Reinhard Bentmann war der Sohn des Literaturwissenschaftlers Friedrich Bentmann (1900–1980), wuchs in Karlsruhe auf und studierte ab 1957 Kunstgeschichte, Archäologie und Germanistik an den Universitäten Frankfurt am Main, Heidelberg und München u.a. bei Harald Keller. Mit einer 800-seitigen Dissertation über die Villa Barbaro von Andrea Palladio wurde er promoviert. Auf der Grundlage dieser Forschungen veröffentlichte er 1970 zusammen mit Michael Müller das Buch Die Villa als Herrschaftsarchitektur, das als ideologiegeschichtlicher Abriss der Villenarchitektur seit dem 16. Jahrhundert bis in seine Gegenwart große fachliche Aufmerksamkeit erzielte, in mehreren Auflagen erschien und in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Bentmann galt zeitlebend als sprachgewandt – gar sprachgewaltig – und Freund zugespitzt kritischer Darstellungen.
Ab 1973 arbeitete er beim Landesamt für Denkmalpflege Hessen in Wiesbaden als Bezirkskonservator und war ab 1984 als Hauptkonservator bis zu seinem vorzeitigen Ruhestand 2000 Leiter der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege. In den 1970er und 1980er Jahren war er als Bezirksdenkmalpfleger zuständig für Baudenkmalpflege und Sanierungsgebiete in Mittelhessen.
Reinhard Bentmann lebte in Eltville und starb 2025 in seiner Geburtsstadt Karlsruhe, wo er auf dem Hauptfriedhof beigesetzt wurde.
Schriften
mit Michael Müller: Die Villa als Herrschaftsarchitektur. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1970. Neuauflagen: Syndikat, Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-8108-0097-X; Europäische Verlags-Anstalt, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-434-50009-X.
Spanisch: La villa como arquitectura del poder. Barral, Barcelona 1975.
Französisch: La villa, architecture de domination. Mardaga, Brüssel um 1979.
Englisch: The villa as hegemonic architecture. Humanities Press, Atlantic Highlands 1992, ISBN 0-391-03757-9.
mit Heinrich Lickes: Europäische Paläste. Ebeling, Wiesbaden 1977.
mit Elisabeth Herget: Berühmte italienische Städte. Florenz, Rom, Venedig. Ebeling, Wiesbaden 1977.
Englisch: Famous Italian cities: Florence, Rome, Venice. Cassell, London 1978, ISBN 0-304-30194-9.
Französisch: Florence, Rome, Venise. Nathan, Paris 1980, ISBN 2-09-284533-0.
Kampf um die Erinnerung. Ideologische und methodische Konzepte des modernen Denkmalkultus. In: Hessische Vereinigung für Volskunde (Hrsg.): Denkmalräume, Lebensräume. Schmitz, Gießen 1976, S. 213–246.
Architektur für den Irrsinn. Bemerkungen zur Baugeschichte der Psychiatrie auf dem Eichberg. In: Christina Vanja (Hrsg.): „Wissen und irren“. Psychiatriegeschichte aus zwei Jahrhunderten. Eberbach und Eichberg. Landeswohlfahrtsverband Hessen, Kassel 1999, ISBN 3-89203-040-5, S. 299–329.
Gastautor bei Werner Krieger: Bordellgesellschaft. Die Reportage. ICS Communikations-Service, Bergisch Gladbach 2007, ISBN 978-3-00-022128-6.
Literatur
Udo Schreiber: Hauptkonservator Dr. Reinhard Bentmann im Ruhestand. In: Denkmalpflege & Kulturgeschichte. 2/2000, S. 72.
Gerd Weiß: Zum Tod von Reinhard Bentmann. Ehemaliger Abteilungsleiter Bau- und Kunstdenkmalpflege. In: Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Denkmal Hessen. 1/2025, ISSN 2747-4542, S. 66.
123456Gerd Weiß: Zum Tod von Reinhard Bentmann. Ehemaliger Abteilungsleiter Bau- und Kunstdenkmalpflege. In: Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Denkmal Hessen. Heft 1/2025, ISSN 2747-4542, S. 66.
↑Heidemarie Plessing: Giebelskulpturen in Paris von 1660–1860. Dissertation. Universität Frankfurt am Main 2006. Lang, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-631-57190-3, S. 36, Fußnote 50 (Google books).