Repowering

Repowering, dt. etwa Kraftwerkserneuerung, bezeichnet das Ersetzen alter Kraftwerksteile zur Stromerzeugung durch neue Anlagenteile, beispielsweise mit höherem Wirkungsgrad, wobei Teile der schon vorhandenen Anlagen und der Infrastruktur weiterverwendet werden. Repowering kann auch den Kraftwerkstyp ändern: beispielsweise kann ein Kohlekraftwerk durch ein GuD-Kraftwerk ersetzt werden. Ein konkretes Beispiel für das Repowering und die Umwandlung in eine GuD-Anlage ist Block 1/2 des Kraftwerks Simmering.

Zwei Vorteile des Repowering gegenüber einer neuen Anlage sind die vorhandene Genehmigung und die oft vorhandene Akzeptanz vieler Anwohner. Neue Genehmigungen sind häufig Auslöser von Bürgerprotesten.

Optimaler Zeitpunkt für ein Repowering

Anlagen zur Stromerzeugung sind, wie alle technischen Anlagen, zumeist für eine bestimmte Lebensdauer ausgelegt. Danach erfolgt entweder eine gründliche Aufarbeitung, bei der man viele Kernkomponenten ersetzt, oder die Anlage wird stillgelegt. Wann ein günstiger Zeitpunkt für ein Repowering ist, hängt auch von weiteren Faktoren ab:

Wenn man den Kraftwerkstyp ändert, ist der Zweck des jeweiligen Kraftwerks (Grundlast, Mittellast, Spitzenlast) zu berücksichtigen. Es ist auch möglich, Kernkraftwerke durch konventionelle thermische Kraftwerke zu ersetzen (und umgekehrt). Wenn ein Wärmekraftwerk durch ein neues Wärmekraftwerk ersetzt wird, ist die maximal mögliche Leistung der neuen Anlage von der maximal zulässigen Erwärmung des Gewässers und der Kühlturm-Kapazität abhängig.

Windenergie

Repowering am gleichen Standort
Vergleich der Rotordrehzahl dreier unterschiedlicher Generationen von Windkraftanlagen des gleichen Herstellers bei gleichen Windbedingungen. Von links nach rechts: Enercon E-141 aus den späten 2010er Jahren, Enercon E-82 aus den 2000er Jahren und Enercon E-40 aus den 1990er Jahren

Eine große Bedeutung hat Repowering in der Windenergiebranche. Windenergieanlagen sind für eine Lebensdauer von etwa 25 Jahren ausgelegt. Durch die rasante Entwicklung der Technologie in den letzten Jahren und stark gesunkener Stromentstehungskosten ist es in vielen Fällen rentabel, schon vor Ablauf der technischen Lebensdauer alte, kleine Anlagen durch neue, größere zu ersetzen. Für gebrauchte Anlagen gibt es einen internationalen Markt, der sich insbesondere auf Anlagen fokussiert, die in dieser Form noch gebaut werden. Oft werden Altanlagen auch als Ersatzteillager genutzt. In Deutschland wurden 2010 116 Anlagen abgebaut, 2011 waren es 170, 2012 252, 2013 416 und 2014 544 Anlagen.

2018 wurde das F&E-Projekt Seeoff unter Beteiligung von Repowering gestartet, um Strategien zum Abbau bzw. Repowering von Offshore-Windparks zu untersuchen.

Vorteile des Repowering für die Allgemeinheit

Vorteile für die Betreiber

Mögliche Probleme

Nicht immer ist es möglich, bestehende Windkraftanlagen durch größere und damit in der Regel höhere Anlagen zu ersetzen, zum Beispiel, wenn aus Gründen der Gefährdung des Luftverkehrs keine höheren Anlagen zulässig sind. Größere Anlagen bedürfen auch aufwändigerer Fundamente, was die Kosten für Repoweringmaßnahmen bei ungünstigen Bodenverhältnissen stark erhöhen kann. Auch kann unter Umständen die Anlieferung großer Komponenten aufwändig sein.

Die EU-Richtlinie RED II soll die Genehmigung von Repowering-Projekten beschleunigen; Deutschland hat dies über das Bundesimmissionsschutzgesetz in deutsches Recht übertragen.

Einzelnachweise

  1. ↑ handelsblatt.com vom 15. September 2015: Sprengen, fällen oder gebraucht verkaufen (Quelle der Daten: Deutsche Windguard DEWI GmbH)
  2. ↑ Status des Windenergiezubaus an Land in Deutschland 2014 (Memento vom 5. August 2017 im Internet Archive). Internetseite der Deutschen Windguard. Abgerufen am 30. April 2015.
  3. ↑ Bundesverband Windenergie: Repowering (Memento vom 12. März 2011 im Internet Archive)
  4. ↑ § 10 EEG 2004
  5. ↑ § 30 EEG 2009
  6. ↑ FAZ.net vom 25. August 2021 / Christian Geinitz: Der Windkraftausbau stockt – obwohl er so einfach wäre