Reinhard Guthke (* 22. Oktober 1950 in Kyritz) ist ein deutscher Bioinformatiker und Systembiologe.
Reinhard Guthke ist ein Sohn des Museologen Albert Guthke und der Bibliothekarin Ingeborg Guthke, geb. Heimbach, der Enkelin des Theologen Julius Richter. Seine Kindheit und die ersten Schuljahre lebte er zusammen mit seinen Eltern und seinem Bruder Wolfgang Guthke im brandenburgischen Dorf Dahlhausen. 1960 zog die Familie in die damalige Kreisstadt Pritzwalk, wo Reinhard Guthke die Schulzeit mit Abitur und als Facharbeiter im Gartenbau abschloss. Anschließend studierte er Physik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und schloss das Studium 1973 bei Gerhard Weber mit dem Diplom mit einem quantentheoretischen Thema ab.
1974 heiratete er die Diplom-Biologin und spätere Instrumentallehrerin und Musiktherapeutin Gisela Guthke, geb. Sachs (* 30. September 1950 in Schwerin), Tochter von Hans-Otto Sachs und Elisabeth Sachs. Aus der Ehe gingen eine Tochter und ein Sohn hervor. Gisela Guthke war auf dem Gebiet der Limnologie und im Sozialdienst des Seniorenzentrums „Gertrud-Schäfer-Haus“ als Teil der Diako Thüringen tätig.
Nach dem Studium arbeitete Reinhard Guthke am Zentralinstitut für Mikrobiologie und experimentelle Therapie bzw. ab 1992 bis zum Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2017 an der Nachfolgeeinrichtung Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie. In der Argbeitsgruppe von Wolfgang Knorre arbeitend wurde er 1978 auf dem Gebiet der theoretischen Biophysik promoviert. 1988 folgte mit einem theoretisch-biotechnologischen Thema die Promotion B, die nach der Friedlichen Revolution in eine Habilitation umgewandelt wurde. In den 2000er Jahren leitete er eine Forschungsgruppe für Systembiologie und Bioinformatik.
Reinhard Guthke ist Autor bzw. Koautor von über 120 wissenschaftlichen Publikationen. Während in den 1980er und 1990er Jahren ein thematischer Schwerpunkt auf der Analyse und Optimierung biotechnologischen Prozessen lag, z. B. mittels der zyklischen Prozessführung, dominierten in den 2000er Jahren Arbeiten zur Datenanalyse der Genexpression und insbesondere zur Rekonstruktion genregulatorischer Netzwerke. 2011 wurde er an der Friedrich-Schiller-Universität Jena zum außerplanmäßigen Professor für Systembiologie ernannt.
Reinhard Guthke und seine Ehefrau Gisela sind seit den 1970er Jahren im Kirchenkreis Jena und insbesondere am Gemeindezentrum Albert Schweitzer ehrenamtlich aktiv. In den 1980er Jahren engagierte sich Reinhard Guthke in der Friedensbewegung. Insbesondere organisierte er in Jena das ökumenische Friedensgebet in der katholischen Pfarrkirche sowie eine Friedensbibliothek, in der unter anderem Dokumente vom Friedensseminar Königswalde angeboten wurden. Beginnend Anfang der 1970er Jahre mit Diskussionen um die Wehrpflicht, die damals Bestandteil des Studiums an der Universität war, bis zum Ende der 1980er Jahre, als er und seine Ehefrau Delegierte der Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen für die Ökumenische Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung in der DDR waren, hatte das Ministerium für Staatssicherheit zur Überwachung von Reinhard Guthke eine OPK-Akte angelegt. Von 1994 bis 2000 war er Vorsitzender und bis 2025 Vorstandsmitglied des Diakonievereins Jena e.V., der Gesellschafter der Diako Thüringen sowie Mitglied im Diakonischen Werk Evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland ist.
Für die Legislaturperiode 1990 bis 1994 wurde Reinhard Guthke als Parteiloser mit Mandat des Demokratischen Aufbruchs in das Jenaer Stadtparlament gewählt und mit dem Amt des Ausschussvorsitzenden für Energie und Umwelt betraut. In dieser Funktion war er u. a. an der Schaffung politischer Rahmenbedingungen für die Gründung der Stadtwerke Energie Jena-Pößneck im Rahmen des „Stromstreits“ beteiligt und Mitglied des Aufsichtsrats der Stadtwerke Jena. Seit 2011 ist er Aufsichtsratsvorsitzender der BürgerEnergie Jena eG, einem Mitgesellschafter der Stadtwerke Energie Jena-Pößneck GmbH, deren Aufsichtsrat er seit 2017 mit Mandat der Energiegenossenschaft angehört. Seit 2013 ist er Vorsitzender des BürgerEnergie Thüringen e.V., einem Gründungsmitglied des Bündnis Bürgerenergie. Dieser bundesdeutsche Dachverband für Bürgerenergie ehrte ihn 2026 mit dem Michael-Sladek-Preis für Bürgerenergie.
Von 2001 bis 2012 war Reinhard Guthke Sprecher der Arbeitsgruppe Fahrradverkehr, die den Jenaer Stadtrat berät. In dieser Funktion organisierte er den Kirchenradweg Jena – Thalbürgel.
| Personendaten | |
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| NAME | Guthke, Reinhard |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Bioinformatiker und Systembiologe |
| GEBURTSDATUM | 22. Oktober 1950 |
| GEBURTSORT | Kyritz |