Repoussoir

Das Repoussoir (französisch repousser: abweisen, wegschieben, zurückdrängen, von sich weisen; französisch Repoussoir: Kontrast, Schreckbild, Vogelscheuche), englisch auch „Framing“ (= Einrahmung) genannt, ist ein bildnerisches Mittel, bei dem Bildelemente im Vordergrund eines Kunstwerkes (Druckgrafik, Flachrelief, Gemälde, Zeichnung), einer Fotografie oder im Film platziert sind. Meist sind es übergroße, dunkle oder rötliche, häufig vertikale Gegenstände. Mögliche Bildelemente sind Äste, Baum/Baumgruppen, Blumen, Draperie, Fenster, Mensch(en), Steine, Stillleben, Tier(e), Torbogen, Türflügel, Zaun u. v. m.

Zweck

Repoussoirfigur

Die Repoussoirfigur ist ein Mensch, selten ein Tier, im Vordergrund eines Bildes, in die sich die Betrachtenden hineinversetzen können. Meist ist sie groß und eine Rückenfigur. Die Betrachtenden folgen der Blickrichtung der Figur, wodurch die Blicke in die Tiefe und auf das zentrale Thema des Bildes gelenkt werden. Nicht zu verwechseln ist die Repoussoirfigur mit der Staffagefigur. Diese ist ein meist kleiner, anonymer Mensch, selten ein Tier, im Mittel- oder Hintergrund einer Architektur- oder Landschaftsmalerei.

Das Repoussoir in der Kunst

Das Repoussoir war vor allem in der Malerei der Renaissance, im Manierismus und Barock ein technischer Trick, der Raumtiefe andeutet und den Blick der Betrachtenden lenkt. Es wird jedoch allgemein als zeitlose Technik angesehen, da es unabhängig von Künstlerinnen und Künstlern aus verschiedenen Epochen in verschiedenen Stilen und Formen verwendet wurde.

Das Repoussoir in der Fotografie

Fotografie: Ein Blick durch die Frontscheibe eines Autos.

Wie in der Malerei ist in der Fotografie der Vordergrund häufig abgedunkelt. Es entsteht ein Repoussoir, das Raumtiefe suggeriert und das die Aufmerksamkeit auf das Motiv im Mittel- oder Hintergrund lenkt. In einer Studioumgebung lässt sich dies einfach erreichen, da man die Beleuchtung selbst auswählen kann.

Eine andere Möglichkeit ist es, über die Schulter einer Person oder einer Personengruppe zu fotografieren, die das zentrale Motiv betrachten.

Das Repoussoir im Film

Filmszene: Der große Diktator, 1940.

In einzelnen Bildern aus Filmen (Film still = Standfoto) werden die Repoussoirs wie in Kunstwerken bzw. Fotografien eingesetzt.

Galerie

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Christian Mikunda: Kino spüren. Strategien der emotionalen Filmgestaltung. WUV Universitätsverlag, Wien 2002, ISBN 978-3-85114-478-9, S. 72, 75.
  2. ↑ Bert Bilzer: Begriffslexikon der Bildenden Künste. 2, Stichwort: Repoussoir. Georg Westermann Verlag, Braunschweig 1971, ISBN 3-499-16147-8, S. 94 und 95.
  3. ↑ Harry Painter: Repoussoir erklärt und wie man es in der Fotografie verwendet. 6. Dezember 2021, abgerufen am 5. Oktober 2022 (englisch).
  4. ↑ Peter Joch: Methode und Inhalt. Momente von künstlerischer Selbstreferenz im Werk von Nicolas Poussin. (Dissertation). Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2003, ISBN 3-8300-0999-2, S. 117 und 118.