Reiner Stach

Reiner Stach (2024)

Reiner Stach (* 1951 in Rochlitz, Sachsen) ist ein deutscher Literaturwissenschaftler und Publizist, der für seine Biografie von Franz Kafka bekannt wurde.

Leben

Stachs Eltern flohen 1954 aus der DDR nach Pforzheim, wo der Vater als Fernsehtechniker arbeitete. Stach besuchte dort Volksschule und das Gymnasium. Im Alter von siebzehn Jahren verließ er das Elternhaus wegen Konflikten mit seinem Vater. Von 1971 bis 1979 studierte er Philosophie, Mathematik und Literaturwissenschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Dort legte er 1978 Staatsexamina in Mathematik und Literaturwissenschaft ab.

Nach der Lektüre der Briefe und Tagebücher von Kafka setzte Stach sein geplantes Studium der Mathematik nicht fort. Im Fach Literaturwissenschaft wurde Stach 1985 an der Universität Frankfurt am Main mit einer Dissertation über Kafka promoviert. Die Arbeit erschien 1987 unter dem Titel Kafkas erotischer Mythos. Eine ästhetische Konstruktion des Weiblichen.

Von 1985 bis 1986 übernahm Stach Lehraufträge am Germanistischen Seminar der Universität Frankfurt. Von 1986 bis 1990 arbeitete er als Wissenschaftslektor im S. Fischer Verlag in Frankfurt am Main. Von 1991 bis 1996 war Stach freiberuflich als Lektor tätig, u. a. für die Verlage Rowohlt, Metzler sowie S. Fischer. Hier beteiligte er sich an der Kritischen Ausgabe der Werke von Franz Kafka. 1996 begann Stach mit der Arbeit an der Kafka-Biografie.

Reiner Stach lebt seit 2009 in Berlin. Zusammen mit seiner zweiten Frau, einer Pflegewissenschaftlerin, hatte er ein Haus in Todoque auf La Palma, das beim dortigen Vulkanausbruch 2021 zerstört wurde.

Kafka-Biographie

Stach bei einer Lesung (2011)

An der dreibändigen, insgesamt 2.037 Seiten umfassenden Biografie Kafkas hat Stach als Autor insgesamt achtzehn Jahre gearbeitet. An der finanziellen Förderung des Projekts beteiligten sich die S. Fischer Stiftung. Nach Ende der Finanzierung durch den Verlag sammelte dessen Lektorin Ursula Köhler privat Geld für Stach, der seine Arbeit außerdem durch Onlinepoker finanzierte. In der Schlussphase wurde das Projekt von Jan Philipp Reemtsma finanziert.

Der erste Band, der 2002 unter dem Titel Kafka. Die Jahre der Entscheidungen erschien, umfasst Kafkas Lebensjahre von 1910 bis 1915. Der zweite Band Kafka. Die Jahre der Erkenntnis mit dem Erscheinungsjahr 2008 behandelt die letzten acht Lebensjahre Kafkas. Zu ihm notierte Andreas Dorschel, dass Stach hier den Gefahren schwächender Paraphrase der literarischen Texte Kafkas und beliebiger Metaphorik in ihrer Charakterisierung nicht entgeht. Der dritte Band von Stachs Biographie, Kafka. Die frühen Jahre, erschien im September 2014. Mit diesem Buch stand er auf der Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse 2015 in der Kategorie „Sachbuch/Essayistik“. Bislang gibt es Übersetzungen in die englische, spanische, türkische, chinesische und französische Sprache. Stach wurde für sein biografisches Werk mehrfach ausgezeichnet –, unter anderem erhielt er 2016 den Joseph-Breitbach-Preis.

Stach begann mit Kafkas mittlerer Lebensphase, da er auf die Freigabe des Nachlasses von Max Brod warten wollte. Er erhoffte sich Material zu Kafkas frühen Jahren, zu denen keine Tagebücher überliefert sind. Allerdings war der Nachlass bei Abschluss des letzten Buchs 2014 immer noch nicht verfügbar.

Basierend auf seiner Kafka-Biografie entstand 2023 die ARD/ORF-Serie Kafka, bei der er auch als Fachberater fungierte. Für die 2024 entstandene TV-Dokumentation Kennen Sie Kafka (52 min), eine Koproduktion des Tschechischen Fernsehens mit ORF und Arte, fungierte er als Fachberater und Kommentator.

Auszeichnungen

Ausstellung und Tagungen

Veröffentlichungen (Auswahl)

Autograph von Stach (2011)

Monografien

Herausgeber

Aufsätze

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Stefan Willeke: Reiner Stach und Franz Kafka: Kann Kafka glücklich machen? In: Die Zeit. 24. Januar 2024, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 12. Oktober 2026]).
  2. ↑ SZ-Magazin Nr. 11, 13. März 2015, S. 62 (online).
  3. ↑ Interview von Harald Freiberger, Verena Mayer: „Es gab bei Männern und Frauen viel Einsamkeit“. In: sueddeutsche.de. 10. Mai 2018, abgerufen am 10. Dezember 2023.
  4. 1 2 Peter von Becker: Reiner Stachs Kafka-Biografie: Des Dichters Schatten. In: tagesspiegel.de. 21. September 2014, abgerufen am 10. Dezember 2023.
  5. 1 2 Volker Hage: Der Dichter unserer Zukunft. In: Der Spiegel, Nr. 40/2014, S. 119–120.
  6. ↑ Andreas Dorschel, 'Puls fühlen im Weltinnenraum', in: Süddeutsche Zeitung Nr. 153 (3. Juli 2008), S. 14.
  7. ↑ Andreas Platthaus: Kafka? Was ist Kafka? In: FAZ.net. 25. September 2014, abgerufen am 10. Dezember 2023.
  8. ↑ Nominierungen für den Preis der Leipziger Buchmesse 2015 (Memento vom 16. April 2015 im Internet Archive)
  9. ↑ S. Fischer Verlage: »Er konnte nicht anders« – Reiner Stach über Franz Kafka (www.hundertvierzehn.de). 24. September 2014, abgerufen am 12. Oktober 2026.
  10. ↑ Dreharbeiten zu Miniserie „Kafka“. In: ots.at. 1. März 2023, abgerufen am 17. Januar 2024.
  11. ↑ Kennen Sie Kafka. In: arte.tv. 24. Mai 2024, abgerufen am 25. Mai 2024.
  12. ↑ Reiner Stach erhält Joseph-Breitbach-Preis 2016, boersenblatt.net, 13. Mai 2016, abgerufen am 13. Mai 2016
  13. ↑ Warum Kafka aus Kindern Rebellen macht in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 5. Oktober 2014, Seite 50
Personendaten
NAME Stach, Reiner
KURZBESCHREIBUNG deutscher Autor, Kafka-Biograph und Publizist
GEBURTSDATUM 1951
GEBURTSORT Rochlitz, Sachsen