. März 2026.
  10. ↑ Raphael Schmeller: „Können unsere Kinder nicht mehr ernähren“: Behörden sperren Konten von Journalisten-Ehefrau. In: berliner-zeitung.de. 28. März 2026, abgerufen am 29. März 2026.
  11. ↑ Nicholas Potter: RT-nahes Medium „Red“: Hybrider Krieg in Berlin. In: Die Tageszeitung: taz. 12. Oktober 2024, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 10. März 2025]).
  12. ↑ Sebastian Leber: Rufmordkampagne gegen Berliner Journalisten: Weshalb Nicholas Potter so angefeindet wird. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 10. März 2025]).
  13. ↑ Author: Nicholas Potter, The Jerusalem Post, abgerufen am 25. März 2026
  14. ↑ Nils Kottmann: Zentralrat der Juden zu Rufmordkampagne gegen Nicholas Potter: »Wir haben ihn als einen mutigen Journalisten kennengelernt«. 11. März 2025, abgerufen am 11. März 2025.
  15. ↑ Raphael Schmeller,Simon Zeise: Vorwurf Russland-Propaganda: Wie ein deutscher Journalist durch EU-Sanktionen kaltgestellt wird. 15. November 2025, abgerufen am 16. November 2025.