Regio hypochondriaca

Gliederung der Bauchregionen. Zwischen Regio hypochondriaca dextra und Regio hypochondriaca sinistra befindet sich die Regio epigastica

Die Regio hypochondriaca ist eine beidseits ausgebildete Region des Oberbauches (Regio abdominalis superior, in der Tieranatomie Regio abdominalis cranialis). Andere Bezeichnungen beim Menschen sind Hypochondrium sowie Regio hypochondri(a)ca dextra et sinistra (Pariser Nomina Anatomica und Basler Nomina Anatomica) sowie Pars lateralis regionis abdominis cranialis (Jenaer Nomina Anatomica).

Beide Regionen zusammen (also rechts und links) heißen im Plural im Lateinischen Regiones hypochondriacae und auf Deutsch die Weichen (gemeint sind die weichen Seitenteile des Unterleibs, siehe Lende und Flanke).

Einteilung

Man unterscheidet eine rechte (Regio hypochondriaca dextra) und eine linke (Regio hypochondriaca sinistra) Regio hypochondrixa. Die obere (bei vierfüßigen Tieren entsprechend die vordere) und die seitliche Grenze bildet der Rippenbogen. Zur Mitte hin grenzen beide Regiones hypochondriacae an die Regio epigastrica (in der Tieranatomie Regio xiphoidea), als Grenze ist der Seitenrand des Musculus rectus abdominis definiert. Nach unten beziehungsweise nach hinten grenzt die Regio hypochondriaca an die jeweilige Flankengegend (Regio lateralis). Die Grenze bildet eine gedachte Linie zwischen den letzten Rippen.

Definitionen

Abweichend von der nebenstehenden (historischen) Abbildung wird das Hypochondrium nach anderer Ansicht (beim stehenden Menschen) oben und nicht unten von den Rippenknorpeln begrenzt. So auch der aktuelle Medizin-Duden: „Regio hypochondriaca: seitlicher Bezirk des Unterleibs unterhalb der Rippenknorpel“, der aber auch (beim liegenden Menschen) dem Gegenteil zustimmt („hypochondriacus: unter den Rippenknorpeln liegend“).

Das Wörterbuch der Medizin definiert das Hypochondrium als „Regio hypochondriaca: seitlich unter dem Rippenbogen (Arcus costalis) liegender Teil des Oberbauchs.“ Die Brockhaus-Enzyklopädie erklärt das altgriechische Adjektiv „hypochondriakós [als leidend an] Unterleib oder den Eingeweiden.“

Etymologie

Die altgriechische Bezeichnung Hypochondrium kommt (ebenso wie die Hypochondrie) von altgriechisch τὰ ὑποχόνδρια ta hypochóndria (mit ὑπο hypo = unter sowie griechisch χονδρός chondros ‚Knorpel‘) für den „Bereich unter den Rippen“. Wörtlich also: (das Gebiet, von lateinisch regio = Gebiet) unter den Rippenknorpeln oder die untere Rippenknorpelgegend. Nach Rudolf Arndt bedeutet das altgriechische Wort ὑποχόνδριον hypochóndrion dagegen soviel wie Unterleib. 1866 erklärte der Brockhaus die „Hypochóndria [als] Unterleib, die Unterrippengegend.“

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Vgl. Detlef Kießling, Sabine Stannat: Anatomie am Lebenden (= Exa-Med. Band 4b). Verlag Jungjohann, Heidelberg 1981, ISBN 3-88454-104-8, S. 91.
  2. ↑ Peter Reuter: Springer Klinisches Wörterbuch 2007/2008. Springer-Verlag, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-34601-2, S. 1580.
  3. ↑ Günter Thiele, Heinz Walter (Hrsg.): Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete. Verlag Urban & Schwarzenberg, Loseblattsammlung 1966–1977, 5. Ordner (Mem–Rz), München/Berlin/Wien 1973, ISBN 3-541-84005-6, S. R 56.
  4. ↑ Ludwig August Kraus: Kritisch-etymologisches medicinisches Lexikon. 3. Auflage, Verlag der Deuerlich- und Dieterichschen Buchhandlung, Göttingen 1844, S. 506. Digitalisat der Ausgabe von 1844, Internet Archive.
  5. ↑ Herbert Volkmann (Hrsg.): Kurt Hoffmann (Bearbeitung): Walter Guttmann: Medizinische Terminologie. 35. Auflage. Verlag Urban & Schwarzenberg, München / Berlin 1951, Spalte 456.
  6. ↑ Medizin-Duden: Wörterbuch medizinischer Fachausdrücke. 10. Auflage, Dudenverlag, Bibliographisches Institut, Berlin 2021, ISBN 978-3-411-04837-3, S. 697.
  7. ↑ Medizin-Duden: Wörterbuch medizinischer Fachausdrücke. 10. Auflage, Dudenverlag, Bibliographisches Institut, Berlin 2021, ISBN 978-3-411-04837-3, S. 389.
  8. ↑ Maxim Zetkin, Herbert Schaldach: Lexikon der Medizin, 16. Auflage, Ullstein Medical, Wiesbaden 1999, ISBN 978-3-86126-126-1, S. 915.
  9. ↑ Brockhaus Enzyklopädie, 19. Auflage, Verlag F. A. Brockhaus, Mannheim 1989, 10. Band, ISBN 3-7653-1110-3, S. 349.
  10. ↑ Willibald Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 251. Auflage, Walter de Gruyter, Berlin / New York 1972, ISBN 3-11-003657-6, S. 536.
  11. ↑ Otto Roth: Klinische Terminologie. Bearbeitet von Karl Doll und Hermann Doll, Verlag von Georg Thieme, 10. Auflage, Leipzig 1925, S. 235.
  12. ↑ Albert Eulenburg (Hrsg.): Real-Encyclopädie der gesammten Heilkunde. 2. Auflage, 10. Band, Verlag Urban & Schwarzenberg, Wien / Leipzig 1887, Stichwort Hypochondrie, Hypochondriasis von Rudolf Arndt, S. 124–142.
  13. ↑ Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände – Conversations-Lexikon. 11. Auflage, 8. Band, F. A. Brockhaus-Verlag, Leipzig 1866, S. 192.