Von 1960 bis 1993 wirkte Renate Matthaei als Lektorin für deutschsprachige Literatur im Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch. Anfang der 1960er Jahre entdeckte sie den Autor Rolf Dieter Brinkmann und hat ihn in der Folge – teilweise in Zusammenarbeit mit ihrem Lektoratskollegen Dieter Wellershoff – betreut. Brinkmanns GedichtTritt im Band Die Piloten von 1968 liest sich als Einladung an Renate Matthaei zu einer Diskussion über ästhetische Fragen und beginnt mit den apostrophierenden Versen: „Tritt // ein, Matthaei / und setz dich / hin, wir müs- // sen […] reden“. Sie brachte Werke von Wilhelm Reich und Ronald D. Laing ins Verlagsprogramm. Später hat sie auch Heinrich Böll lektoriert. Mit dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs sind viele Zeugnisse ihrer Arbeit für den Verlag Kiepenheuer & Witsch abhandengekommen.
„Der Plan war, mit diesem Buch die Rückkoppelung zwischen dem ‚fiktionalisierten‘ Environment und der Literatur zu erleichtern. Denn die triviale Künstlichkeit unseres Milieus, täglich als ‚Natur‘ (‚Leben aus erster Hand‘) proklamiert, fordert eine zweite Künstlichkeit heraus, die die erste verdoppelt und distanziert.“ (Vorwort zu Trivialmythen)
Luigi Pirandello. Friedrich, Velber bei Hannover 1967; 2.Aufl.: dtv 1972; englische Übersetzung von Simon and Erika Young: Ungar, New York 1973, ISBN 0-8044-2592-2.
Die verhinderte Humanisierung der Sexualität. In: LIT. Das Literatur-Magazin im Verlag Kiepenheuer & Witsch 1 (Herbst 1968), S.21–23.
Grenzverschiebung. Neue Tendenzen in der deutschen Literatur der 60er Jahre. Hrsg. von Renate Matthaei. Kiepenheuer & Witsch, Köln / Berlin 1970.
Trivialmythen. Hrsg. von Renate Matthaei. März, Frankfurt am Main 1970.
Die subversive Madonna. Ein Schlüssel zum Werk Heinrich Bölls. Hrsg. von Renate Matthaei. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1975, ISBN 3-462-01046-8.
Matronen, heilige Jungfrauen und wilde Weiber. Zur Geschichte der Kölner Weiberfastnacht. Landpresse, Weilerswist 2001, ISBN 3-935221-05-3.
Der kölsche Jeck. Zur Karnevals- und Lachkultur in Köln. Mit einem Vorwort von Hartmut Priess. Dabbelju, Köln 2009, ISBN 978-3-939666-11-0.
Sulpiz Boisserée und die Vollendung des Kölner Doms. Eine Biographie. Books on Demand, Norderstedt 2016, ISBN 978-3-7392-3517-2.
Literatur
Jan-Frederik Bandel: Trivialmythen „1968“. Leslie A. Fiedler und die deutsche Popliteratur. In: Konstellationen 3 (2002), S.26–30.
Ralf Bentz u.a.: Protest! Literatur um 1968. Eine Ausstellung des Deutschen Literaturarchivs. Deutsche Schillergesellschaft, Marbach am Neckar 1998 (=Marbacher Kataloge 51). ISBN 3-929146-69-X, S.376f.
Klaus Rümmele: Zeichensprache. Text und Bild bei Rolf Dieter Brinkmann und Pop-Autoren der Gegenwart. KIT Scientific Publishing, Karlsruhe 2012, ISBN 978-3-86644-762-2, S.84–92.
12Lebenslauf. In: Renate Matthaei: Das Mythische in Clemens Brentanos „Die Gründung Prags“ und den „Romanzen vom Rosenkranz“. Diss. masch. Köln 1960, S.201.
↑Rolf Dieter Brinkmann: Tritt. In: Die Piloten. Neue Gedichte. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1968, S.32/33, hier S.32; hierzu en passant: Rolf Dieter Brinkmann. Seine Gedichte in Einzelinterpretationen. Hrsg. von Jan Röhnert, Gunter Geduldig. De Gruyter, Berlin / Boston 2012. Bd.1, S.173.
↑Christian Linder: Beschreibung einer Umstrukturierung. In: Kiepenheuer & Witsch 1949–1974. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1974, S.90–118, hier S.100ff.
↑Frank Möller: Das Buch Witsch. Das schwindelerregende Leben des Verlegers Joseph Caspar Witsch. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2014, S.620.
↑Vgl. u.a. Renate Matthaei: Kunst im Zeitalter der Multiplizierbarkeit. Situation und Theorie der Intermedia. In: Merkur 26,9 (September 1972), S.884–899.
↑Manfred Durzak: Zehn Jahre Literatur. Was und wie schrieben die deutschsprachigen Autoren der sechziger Jahre? Rückblick und Einordnung. In: Die Welt, 10. Dezember 1970, S.9.
12Grenzverschiebung. Neue Tendenzen in der deutschen Literatur. Hrsg. von Renate Matthaei. 2.Aufl. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1972, S.7–10: Inhaltsverzeichnis (PDF;162kB) (abgefragt am 20.Juni 2020).
↑Renate Matthaei: Vorwort. In: Trivialmythen. März, Frankfurt am Main 1970, S.7–10, hier S.7.