Remote Tower Control (RTC), auch Remote Virtual Tower (RVT) genannt, ist ein Konzept, bei dem der Flugverkehrsdienst (ATS) an einem Flughafen an einem anderen Ort als im örtlichen Kontrollturm durchgeführt wird. Obwohl es ursprünglich für Flughäfen mit geringem Verkehrsaufkommen entwickelt wurde, wurde es 2021 auf einem großen internationalen Flughafen, dem London City Airport (84.260 Flugbewegungen im Jahr 2019), installiert.
Der erste Remote-Tower wurde im April 2015 in Schweden in Betrieb genommen. Im Jahr 2019 war der Scandinavian Mountains Airport in Dalarna, Schweden, der weltweit erste Flughafen, der ohne traditionellen Tower gebaut wurde und ferngesteuert wird.
In Deutschland wird seit 2018 von der Deutschen Flugsicherung ein Remote Tower Operation Center am Flughafen Leipzig/Halle betrieben. Zunächst wurden damit Flugsicherungsdienste am 450 km entfernten Flughafen Saarbrücken erbracht. 2021 kamen Flugsicherungsdienste für den Flughafen Erfurt-Weimar dazu. Ferner ist geplant von hier aus in Zukunft auch Flugsicherungsdienste für den Flughafen Dresden zu erbringen.
Seit 2024 bietet die DFS Aviation Services (DAS), eine Tochterfirma der Deutschen Flugsicherung, Flugsicherungsdienste am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg und am Flugplatz Emden von einer Kontrollzentrale am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg aus, an.
Anstatt sich in einem Flughafen-Tower zu befinden, arbeiten die Fluglotsen (engl. Air Traffic Control Officer, ATCO) oder Fluginformationsdienstbeamten (engl. Aerodrome Flight Information Service Officer, AFISO) in einem entfernten Towerzentrum, von wo aus sie den Flugsicherungsdienst bereitstellen. Durch Kameras und Sensoren behalten sie den Überblick über das Geschehen auf dem Flugfeld.
Das RTC-Konzept zielt darauf ab, Folgendes bereitzustellen:
Der Hauptvorteil von RTC liegt in der Kosteneffizienz.
Die Kosteneinsparungen ergeben sich aus folgenden Faktoren:
Es besteht auch ein großes Potenzial, Flüge, die entweder außerhalb der Kernöffnungszeiten des Flughafens stattfinden, besser und kosteneffizienter abzuwickeln oder den außerplanmäßigen Verkehr (Ambulanzflüge und Such- und Rettungshubschrauber) mit einem zu bedienen Flugverkehrsdienst während der Nachtzeit, wenn kleinere Flughäfen normalerweise geschlossen wären.