Ein Reiserschnittgarten ist eine landwirtschaftliche Anlage, in der Mutterpflanzen von Obstbäumen kultiviert werden, um Edelreiser für Baumschulen und Erwerbsobstbau sowie für Kleingärtner zur Verfügung zu stellen. In der Regel wurden diese Anlagen von staatlichen Stellen eingerichtet oder getragen, um die nationale Versorgung mit gesunden, d. h. virusfreien, sowie sortenreinen und idealerweise zertifizierten Edelreisern sicherzustellen. Ferner dienen Reisergärten dem Erhalt alter regionaler Obstsorten. Im Zuge der allgemeinen Privatisierung staatlicher Aufgaben zog sich der Staat jedoch aus dem Betrieb von Reiserschnittgärten zurück. Diese wurden in privatwirtschaftliche Formen überführt und werden nun von unterschiedlichen Träger betrieben, z. B. von Gartenbauverbänden, Interessengemeinschaften und Vereinen. In Deutschland gab es vor der Privatisierung elf Reisergärten in öffentlicher Trägerschaft, von denen heute drei in privatrechtlicher Form betrieben werden. 2010 wurden ca. 2,8 Millionen Reiser von über 800 Sorten abgegeben. Zum Vergleich: Die Reisergärten in den Niederlanden geben jährlich 14 Millionen Edelreiser von nur 300 Sorten ab.